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Vertriebene suche neue Organisationsstruktur

Neuruppin Vertriebene suche neue Organisationsstruktur

Mehr als 250 Vertriebene aus dem einstigen Kreis Züllichau-Schwiebus trafen sich am Sonntag im Neuruppiner Stadtgarten. Sie tauschten Erinnerungen an die alte Heimat aus, die im heutigen Polen liegt, und suchten nach einer neuen Organisationsstruktur. Denn sie werden immer weniger. Dennoch soll die Erinnerung an Flucht und Vertreibung aufrecht gehalten werden.

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Bürgermeister im Gespräch: Jens-Peter Golde (M.) aus Neuruppin und Ignacy Odwazny (r.) aus Sulechów, dem früheren Züllichau.

Quelle: Andreas Vogel

Neuruppin. Das Verhältnis zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und der polnischen Regierungschefin Beata Szydlo mag derzeit angespannt sein. Aber davon lässt sich Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) nicht beeindrucken. „Wir halten unsere Städtepartnerschaft zu Babimost am Laufen und pflegen weiterhin eine gute Zusammenarbeit“, sagte Golde am Sonntag am Rande des Treffens des Heimatkreises Züllichau-Schwiebus im Neuruppiner Stadtgarten. Babimost liegt nur 20 Kilometer entfernt von Züllichau, das heute Sulechów heißt.

Den meisten blieb nur die Flucht

Der Kreis Züllichau-Schwiebus gehörte bis 1945 zu Ostbrandenburg. Nach dem Krieg wurde er Polen zugeteilt, das wiederum im Osten Gebiete an die damalige Sowjetunion abtreten musste. Zu leiden unter diesen Verschiebungen hatten die Einwohner. Den meisten blieb nur die Flucht, darunter auch Inge Stark. Die heute 82-Jährige kam 1945 mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern nach Darritz, seit fünf Jahren lebt sie in Neuruppin. Die Erinnerung an ihre alte Heimat hat die einstige Buchhalterin der LPG Walsleben nie vergessen. Mehrfach war sie nach der Wende in Schmarse, dort wuchs sie auf. Stark hält gern die Kontakte in das heutige Smardzewo. „Wir fühlen uns verbunden. Es herrscht eine große Herzlichkeit.“ Sie hatte von Anfang an klar gestellt, dass es nie um die Rückgabe von Grundstücken geht. „Wir haben hier unsere Familien gegründet.“

Herzliche Kontakte in die alte Heimat

Hans Büttner (81) hat ähnliche Erfahrungen gemacht. In das Haus seiner Eltern in Züllichau, dem heutigen Sulechów, zog ein Tierarzt. „Ein freundlicher Mann, der aus dem früheren Osten Polens vertrieben wurde.“ Büttner, den es nach dem Krieg nach Glienick bei Zossen verschlug und der Klavierbauer wurde, spricht „von ganz großer Freundschaft“. Seit zehn Jahren ist Büttner bei den Heimattreffen in Neuruppin dabei. Sie sind ihm wichtig – auch wenn die Zahl der Anreisenden altersbedingt sinkt. Anfang der 1990er Jahre waren es noch mehr als 2000 aus dem gesamten Bundesgebiet, am Sonntag kamen immerhin gut 250 nach Neuruppin. Auch Siegfried Reimann, der langjährige Betreuer des Heimatkreises, starb vor knapp einem Jahr. Es wird deshalb überlegt, ob der Heimatkreis in seiner jetzigen Organisationsform aufrecht erhalten wird. Nach Neuruppin wiederkommen will Martin Reim, der jetzige Heimatkreisbetreuer, gern. „Das ist eine wunderschöne Stadt“, sagt der einstige Augenarzt. Doch auch er ist schon 85.

Von Andreas Vogel

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