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Ostprignitz-Ruppin Viele Brillen für Menschen, eine für den Hund
Lokales Ostprignitz-Ruppin Viele Brillen für Menschen, eine für den Hund
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00:17 23.02.2017
Die Refraktionsbrille: Hier werden Korrekturgläser eingesetzt und gegebenenfalls gedreht, bis die Sicht optimal ist. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Wie genau wird die Stärke einer Brille bestimmt? Warum muss man beim Augenarzt oder Optiker in verschiedene Apparate schauen? Was ist dann aus der Sicht des Untersuchenden zu sehen? Um Antwort auf diese Fragen zu finden, macht die MAZ mal wieder mit – und geht für ein paar Stunden bei einem Optiker „in die Lehre“.

Optikermeister Burkhard Giesa wartet schon in seinem Neuruppiner Geschäft. Er hat sich sofort bereitgefunden, für die Serie „MAZ macht mit“ ein paar Geheimnisse seines Berufes preiszugeben. „Eigentlich war es ja Zufall, dass ich Optiker geworden bin“, erzählt der 68-jährige gebürtige Neuruppiner. „Mein Vater wollte, dass ich Kirchenmusiker werde.“

1974: Das eigene Geschäft

Er selbst war unschlüssig: Brückenbauer, Koch oder lieber Förster? „Eines Tages stand der Neuruppiner Optiker Hans-Joachim Giese vor der Tür und fragte, ob ich bei ihm lernen möchte.“ Die Lehre hat Burkhard Giesa 1968 abgeschlossen. Nach der Armeezeit studierte er vier Semester in Jena und übernahm 1974 das Optikergeschäft Kulick in der Friedrich-Ebert Straße. 1993 kam der Umzug in die Karl-Marx-Straße 45, ebenfalls in der Neuruppiner Altstadt, wo er noch heute zusammen mit Ehefrau Heidrun und Gesellin Heike Maaß arbeitet.

Die Lehrstunde beginnt

Die Lehrstunde beginnt am Autorefraktometer. Das Gerät muss auf die Höhe des Kunden eingestellt werden, bis die Pupillen auf einem kleinen Monitor in einem Fadenkreuz erscheinen. Der Kunde fixiert nacheinander mit jedem Auge ein Bild, hier ein Segelschiff auf dem Meer. Währenddessen erfolgen drei Messungen, aus denen der Fachmann ersehen kann, wie etwa die Werte der Korrekturgläser sein müssen. Auch Hornhautverkrümmungen sind so erkennbar.

Jetzt wird abgeklärt, ob der Kunde an Kreislauf- oder Schilddrüsenerkrankungen leidet, zu hohen Blutdruck hat oder Medikamente einnehmen muss. Alles das hat Einfluss auf die Sehleistung. Da immer auch die gesamte Gesundheitssituation eine Rolle spielt, müssen Kinder, bevor sie zum Optiker gehen, auf jeden Fall erst zum Augenarzt.

Erste Anzeichen von Fehlsichtigkeit

Die Eltern oder Lehrer sollten Kinder auch immer gut beobachten. Nehmen sie ein Buch sehr dicht vor die Augen, können Schüler vielleicht die Schrift an der Tafel nicht gut erkennen oder kneifen sie die Augen oft zusammen? Alles sind Anzeichen für Fehlsichtigkeit, die oft genetisch bedingt ist und in die übernächste Generation vererbt wird. Veränderte Lebensgewohnheiten können Augenveränderungen mit sich bringen. Nach neueren Untersuchungen gehört auch ein Mangel an Tageslicht dazu.

Im Alter ab 40 Jahren setzt oft die Alterssichtigkeit ein. Die Muskulatur wird härter und schwächer, kann nicht mehr so gut dafür sorgen, dass sich das Auge an den Betrachtungsabstand der Dinge anpassen kann. Kurzsichtige Menschen haben dabei sogar den Vorteil, dass sie Dinge im Nahbereich besser erkennen können.

Im dritten Schritt geht es zur objektiven Refraktion. In eine Spezialbrille werden, beginnend mit den am Autorefraktometer ermittelten Werten, Korrekturgläser eingesetzt, bis der Kunde die eingeblendete Buchstaben an der Wand scharf sehen kann. Das ist ein recht komplizierter Prozess. Denn so verschieden, wie die Ursachen für schlechtes Sehen sind, so unterschiedlich sind die Brillengläser.

