Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ostprignitz-Ruppin Unterrichtsstunde im Wald
Lokales Ostprignitz-Ruppin Unterrichtsstunde im Wald
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:46 29.03.2018
Revierförsterin Annette Meckel hat für die Rheinsberger Schüler einen toten Waldkauz mitgebracht, den sie sich nun ganz aus der Nähe ansehen können. Quelle: Cornelia Felsch
Rheinsberg

Noch ist es ganz ruhig im Wald bei Rheinsberg, kaum zu glauben, dass eine ganze Schulklasse hier unterwegs ist. Die Spuren im Schnee führen zu einer Lichtung, auf der sich die Kinder im Kreis um die Revierförsterin Annette Meckel versammelt haben. Mucksmäuschenstill lauschen sie auf die Geräusche des Waldes.

Das Klopfen eines Spechtes beendet die Stille. Beinahe konkurrenzlos klopft und hämmert er an seinem Baum. Doch der Specht klopft nicht nur, um Nahrung zu finden oder seine Höhle zu bauen, wie so oft geht es auch um die Partnerwahl. Jedes Klopfen ist individuell. Aufmerksam hören die Viertklässler aus der Salvador-Allende-Schule mit geschlossenen Augen zu, wenn die Försterin etwas erklärt. An diesem Waldtag gibt es bestimmte Regeln und die kennen die Schüler mittlerweile genau, denn seit drei Jahren machen sie mit ihr einmal im Monat gemeinsame Waldausflüge.

Der Waldtag ist ein wichtiger Bestandteil des Stundenplans, auf den sich die Kinder besonders freuen. Hier können sie toben, den Wald entdecken, Gemeinschaft erleben, Tiere und Pflanzen erforschen und den Vögeln zuhören. „Das ist besonders schön“, sagt die zehnjährige Leonie. „Mir ist es wichtig, dass die Kinder eine Verbindung zur Natur bekommen“, sagt Annette Meckel und fügt hinzu: „Uns soll es allen gut gehen. Doch wer ist mit ,uns’ gemeint?“ Leonie weiß das sofort: „Die Tiere, die Pflanzen und die Menschen.“

Die Kinder sollen beim Waldtag die Natur mit allen Sinnen erleben

Die Försterin ist mit der Antwort zufrieden. In den vergangenen Jahren haben die Schüler viel gelernt. Ihrem Klassenlehrer, Tobias Kalkofen, der an diesem Tag zum ersten mal im Wald dabei ist, haben sie einiges voraus und können ihm noch etwas beibringen. Doch die Wissensvermittlung steht für Annette Meckel, die eine wildnispädagogische Ausbildung an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde absolviert hat und sich regelmäßig weiterbilden lässt, nicht im Vordergrund.

„Sie sollen lernen, die Natur mit allen Sinnen und Stimmungen zu erleben. Nur dann können sie die Natur und den Wald auch als Kraftquelle und als einen Ort entdecken, an dem man sich entspannen kann. Ein Ort, der Neugier und Wissensdurst weckt.“ Riechen, horchen, Spuren lesen, tasten, fühlen, schnitzen und Feuer anzünden – die Stunden im Wald sind spannend und vergehen viel zu schnell.

Das Waldstück durch das die Kinder nun für eine Weile toben dürfen, gehört dem Zempower Energieholzproduzent Falk Brune, der es für die waldpädagogische Arbeit zur Verfügung gestellt hat. „Wenn ich das Wolfsgeheul mache, dann seid ihr wieder da“, sagt Annette Meckel. An diesem Tag wollte die Klasse eigentlich Bucheckern in die Erde bringen. Doch der Frost hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Boden ist noch gefroren und so muss die Aktion verschoben werden.

Drei Waldpädagogen der Neuruppiner Oberförsterei begleiten die Kinder

Das kleine Areal ist schon vorbereitet und eingezäunt, damit die Buchen später dort ungestört wachsen können. Zu einem Waldtag gehören auch Spiele und die sind besonders willkommen. Mit Annette Meckel haben die Schüler eine ideale Partnerin, die genauso ausgelassen wie sie durch den Wald tollt. Bei diesem Spiel ist sie der Jäger, vor dem sich die Tiere verstecken müssen.

Schließlich gibt es auch noch eine Überraschung. Die Försterin öffnet ihre Tasche und fördert einen toten Waldkauz zu Tage. „Er ist auf der Straße verunglückt und dort hat ihn mein Mann gefunden“, sagt sie. Interessiert schauen sich die Kinder den Eulenvogel an. „Auf dem Waldboden ist es für die Vögel schwieriger, die Mäuse zu entdecken. Deshalb jagen sie lieber auf der Straße, weil sie potenzielle Nahrung dort besser entdecken können. Doch die Jagd endete tödlich und die Kinder dürfen sich nun eine der weichen Federn mit nach Hause nehmen.

Die waldpädagogische Arbeit ist in ihrem Fortbestand gefährdet

Annette Meckel ist nicht die einzige Waldpädagogin in der Neuruppiner Oberförsterei. Auch ihre Kollegen Peter Linke und Michael Klasen betreuen Schulklassen und Kindergärten. Die Nachfrage nach waldpädagogischen Projekten und Veranstaltungen hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. „Im vergangenen Jahr haben wir 160 derartige Veranstaltungen durchgeführt“, sagt die Leiterin der Oberförsterei Neuruppin, Annett Engelmann. Vier Wald-Arbeitsgemeinschaften gibt es im Territorium., ein Waldprojekt wurde neu etabliert.

Annette Meckel hofft, dass die waldpädagogische Arbeit auch in den kommenden Jahren fortgesetzt werden kann. „Ich fände es traurig, wenn diese Projekte der neuen Forstreform zum Opfer fallen sollten“, sagt sie. Diese Befürchtungen sind nicht ganz unbegründet, denn im Forstbereich des Landes Brandenburg sollen künftig mehr als 400 Stellen wegfallen. Auch Waldschulen und andere waldpädagogische Einrichtungen müssten künftig geschlossen werden,

Von Cornelia Felsch

Am 29. April lädt der Fliegerklub Wittstock zu einen großen Flugtag für die ganze Familie ein. Damit geht der Verein in die Werbe-Offensive. Er will Mitglieder gewinnen und sich verjüngen.

06.03.2018

Hans Werner Olm ist in seinem Element: mit messerscharfem Blick nimmt er Alltägliches und Kurioses unserer Zeit aufs Korn. Bereits zum sechsten Mal gastierte er im Neuruppiner Kulturhaus Stadtgarten. Am Freitag folgten ihm 300 Fans auf seiner Reise durch den Wahnsinn des Alltags.

06.03.2018

MAZ-Serie „Damals -heute“: Die MAZ ist auf Zeitreise gegangen und zeigt in loser Reihenfolge, wie sich Brandenburgs Städte gewandelt haben. Zu jedem historischen Foto gibt es eine aktuelle Aufnahme. Dieses Mal zeigen wir, wie sich Rheinsberg verändert hat. Die historischen Aufnahmen hat der Verein für Stadtgeschichte beigesteuert.

23.04.2018
Anzeige