Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ostprignitz-Ruppin Vermieter mit sozialer Ader
Lokales Ostprignitz-Ruppin Vermieter mit sozialer Ader
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:41 20.10.2017
Stephan Greiner-Petter. Quelle: Peter Geisler
Rheinsberg

Neun Uhr. Der Chef der Rheinsberger Wohnungsgesellschaft kommt ins Büro. Stephan Greiner-Petter wird bereits erwartet. „Guten Morgen Herr Neumann“, begrüßt er seinen Kollegen. Schon eilen beide ein paar Hauseingänge weiter zur Schlossstraße 43, um nach dem Rechten zu sehen. Das historische Haus war einst Rheinsbergs Drogenhölle und wurde gerade von Grund auf saniert. Bäder neu, Böden neu, frischer Anstrich. Viele alte Elemente wurden erhalten: das verschörkelte Geländer, die Messingtürklinken, die Bodenfließen im Hausflur, die unter billigem Ost-Laminat auftauchten.

Potentielle Mieter haben sich auch schon zur Besichtigung angekündigt. Vier rüstige Seniorinnen. „Würde passen“, findet Stephan Greiner-Petter. „Die drei Ein- und die eine Anderthalb-Raum-Wohnung wären perfekt für eine Alters-WG. Und im Hinterhof könnten es sich die Damen gemütlich machen.“ Urig sieht dieser aus mit Blick auf eine unverputzte Ziegelmauer. Weinreben möchte er anpflanzen, ist schon mit solanum e. V., dem ortsansässigen Verein für Ernährungskultur, im Gespräch.

Schlossstraße 43 ist eher ungewöhnlich für Rewoge

Die Schlossstraße 43 sei eher ungewöhnlich im Repertoire der Rewoge, erzählt der Chef auf dem Weg zurück ins Büro. Von Anbeginn errichtete das Wohnungsunternehmen Neubauten. Los ging es 1957 mit sieben zweigeschossigen Blöcken in der Straße der Jugend, heute Menzer Straße, zu denen sich später Viergeschosser gesellten. Darin waren Wohnungen für über 600 Angestellte, die im ersten deutschen Kernkraftwerk zwischen Stechlin- und Nehmitzsee, das damals gerade in der Mache war, arbeiten sollten. Der Volksmund nannte den neuen Stadtteil „KKW-Siedlung“. „Die Wohnungen wurden anfangs vom Kernkraftwerk selber verwaltet“, erzählt Greiner-Petter. „Ab April 1967 von der Kommunalen Wohnungsverwaltung (KWV), aus der später die VEB Gebäudewirtschaft Rheinsberg wurde und nach der Wende die Rheinsberger Wohnungsgesellschaft.“ Vor fünf Jahren übernahm Stephan Greiner-Petter das Ruder des damals maroden Unternehmens, und brachte es wieder auf Kurs: „2010, vor meiner Zeit, war der Gang zum Insolvenzgericht unausweichlich. Im Frühjahr 2011 haben sich alle Kreditnehmer zusammengesetzt und eine Sanierungsvereinbarung aufgesetzt. 2013 haben wir eine Firma aus Braunschweig mit Gutachten beauftragt. Zum Glück fielen sie zufriedenstellend aus. Es musste nicht viel saniert werden.“ Seit 1990 wurden fast 52 Mio EUR in die vorhandene Wohnungssubstanz und in Neubauprojekte investiert.

Farbenfroh gestaltete Fassade an der Mariefred Straße. Quelle: Peter Geisler

Leerstand in den 1 030 Rewoge-Wohnungen, die 75 Prozent des bezahlbaren Wohnungsbestands in Rheinsberg darstellen, gibt es kaum. Heute, zur Sprechstunde, schauen immer wieder Interessenten bei Andreas Schmidt vorbei, dem Quartiermanager oder „Vermieter“, wie Greiner-Petter ihn nennt. Eine Zwei-Raum-Wohnung hat Schmidt schon an den Single-Mann gebracht. Der 57-Jährige ist seit 1994 bei der Rewoge, gebürtiger Rheinsberger und Elektroingenieur. „Nach der Wende war ich erst arbeitslos, wurde dann während der Sanierungsphase eingestellt.“