Optische Grundlagen

Bei der Weitsichtigkeit ist der Augapfel – bezogen auf die optische Achse – zu kurz. Er hat nicht die Form einer Kugel, sondern ist nach oben und unten länger. Das führt dazu, dass das Bild erst hinter der Netzhaut entsteht. Hier muss eine Sammellinse vor das Auge, damit der Schärfepunkt auf den Sinneszellen der Netzhaut liegt. Kurzsichtige haben einen zu langen Augapfel. Der Brennpunkt liegt schon vor der Netzhaut. Abhilfe schafft eine Zerstreuungslinse, ein „Minusglas“. Hat aber auch die Hornhaut vor dem Augapfel nicht die Idealform einer Kugeloberfläche, spricht man vom Astigmatismus, der Stabsichtigkeit. Parallel einfallende Lichtstrahlen werden, abhängig von der Einfallsebene, unterschiedlich stark gebrochen, erklärt Optikermeister Burkhard Giesa. Hier helfen Brillengläser mit der Form eines Abschnittes von einem Torus, jenem geometrischen Körper, der etwa die Form eines Schlauches aus einem Autoreifen besitzt. Müssen Gläser zur Korrektur von Stabsichtigkeit in die Brille, muss auch der Winkel, unter dem sie eingesetzt werden, ermittelt werden.

Die Refraktionsbrille

Dazu hat die Refraktionsbrille neben Skalen für den Augenabstand auch drehbare Elemente mit Winkelskalierung.

Jetzt sollte der Kunde gut sehen können. Manchmal kommt es jedoch vor, dass die Augen sehr verschieden sind. Wenn der Unterschied beider Brillengläser über zwei Dioptrien liegt, kann das Gehirn die unterschiedlichen Informationen beider Augen nicht mehr verarbeiten. Hier schafft ein Kompromiss Abhilfe. Ein Auge kann dann nicht optimal korrigiert werden.

Möchten die Kunden statt einer Brille lieber Kontaktlinsen verwenden, untersucht der Optiker noch die Hornhaut-Radien, und ob genug Tränenflüssigkeit vorhanden ist, um solche Linsen tragen zu können.

Von ausgefallenen Wünschen

Sind die optimalen Korrekturgläser gefunden, kann sich der Kunde sein Brillengestell aussuchen. Nicht alle Gläser können in jeder Brille verwendet werden. Soll es eine Lesebrille, eine Gleitsichtbrille, eine Sehhilfe für den Arbeitsplatz oder die Fernsicht werden? Sind Brillengläser aus Kunststoff oder Glas gewünscht? Sollen sie getönt und entspiegelt sein? Ein gutes Beratungsgespräch ist unerlässlich, bevor die passende Brille angefertigt werden kann. Gab es auch einmal kuriose Wünsche? „Ja klar“, berichtet Burkhard Giesa. Einmal wollte ein Kunde eine Brille für seinen Hund. Er sei Cabriofahrer und Bello sollte keine Augenentzündung bekommen. „Ich konnte helfen. Der Hund bekam eine Art Motorradbrille.“ Eine Dame wollte unbedingt eine Brille mit zwei Formen. Das ist dann eine randlose Brille geworden. Ein Glas eckig, das andere rund. Die Frau sei froh mit ihrer Brille gewesen und freute sich, dass sie so oft darauf angesprochen wurde.

An die Arbeit

Doch nun geht es wieder an die Arbeit. Zuerst muss der „Lehrling“ ein Brillengestell in einen sogenannten Formtracer spannen. Das Gerät tastet die innere Form der Brille ab. Die gewonnenen Daten benötigt der Schleifautomat, um die äußere Form der Gläser herzustellen. Früher mussten die Optiker die Brillenform mit einem Stift auf die Gläser übertragen. Die Genauigkeit ist heutzutage natürlich viel größer.

Ein weiteres Gerät zentriert die Brillengläser. Die Gläser werden ausschließlich in großen Industriebetrieben gefertigt. Dazu braucht man einen riesigen Maschinenpark. „Ich habe mir das einmal in München mit ansehen dürfen. Wir mussten uns dazu eine Art Raumanzug anziehen und durch eine Luftschleuse gehen, damit kein Staub in die Produktion gerät. Das war beeindruckend“, erzählt Burkhard Giesa.

Beim Zentrieren werden kleine Saugnäpfe zum Einspannen in den Schleifautomaten, genau an die optisch richtige Stelle der einzelnen Gläser, angebracht.

An der Diamantschleifscheibe

Der Schleifautomat benötigt nur etwa zwei bis drei Minuten, um ein Brillenglas zu schleifen. Der Azubi für einen Tag darf ausprobieren, wie das früher, als Fachleute noch 20 Minuten zum Schleifen eines Glases benötigten, gemacht wurde. Zuerst muss er dazu noch die grobe Kontur des Glases mit einer sogenannten Bröckelzange herausbrechen, bevor er das Glas mit einer Diamant-Schleifscheibe in die richtige Form bringt.

Zum Schluss müssen die Gläser nur noch eingesetzt gesetzt werden, bevor die Brille zusammen mit dem Kunden so angepasst wird, dass sie gut sitzt, nichts drückt und nichts zwickt. Doch das ist etwas für Fachleute, nicht für den Eintags-Lehrling, der sich freuen darf, heute einiges gelernt zu haben.

Von Peter Geisler

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