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Verliebt in einen Ausländer

Neuruppin Verliebt in einen Ausländer

Bei einer Neuruppiner Podiumsdiskussion zum Auftakt der Interkulturellen Woche in Ostprignitz-Ruppin diskutierten binationale Paare über ihre besonderen Erfahrungen. Für ausschließlich eine der beiden Kulturen möchte sich keiner der Ehepartner entscheiden. Warum auch? Es gibt immer eine Schnittmenge.

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Haben sich in London kennen gelernt: Ursula und Gavin Taylor.

Quelle: Frauke Herweg

Neuruppin. Das Erste, das Ursula Taylor an ihrem zukünftigen Mann auffällt: „Es war Engländer und er hatte einen Staubsauger in der Hand.“ Ende der 90er-Jahren treffen sich die beiden Opernsänger in London zum ersten Mal. Schon immer hat sich die junge Frau einen englischen Mann gewünscht. „Einen Mann im Tweed-Sakko“, sagt sie lachend. Der Mann, der ihr damals begegnet, trägt zwar keinen Tweed. Aber er wird der Mann, mit dem sie eine Familie gründet und heute in Ostprignitz-Ruppin lebt.

Wie haben sich binationale Paare kennen gelernt? Welche besonderen Probleme haben sie? Darüber diskutierten die Teilnehmer der Podiumsdiskussion „Binationale Partnerschaften – Leben in zwei Kulturen“ zum Auftakt der interkulturellen Woche am Montagabend in Neuruppin. „Binationale Paare haben die Fähigkeit, Unterschiede auszuhalten“, sagte die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Marlies Grunst. In einer sich verändernden Gesellschaft, in der mehr und mehr Flüchtlinge leben, könnte binationale Paare Brücken bilden. „Sie wissen, wie schwer es ist, anzukommen.“

Gute und schlechte Ausländer

Ursula Taylor kennt die Skepsis vor dem vermeintlich Fremden. Und sie weiß um die Unterschiede, die zwischen europäisch und eben nicht europäisch aussehenden Migranten gemacht werden. „Grüsse an ihren Mann – aber wie geht es Ihnen mit den ganzen Ausländern in Neuruppin?“ Das ist eine Frage, die Ursula Taylor schon hören musste.

Bernd Schönberg kennt eine andere Art von Skepsis – die behördliche. Vor zehn Jahren hatte er in Thailand seine heutige Frau kennen gelernt. „Der Beginn eines neuen Lebens.“ Als seine Frau jedoch nach Deutschland kommen möchte, wird ihr die Einreise verwehrt – Verdacht der Scheinehe. Auch der Leiter der Berliner Ausländerbehörde, bei dem sich Schönberg um eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung bemüht, ist misstrauisch. Schönberg zeigt 400 E-Mails, die eine Liebesbeziehung beweisen sollen. Der Beamte ist schließlich überzeugt.

Hohe behördliche Hürden für Nicht-EU-Ausländer

Die havelländische Linken-Landtagsabgeordnete Andrea Johlige würde sich wünschen, dass binationale Paare vor einer Hochzeit nicht so hohe Hürden überwinden müssen. Auch die aufenthaltsrechtlichen Hindernisse für Nicht-EU-Ausländer seien „richtig heftig“. Im Falle einer Scheidung droht gar die Abschiebung. „Das schafft ein Abhängigkeitsverhältnis in der Beziehung.“ Einziges Mittel dagegen: „eine möglichst schnelle Einbürgerung“.

Die Taylors waren sich von Anfang an einig, dass ihre Kinder beide Sprachen erlernen würden. Die Frage, ob sich seine Kinder oder er selbst für eine der beiden Kulturen entscheiden müssen, hat sich für Gavin Taylor allerdings nie gestellt. „Ich esse meine Pommes mit Essig und Salz“, sagt er mit einem Grinsen. „Wir dürfen unsere Unterschiede behalten – solange wir Gesetze nicht brechen.“

Keine Entweder-Oder-Entscheidung zwischen den Kulturen

Auch für Vito Avantario ist die kulturelle Herkunft keine Entweder-Oder-Frage. „Sich in eine der beiden Kulturen zurückzuziehen ist nie gut“, sagt der Autor des Buches „Zweiheimisch – Bikulturell leben in Deutschland“. Kulturen seien keine abgeschlossenen Systeme. „Es gibt immer eine Schnittmenge.“

Die Taylors und auch die Schönbergs – beide Paare fühlen sich als Botschafter für Toleranz. Als sich Menschen vor zwei Jahren wegen Flüchtlingen in Lentzke sorgen, mischte sich Schönberg in die Diskussion ein. „Mit deutschen Nachbarn kann man auch Ärger haben“, sagt er damals. Englischlehrer Gavin Taylor lud vor kurzem Flüchtlinge zu einem Essen in seine Klasse. Seine Schüler waren überrascht, wie lecker das Essen war, das die Flüchtlinge mitbrachten. „Man muss sie einfach mit der Tatsache konfrontieren, dass die Flüchtlinge gar nicht so anders sind.“

Von Frauke Herweg

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