Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Verdacht: Sexueller Missbrauch im Heim

Wittstock Verdacht: Sexueller Missbrauch im Heim

In einem Heim für Kinder und Jugendliche in der Prignitz ist wohl ein elfjähriger Junge aus Wittstock von einem 14-Jährigen sexuell missbraucht worden. Die Mutter des Elfjährigen ist entsetzt – auch weil ihr Sohn auf Geheiß des Jugendamtes in das Heim zurück kehren musste. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin ermittelt.

Voriger Artikel
Frühlingsgefühle im Alten Laden
Nächster Artikel
Die Nadel im Arm

Die Staatsanwaltschaft versucht zu ermitteln, was in dem Heim in der Prignitz Anfang Dezember passiert ist.

Quelle: DPA

Wittstock. Als Thomas* erfuhr, dass er wieder zurück in das Heim sollte, konnte seine Mutter ihn kaum beruhigen. Der Elfjährige schrie so laut, dass sich Nachbarn beschwerten. Doch der lautstarke Protest von Thomas half dem Jungen nicht. Er musste ein paar Tage später zurück in das Heim in der Prignitz. In das Heim, in dem der Elfjährige Anfang Dezember wohl von seinem 14-jährigen Zimmerkollegen sexuell missbraucht wurde.

Hat das Heim die Polizei und das Jugendamt informiert?

Der Jugendliche wurde zwar inzwischen in ein anderes Heim verlegt. Das reicht Monika Meier*, der Mutter von Thomas, jedoch keinesfalls aus. Thomas werde in dem Heim doch jeden Tag aufs Neue an den Vorfall erinnert, sagt die 32-Jährige. Die Wittstockerin, die geraume Zeit medikamentenabhängig war und gerade eine Therapie hinter sich hat, hat jegliches Vertrauen in die Einrichtung verloren, die ihrem Sohn eigentlich helfen soll. Denn das Heim hatte im Dezember zunächst mitgeteilt, dass ihr Sohn den 14-Jährigen sexuell belästigt haben soll. Den Aussagen von Thomas, der die Vorwürfe bestritt, wurde nicht geglaubt. Erst einen Monat später hieß es plötzlich bei einem Gespräch mit der Mutter, dass der Ältere sich wohl an dem Jüngeren vergriffen habe. Die Heimleiterin habe sich zwar entschuldigt, dass so etwas in der Einrichtung vorgekommen sei, so Meier. Jedoch soll die Heimleiterin weder das Jugendamt noch die Polizei über den Vorfall informiert haben.

Torge Vogelsang, der Anwalt von Meier, ist fassungslos. „Das war schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes. Das ist eine Straftat.“ Wegen dieses Verdachts ermittelt inzwischen auch die Staatsanwaltschaft. Vogelsang will, dass Thomas in ein anderes Heim kommt, in dem der Junge mehr Abstand von dem „schlimmsten Vorfall“ hat, den der Elfjährige bisher erlebt hat. Am besten sei eine Unterkunft, die sich in der Nähe der Mutter befindet, so der Anwalt. Thomas dort wieder unterzubringen, wo er dermaßen gedemütigt wurde, „das ist seelische Grausamkeit“, sagt Vogelsang.

Streit über das Sorgerecht des Sohnes

Die Mutter sieht das genauso. Monika Meier muss derzeit hinnehmen, dass ihr Sohn gar nicht mehr mit ihr reden will. Den Grund dafür glaubt die Wittstockerin zu kennen: Sie hat es nicht verhindern können, dass Thomas wieder zurück in das Heim in die Prignitz musste. Selbst der leibliche Vater von Thomas, von dem sie getrennt ist, scheiterte. Als er am Heim auftauchte und seinen Sohn einfach mitnehmen wollte, riefen Mitarbeiter die Polizei.

Etwas Gutes habe das gehabt, sagt Meier im Nachhinein. Am nächsten Tag habe das Jugendamt eingewilligt, dass Thomas zunächst einmal wieder zu ihr nach Hause konnte. „Er war total eingeschüchtert“, sagt die Mutter. Sie hoffte, dass ihr Sohn nie wieder in das Heim in die Prignitz zurück müsse. Um so schockierter sei sie gewesen, als sich drei Wochen später das Jugendamt bei ihr meldete und darauf bestand, dass Thomas wieder in das Heim zurückkehrt. „Er fühle sich dort wohl, haben sie gesagt“, so Meier. Die Wittstockerin glaubt das nicht. Sie habe der Rückkehr von Thomas in das Heim in der Prignitz nur aus der Angst heraus zugestimmt, ansonsten das Sorgerecht für ihren Sohn zu verlieren. Der nächste Termin am Familiengericht in Neuruppin im Streit über das Sorgerecht für Thomas ist noch in diesem Monat. Ob und wie sich der Vorfall in dem Heim auf die Verhandlung auswirken wird, ist völlig ungewiss.

Der Träger des Heimes, der nicht allein in der Prignitz psychotherapeutische Einrichtungen für Kinder und Jugendliche unterhält, wollte sich nicht zu dem Vorfall äußern.

*Die Namen sind geändert.


Von Andreas Vogel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin
123c76c4-dff8-11e7-a15f-f363db308704
Fontanestadt Neuruppin „damals und heute“

Neuruppin ist die Kreisstadt des Landkreises Ostprignitz-Ruppn. Der Ort erhielt 1256 das Stadtrecht und ist bekannt als Geburtsstadt von Schriftsteller Theodor Fontane und Baumeister Karl Friedrich Schinkel.

c001ffb8-fc5e-11e7-90a2-a388f9eff187
Kyritz damals und heute

Über ihre mittelalterlichen Grenzen wuchs die Knatterstadt erst im 19. Jahrhundert hinaus. Aber dann richtig: Die Stadt ist im steten Wandel begriffen. Viele alte Bauten mussten bis in die jüngste Zeit hinein neuen Ideen und Bedürfnissen weichen.

7d84d8be-fb68-11e7-b11f-9a7b802e86ee
Lindow damals und heute

Die MAZ lädt ein zu einer Zeitreise. Wir haben historische Ansichten von Lindow zusammengestellt und vom gleichen Ort aus wie damals heute noch einmal eine Aufnahme gemacht. Die Ergebnisse zeigt diese Bildergalerie. Die historischen Karten stammen aus dem Privatarchiv des Lindowers Udo Rönnefahrt.

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg