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Verschmähter Schatz in Wulkow

Zwischen Altpapier und Antiquität Verschmähter Schatz in Wulkow

Manchmal tauchen historische Zeitungen ganz unvermutet auf. Wie bei Frank Schläfke in Wulkow. Und keiner will sie haben. Manchmal werden historische Zeitungen dringend gesucht. Und keiner weiß, wo sie noch zu finden sind.

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Frank Schläfke mit seinem Fundstück von 1967. Wer kann so etwas noch gebrauchen?

Quelle: Alexander Beckmann

Wulkow. Für Frank Schläfke aus Wulkow (Gemeinde Wusterhausen) war es fast wie ein Schatzfund: Beim Aufräumen auf dem Dachboden des Hauses, das er und seine Familie seit einigen Jahren bewohnen, fand er eine alte Zeitung: Fleckig, brüchig, aber dafür auch fast 50 Jahre alt war die Märkische Volksstimme vom 23. Februar 1967.

„So was muss doch noch einen Wert haben“, dachte sich Schläfke und wandte sich an die MAZ in Kyritz: „Seid ihr interessiert?“ Gute Frage. Was macht man mit einer Jahrzehnte alten Zeitung, der ausgerechnet der Lokalteil fehlt? Ist es noch von Bedeutung, dass es am 23. Februar 1967 „Glückwünsche der Repräsentanten der DDR zum 49. Jahrestag der Sowjetarmee“ auf der Titelseite gab?

„Nichts ist älter als die Zeitung von gestern“ lautet eine Maxime. Doch grundsätzlich haben alte Zeitungen durchaus ihren Wert als historische Dokumente – bloß eben nicht als Einzelstück.

Interessenten gibt es genug und nicht nur unter Historikern. Beinahe regelmäßig melden sich Leser in der MAZ-Lokalredaktion: „Bekommt man bei Ihnen noch die MV vom 8. Oktober 1953?“ Oder so ähnlich. Meistens geht es um einen Geburtstag oder einen Jahrestag. Da bietet sich die Zeitung vom Tag des Geschehens als prima Geschenkidee an. Die Reaktion fällt regelmäßig negativ aus: Selbst wenn die Redaktion sämtliche Ausgaben seit Jahrzehnten aufbewahrt hätte, würde sie so einen Schatz sicherlich nicht Stück für Stück aus der Hand geben.

In der Kyritzer Stadtbibliothek bei Bibliothekarin Silka Laue füllen allein schon die örtlichen Lokalseiten der MAZ und ihrer Vorgängerin MV a

In der Kyritzer Stadtbibliothek bei Bibliothekarin Silka Laue füllen allein schon die örtlichen Lokalseiten der MAZ und ihrer Vorgängerin MV ab 1978 einen ganzen Raum.

Quelle: Alexander Beckmann

Beim Verlagsarchiv in Potsdam besteht zwar eine weitgehend vollständige Sammlung von MV und MAZ seit 1946, doch das dient zuallererst dem internen Gebrauch der Redaktionen. „Wir sind gar nicht in der Lage, auch noch Anfragen von außerhalb zu bearbeiten“, sagt Archivarin Petra Carstens. „Das ist personell nicht zu machen.“ Sie verweist Leser daher in der Regel auf öffentliche Bibliotheken und Archive.

Prinzipiell ist so ein Zeitungsarchiv eine aufwendige Angelegenheit. Da ist die schiere Menge an bedrucktem Papier, das irgendwo aufbewahrt werden muss. Das Brandenburgische Landeshauptarchiv (BLHA) in Potsdam beispielsweise schreibt in Bezug auf seine Zeitungssammlung: „So sind im BLHA für die Jahre 1945 und 1946 nur Der Märker und der Volkswille nachgewiesen. Nach dem Zusammenschluss von KPD und SPD entwickelte sich daraus die Märkische Volksstimme, die mit ihrer Gesamtausgabe ab 1946 erhalten ist. Leider sind die für die lokale Geschichtsforschung wichtigen Lokalausgaben nur mit großen Lücken überliefert.“

Hinzu kommt der Umstand, dass Zeitungen nicht unbedingt auf bestem Papier gedruckt werden. Beim Landeshauptarchiv heißt es dazu: „Ein weiteres, für das Archiv kaum noch zu lösendes Problem stellt der äußerst bedenkliche Erhaltungszustand vieler Zeitungsreihen dar. Umfangreiche Erhaltungs- und Restaurierungsmaßnahmen sind angesichts der hohen Kosten nicht durchführbar, so dass eine große Anzahl von Zeitungsbänden für die Benutzung gesperrt werden musste.“

Eine Alternative ist die Archivierung auf Mikrofilm oder in digitaler Form. Das ermöglicht es zugleich, auf recht einfache Weise Kopien zu erstellen. Allerdings ist auch diese Aufbewahrungsmethode teuer und daher in aller Regel nicht lückenlos.

MAZ-Archivarin Petra Carstens empfiehlt in dem Zusammenhang oft die Stadt- und Landesbibliothek Potsdam ( www.bibliothek.potsdam.de). Die Potsdamer MV- und MAZ-Ausgaben seien dort ab 1946, die restlichen Regionalausgaben ab 1963 auf Mikrofilm zu finden. Voraussetzung für die Nutzung ist in Potsdam ein Bibliotheksausweis (Tageskarte: 2,50 Euro). Kopien in A3 kosten einen Euro. Und man muss natürlich nach Potsdam hin.

Etwas näher liegt das Kreisarchiv des Landkreises Ostprignitz-Ruppin in Neuruppin (Tel.  03391/6 88 40 90). Laut Archivarin Ute Raabe liegt dort die Neuruppiner Ausgabe der Märkischen Volksstimme von 1952 bis 1992 auf Mikrofilm vor, die Kyritzer Ausgaben erst ab 1987. Bei Wittstock gibt es Lücken. Ab Anfang der 90er-Jahre wurden die Zeitungen wieder nur im Original in Bänden gesammelt. „Das ist dann schwer zu kopieren“, sagt Ute Raabe. Außerdem ist das Ganze nicht billig. Das Kreisarchiv erhebt eine Bearbeitungsgebühr von jeweils mindestens 18 Euro, eine Nutzungsgebühr von 5 Euro und verlangt für die Kopie je Seite einen Euro.

Der kürzeste Weg auf der Suche nach einer bestimmten Zeitungsausgabe führt wohl in die örtlichen Bibliotheken. Auch dort wurden häufig die Lokalzeitungen gesammelt. In der Kyritzer Stadtbibliothek beispielsweise füllen MV und MAZ beinahe einen kompletten Abstellraum. „Wir haben das Kyritzer Tageblatt seit 1978“, sagt Bibliothekarin Silka Laue. Nachfragen gebe es immer wieder. „Aber mehr als eine Kopie rücken wir nicht raus.“ Dafür sind die Preise für Bibliotheksausweis und für Kopien sehr überschaubar.

Wer unbedingt eine Originalausgabe einer bestimmten Zeitung von einem bestimmten Tag haben will, braucht also richtig viel Glück: Frank Schläfke in Wulkow hätte da noch eine Teil-MV vom 23. Februar 1967.

Von Alexander Beckmann

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