„Wir machen etwas mit und für Mieter“

23 Jahre ist er schon dabei, Stephan Greiner-Petter seit fünf Jahren. Dieser kam aus dem quirligen Berlin-Mitte, mit Frau und Kindern in die beschauliche Prinzenstadt. Er kannte die gewässerreiche Gegend aufgrund seines Hobbys Segeln gut.„Mittlerweile ist das auch meine Stadt“, sagt er lächelnd und erklärt: „Ich stecke tief in allem drin. Denn wir machen etwas mit und für Mieter.“ Und das ist so einiges: Mit solanum e. V. setzte er „Die essbare Schule um“. Ein „grünes Klassenzimmer“ für die Grundschule Rheinsberg mitsamt einer „essbaren Wiese“ in der Wohnumgebung der Kinder. Mit diesem sozialen Projekt gewann die Rewoge den zweiten Preis beim ZukunftsAward 2017 der Berlin-Brandenburgischen Wohnungswirtschaft. Letztes Jahr plante das Wohnungsunternehmen dann die Fassadengestaltung für sechs Wohnblöcke im Rheinsberger Stadion-Quartier neu und rief einen Kinder- und Jugendmalwettbewerb aus. Echo: 131 Einsendungen!

Die Häuser in der KKW-Siedlung. Quelle: Peter Geisler

Das erste Preisbild wurde bereits auf der Fassade der Mariefredstraße 10 umgesetzt. Die Riesenfarbkleckse kommen gut an. „Keine Graffitischäden, aber neugierige Nachbarschaft.“ Mut zur Lücke, lautet Greiner-Petters Devise. „In allen Gemeinden, ob groß oder klein, gibt es Projekte, an denen gearbeitet werden muss.“ Welche das bei der Rheinsberger Wohnungsgesellschaft sind, lesen Bewohner seit Frühjahr 2014 in der Mieterzeitschrift „Stadtleben“, für die es ein Jahr später den Preis für die beste Mieterzeitung Deutschlands gab.

Rewoge-Chef bewegt etwas

Greiner-Petter bewegt etwas, holte viele neue Familien her. Auch aus Berlin gibt es Anfragen. Allerdings ist die Anbindung von und nach Rheinsberg oft das Problem, erklärt er. Der öffentliche Nahverkehrs müsste ausgebaut werden. Er ist auch da dran, wie man sich vorstellen kann. Genauso wie er sich einen Kopf um ältere Menschen macht: „Immerhin liegt der Altersdurchschnitt unserer Mieterschaft bei 50+. In manchen Zweigeschossern haben wir Treppenlifte eingebaut, anderswo Lifte. Beinahe jede Woche erhalten wir Post zu altersgerechtem Wohnen und überlegen zusammen mit den Mietern, wie wir das Problem lösen.“ Die Wohnungsgesellschaft übernimmt die Beantragung bei der Krankenkasse, baut um im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

Mittlerweile ist es kurz vor halb zwölf. Bald ist Mittag, Bockwurstpause. „Wie jeden Dienstag“, sagt der Rewoge-Geschäftsführer. „Wir sind eine tolle Truppe.“ Seine Mannschaft, das sind Herr Neumann und zehn weitere Mitarbeiter.

Von Anja Reinbothe-Occhipinti

Im Flur eines Mehrfamilienhauses in Alt Ruppin ist ein Paketzusteller am Mittwochnachmittag von einem Hund gebissen worden. Das Tier war aus der Wohnung gestürmt und auf den 55-Jährigen losgegangen. Der Mann musste in die Notaufnahme.

20.10.2017

Ein 42-Jähriger kippte bei Arbeiten mit dem Rasenmähtraktor an der B 167 zwischen Wildberg und Ganzer um. Er hatte Donnerstagmittag bereits 2,12 Promille Alkohol intus. Sachschaden: 35 000 Euro.

20.10.2017

Zum vierten Mal in Folge holte das Wittstocker Kino Astoria einen der begehrten Kinoprogrammpreise des Bundes. In der Sparte Kurzfilm gewann das Lichtspielhaus nun eine der wertvollen Ehrungen sowie ein Preisgeld in Höhe von 2500 Euro. Kurzfilme flimmern im Astoria Woche für Woche vor dem Format „Kino für Kenner“ über die Leinwand.

20.10.2017