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Ostprignitz-Ruppin Verfall in Vichel
Lokales Ostprignitz-Ruppin Verfall in Vichel
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02:15 30.01.2016
René Strehlow vor den Resten des Quastschen Pferdestalls neben dem „Schloss“. Er will ihn wieder aufbauen.
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Vichel

Der Dom zu Frankfurt am Main, die Liebfrauenkirche in Trier, die Pfalzkapelle in Aachen, die Klosterkirche in Jerichow und die Franziskaner-Klosterkirche in Berlin – das sind nur einige bedeutende Bauwerke, die Ferdinand von Quast (1807 bis 1877) vor dem Verfall gerettet hat. Der Architekt und Kunsthistoriker aus Radensleben war der erste preußische Staatskonservator. Und ausgerechnet das Gut des ersten obersten Denkmalschützers in Brandenburg ist nun dem Verfall preisgegeben. Das ärgert René Strehlow aus Vichel gewaltig.

Denn nicht nur in Radensleben und Garz, sondern auch in Vichel gibt es ein Quast’sches Herrenhaus. Das Ensemble besteht aus dem Gutshaus im Stil einer norditalienischen Villa (sogenanntes „Schloss“ Vichel), aus dem Wirtschaftsgebäude aus Backstein, einem Kuhstall und dem 1844 errichteten Pferdestall. Der überstand die Zeit bis in die frühen 1990er Jahre fast unbeschadet. René Strehlow hat darin damals sogar noch eine alte Kutsche aus dem Fuhrpark derer von Quasts gesehen. Heute ist von dem prächtigen Fachwerkstall fast nichts mehr übrig. Hinter einem Bauzaun rotten Reste des ersten und des zweiten Stockwerks vor sich hin. Ausgerechnet ein Architekt aus dem Westen hatte die Scheune Mitte der 90er Jahre als Baustoffquelle geplündert, mit den Biberschwänzen sein Wohnhaus eingedeckt und mit den roten Ziegeln aus den Gefachen eine Mauer gebaut (die MAZ berichtete). Das imposante Fachwerkgebäude des ersten Landeskonservators von Quast war damit dem Verfall preisgegeben.

1997 war die Scheune geplündert worden. Quelle: Christian Schmettow

Die anthroposophisch ausgerichtete Gesellschaft zur Förderung musischer Erziehung in der sozialen und therapeutischen Arbeit (GzF), der das Ensemble seit Januar 2005 gehört, hat für den seit 1994 denkmalgeschützten Pferdestall nun sogar eine Abrissgenehmigung. Im Moment denke der Verein aber nicht daran, die Reste des Stalls zu beseitigen, sagt Rainer Jessen vom GzF-Vorstand. Auch der Verein hat die Idee noch nicht aufgegeben, den Stall wieder aufzubauen. Allein, es fehlt am Geld. Die Gesellschaft zur Förderung der musischen Erziehung betreibt in Rohrlack und Vichel Lebensgemeinschaften für Menschen mit Behinderungen.

Nicht so einfach als Wohnhaus umnutzbar

Historische Gebäude zu erhalten ist nicht Kernaufgabe des Vereins, obwohl die GzF in Berlin etliche Denkmale restauriert hat, wie Rainer Jessen betont. Für behinderte Menschen sei der Quast’sche Pferdestall aber nicht geeignet, sagt Jessen. Rollstuhlfahrer brauchen bestimmte Flur- und Türbreiten, es gelten strenge Brandschutzvorschriften. Vor allem aber ist der Stall ein landwirtschaftliches Gebäude, den man nicht so einfach als Wohnhaus umnutzen kann. Selbst wenn die Denkmalschutzbehörde nichts dagegen hätte, sei für eine Umwidmung zum Wohnen doch in erster Linie die Bauaufsicht zuständig. Rainer Jessen kann sich deshalb am ehesten vorstellen, die Fachwerk-Außenhülle wieder herzustellen – als Treffpunkr, Grillplatz und Ort für kulturelle Veranstaltungen. Aber auch dafür müsste der Verein auf ein reiches Erbe hoffen – unter einer halben Million Euro laufe da wohl nichts.

René Strehlow hofft eher auf die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD), auf viele Helfer und auf die Kraft seiner eigenen Hände. .

Schon vor knapp zwei Jahren hatte er in der MAZ zu Spenden für den Wiederaufbau des Pferdestalls aufgerufen. 22 500 Dachziegel hatte er schon gesammelt und das komplette Eichenholz für den Wiederaufbau in Vichel gelagert. Doch weil es keine Entscheidung gab für den Stall, werden die Balken nun für ein Fachwerkhaus in einem anderen Dorf verwendet.

Dass er große Projekte schafft, hat Strehlow bewiesen

Dass er große Projekte stemmen kann, hat René Strehlow schon am Wirtschaftsgebäude in Vichel und an anderen Lehm- und Fachwerkhäusern in der Region bewiesen. Den Quast’schen Pferdestall hat er in allen Einzelheiten vermessen und fotografiert. Aber er sieht auch andere in der Pflicht – zum Beispiel die DSD. Deutschlands größte private Initiative für Denkmalpflege hat sich in die Satzung geschrieben, Kulturgut zu erhalten – und dazu gehöre doch das ehemalige Rittergut des ersten Landeskonservators ohne Zweifel. Ferdinand von Quast habe kein Geld vom Kaiser erhalten, sondern alles selbst bezahlt. Da finde er René Strehlow es mehr als traurig, dass die Stiftung seine Bitte um Unterstützung vom November bis heute nicht einmal beantwortet habe.

Strehlow werde auf alle Fälle eine Antwort erhalten, verspricht Heidi Gerber, die bei der DSD für Brandenburg zuständig ist. Sie bittet um Nachsicht – der Brief aus Vichel fiel mitten in den Umzug ihres Büros von Potsdam nach Berlin, und sie habe 400 Objekte in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zu bearbeiten.

Die DSD hat bereits private Denkmale in der Region gefördert, zum Beispiel in Garz und in Manker. Anträge für das Folgejahr können jeweils bis Mitte August gestellt werden. Allerdings sei dabei eines zu beachten, so Heidi Gerber: Der Antragssteller muss auch Eigentümer des Denkmals sein – im Falle von Vichel also nicht René Strehlow, sondern die Gesellschaft zur Förderung musischer Erziehung und Lebensgestaltung.

Von Christian Schmettow

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