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Untersee Kyritz: Brandenburgs ruhigstes Revier

Wasserschutzpolizei Untersee Kyritz: Brandenburgs ruhigstes Revier

Bootsunfälle, um Hilfe ringende Badegäste, gestohlene Motoren oder gleich ganze Schiffe – auf dem Kyritzer Untersee ist all das Fehlanzeige. Dennoch ist die Wasserschutzpolizei der Direktion Nord mittels einer mobilen Einheit präsent. Und hin und wieder kommen die Beamten auch dort ins Schwitzen.

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Andreas Pompetzki (l.)und Volker Bethke bei ihrer Kontrollfahrt auf dem Kyritzer Untersee. Das Alu-Boot ist eine Spezialanfertigung für die Polizei.

Quelle: Fotos (4): Matthias Anke

Kyritz. War fast klar, dass der am Ende auch noch kommt: „Sind das jetzt Wasserpistolen, die Ihr da bei euch tragt, automatische sozusagen?“ Volker Bethke grinst. „Alt, richtig alt, dieser Joke“, sagt der Wasserschutzpolizist. Hinter ihm liegen in dem Moment nicht nur diese lustigen, sprücheklopfenden Badegäste im Wasser, sondern auch zweieinhalb Stunden Einsatz auf dem Kyritzer Untersee. „Wir werden manchmal ganz schön veräppelt“, sagt Polizeiobermeister Bethke. „Aber ist ok. Soll jeder seinen Spaß haben.“

Dass er und sein Kollege, Polizeihauptmeister Andreas Pompetzki, keinen Spaß verstehen, wenn es um Recht und Gesetz geht, wird an diesem Tag auf dem Untersee klar. Dabei gilt das Gewässer eigentlich als ihr ruhigstes Revier, sagt Pompetzki. Er ist amtierender Leiter der Wasserschutzpolizei der Brandenburger Direktion Nord. „Uns ist jedenfalls nichts Schwerwiegendes in Erinnerung. Unfälle auch nicht. Damit haben wir viel mehr zu tun beispielsweise in den Bereichen Fürstenberg oder Rheinsberg wegen des dort zunehmenden Charterbootverkehrs“, sagt Pompetzki, als er eine Schilfzone ansteuert. Ein feuerrotes Ruderboot liegt zwischen den grünen Halmen. Weit und breit ist zunächst keiner zu sehen.

Idylle auf dem Kyritzer Untersee

Idylle auf dem Kyritzer Untersee

Quelle: Matthias Anke

„Huch!“, sagt eine Frau und springt auf. Sie sei eingeschlafen, habe nicht mitbekommen, dass sie trotz Anker so weit ins Schilf trieb – und entschuldigt sich. Bethke und Pompetzki belassen es bei einer mündlichen Verwarnung. Sie hätten 20 Euro kassieren können mit Verweis auf die Landesschifffahrtsverordnung. Die sieht den Schutz von Wasserpflanzen wie Schilf, aber auch Seerosen vor. So ist ein Meter Abstand von ihnen zu halten. „Wir haben viele solche naturschutzrechtlichen Dinge zu beachten“, sagt Andreas Pompetzki.

Die Frau hatte mit ihnen „im Leben nicht gerechnet“. So, wie fast alle Leute auf und an diesem Gewässer. Denn Pompetzki und Bethke kommen als mobile Einheit nur stichprobenweise. Dieses Jahr sahen sie bereits in jedem Monat einmal vorbei. Ihr Aluminiumboot mit dem 60-PS-Außenborder bringen sie dann immer mit dem Auto von ihrer Hauptdienststelle in Oranienburg aus bis nach Kyritz. „Obwohl es wenig zu tun gibt, kommen wir, um Präsenz zu zeigen“, sagt Pompetzki. Fast alle Leute winken ihnen. Sie scheinen sich zu freuen, dass die Polizei da ist.

Der Angler hat alle Papiere bei sich

Der Angler hat alle Papiere bei sich. Aber das Campen im Wald ist trotzdem verboten.

Quelle: Matthias Anke

Ein paar Meter weiter neben der Dame mit ihrem Ruderboot macht ein Angler die Beamten neugierig. Zwei Bojen sehen aus, als markierten sie eine von ihm gelegte Reuse. Volker Bethke, vor seiner Zeit bei der Polizei Berufsfischer, guckt skeptisch. „Die markieren nur meine Futterplätze“, ruft der Angler. Wie die Beamten feststellen, geht er seinem Hobby auch sonst vorschriftsmäßig nach. „An der Kyritzer Seenkette kontrollieren Leute von der Fischereiaufsicht oft genug, so dass wir also selbst mit Anglern hier keine Probleme haben“, sagt Pompetzki. Dennoch wird auch dieser Mann mündlich verwarnt. Er soll umgehend sein riesiges, fest montiertes Zelt abbauen. Wildes campen mitten im Wald am Seeufer ist verboten.

Auf 285 Kilometern Wasserstraße unterwegs

Ihren Dienstsitz hat die Wasserschutzpolizei der Brandenburger Polizeidirektion Nord in Oranienburg. Die insgesamt dort arbeitenden 40 Beamten verteilen sich über die Nebenstellen in Wittenberge, Rheinsberg, Fürstenberg und Neuruppin, wo es jeweils feste Polizeibootsliegeplätze gibt.

Wittenberge zählt wegen der Elbeschifffahrt als eigenes Revier.

Neben Metallbooten verfügen die Beamten über Schlauchboote, die ebenso flexibel eingesetzt werden können, etwa zur Absicherung des Schlosses Meseberg, Gästehaus der deutschen Bundesregierung.

285 Kilometer Bundes- und Landeswasserstraßen liegen im Zuständigkeitsbereich der Wasserschutzpolizei Nord, dazu viele Seen wie der Ruppiner See und der Rheinsberger See.

Zu den Aufgaben der Polizisten zählen auch die Hilfe bei der Suche nach Vermissten oder Geschwindigkeits- und Alkoholkontrollen auf dem Wasser. Selbst für muskelbetriebene Wasserfahrzeuge, sprich Ruderbootfahrer, gelten Alkoholgrenzen. Bei den Sportbootfahrern entsprechen sie denen im Straßenverkehr.

„Wusste ich nicht.“ Das sei der häufigste Satz von den Leuten, die Bethke und Pompetzki kontrollieren. „Viele machen sich einfach keine Gedanken“, sagt Pompetzki. So sieht er etwa eine Gefahrenquelle darin, dass heutzutage ohne Führerschein mit bis zu 15 PS starken Motoren gefahren werden darf.

Auf dem Untersee sind nur ausnahmsweise Boote mit Verbrennungsmotor erlaubt, etwa die zwei großen Fahrgastschiffe oder die Begleitboote der Seglervereine. So zieht die schwimmende Polizei an diesem Tag nur an Badegästen auf Luftmatzratzen vorbei, an Schwanenfamilien und Haubentauchern mit noch zappelnden Fischen im Schnabel oder eben den vielen Ruderbooten.

Kontrollen auf dem Wasser sind im Kyritzer Revier selten

Kontrollen auf dem Wasser sind im Kyritzer Revier selten.

Quelle: Matthias Anke

Und schon wieder taucht ein solches im Schilf liegend vor den Beamten auf. Der ältere Herr darin, der ein Buch liest, ankert auf seine Weise: Er hat ein Seil um die Halme gebunden. Auf die zerknickten Pflanzen hingewiesen, redet er von „Haarspalterei“. Für ihn werden die 20 Euro Verwarngeld sofort fällig. „Bei Uneinsichtigkeit können wir nichts mehr machen“, erklärt Volker Bethke – ohne zu ahnen, auf wie uneinsichtige junge Leute er und sein Kollege gleich noch stoßen werden.

Im Schatten sind es jetzt 35 Grad Celsius. Auf dem Wasser kleben die Haare unter den Polizeibasecaps. Kurze weiße Hemden sind den Beamten gestattet. Die lange dunkelblaue Hose aber muss sein. Bethke blickt durchs Fernglas. Unter den Bäumen am Ufer gilt die Waldbrandwarnstufe 5, die höchste. „Allmählich könnten wir zum Seglerhafen nach Kyritz umkehren“, sagt er und erblickt zwei Autos, die diese Rückfahrt doch noch um so einiges verzögern: Zwei junge Männer, die mit ihren Mädels den Tag bis jetzt noch genossen, wollen nicht glauben, einen Fehler begangen zu haben. Vom Landeswaldgesetz her ist es schließlich grundsätzlich verboten, Waldwege zu befahren. Das wäre eine Ordnungswidrigkeit, erklären ihnen die uniformierten Überraschungsgäste. Angesichts der Warnstufe 5 aber sei der Tatbestand Paragraf 306 f des Strafgesetzbuches erfüllt: Herbeiführen einer Waldbrandgefahr. Bis zu drei Jahre Gefängnis drohen.

Während für die jungen Leute der Tag damit hin ist und ihnen nun angeraten ist, sich um einen Anwalt zu kümmern, geht für die Badegäste kurz vor dem Ziel in Kyritz das Leben lustig weiter. „So, wie Sie arbeiten, möchte ich Urlaub machen.“ Der Spruch ist noch älter als der mit den Wasserpistolen, sagt Pompetzki und ergänzt: „03301/8 50 26 53, bei uns anzurufen, kann nicht schaden.“ Auch die Wasserschutzpolizei suche dringend Nachwuchs.

Von Matthias Anke

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