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00:18 21.06.2017
Der Kunstwissenschaftler Hubertus von Amelunxen würdigte den KÜnstler Hanns Schimansky (3. v. l.) in seiner Laudatio. Quelle: Cornelia Felsch
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Rheinsberg

Auf den ersten Blick wirken die Bilder von Hanns Schimansky fast bescheiden, um nicht zu sagen banal, doch wer sich auf seine Bildwelten einlässt, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Am Sonnabend eröffnete der in Berlin lebende Künstler in den Galerieräumen des Rheinsberger Kurt Tucholsky Literaturmuseums seine Ausstellung „linienwärts“. Seit dem Jahr 2000 präsentiert die Berliner Akademie der Künste Werke ihrer Mitglieder aus der Sektion Bildende Kunst im Rheinsberger Schloss – bis zum September dieses Jahres zeigt das Museum nun Werke eines der herausragendsten deutschen Zeichner der Gegenwart. Die Laudatio hielt der Kunstwissenschaftler Hubertus von Amelunxen. „Mit „linienwärts“ bringt uns Hans zur Strecke“, sagte er. Beim Betrachten von Flächen, Flecken, Rastern und Strichgerüsten frage man sich, warum so viele Künstler mit opulenten Mitteln nichtssagende Werke schaffen, wenn es doch mit einfachen Bleistiftlinien so spannend werden kann. Rauhe geometrische Formen mit unregelmäßiger Begrenzung dringen in weiträumige weiße Flächen ein, werden teilweise vom Bildrand abgeschnitten oder durch Linien verbunden. Bildbereiche verschwinden im Hintergrund, durch Faltungen werden sie unsichtbar und lassen sich nur noch erahnen. Was schließlich als Ergebnis vor dem Betrachter in der Galerie zu sehen ist, bietet viel Raum für die Fantasie des Betrachters.

Vom Landwirt zum Grafiker

Erst 1977 kam der gebürtige Bitterfelder Hanns Schimansky nach Berlin an die Akademie der Künste. Den Zeichenblock hatte er bis dahin auf dem Acker in der Tasche, denn nach einem Landwirtschaftsstudium in Rostock arbeitete er als Agraringenieur. Das Zeichnen war für ihn ein wichtiges künstlerisches Mittel, schon in der Schule und während der Studienzeit nahm er an Zeichenzirkeln teil. Für seine Werke erhielt er mehrere Preise, seit 1997 ist Schimansky Mitglied der Akademie der Künste, Berlin, seit 1998 hat er eine Professur an der Kunsthochschule Weißensee. Dass sich ein Künstler fast ausschließlich der Zeichnung widmet – in die sich allerdings ab und zu auch Farbflächen verirren – ist wohl eher ungewöhnlich. Hanns Schimansky tut es mit großer Profundität. Erfindungsreichtum und Experimentierfreude im Umgang mit Graphit, Kohle, Tusche oder Ölkreide scheinen unbegrenzt und paaren sich in seinen Werken mit künstlerischer Konsequenz.

„Wir hatten eine aufregende , intensive Woche“, sagt der Peter Böthig, der Leiter des Kurt-Tucholsky-Literaturmuseums, Bezug nehmend auf den Aufbau der Ausstellung. „Es war ein tolles Erlebnis, das reife Werk einer behutsamen Welterkundung hier hineinwachsen zusehen.“

Die Ausstellung ist bis zum 10. September, dienstags bis sonntags, von 10 bis 17.30 Uhr zu sehen.

Von Cornelia Felsch

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