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Viele Lehrer krank, Eltern schreiben Brandbrief

Wittstock Viele Lehrer krank, Eltern schreiben Brandbrief

An der Diesterweg-Grundschule in Wittstock sorgen sich die Eltern um die Qualität des Unterrichts. Denn immer wieder fallen Lehrer krankheitsbedingt für lange Zeit aus. Das Schulamt müht sich um Ersatz, hat aber Probleme.

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An der Diesterweg-Grundschule in Wittstock fallen immer wieder viele Lehrer krankheitsbedingt aus.

Quelle: Björn Wagener

Wittstock. An der Diesterweg-Grundschule in Wittstock fallen krankheitsbedingt immer wieder so viele Lehrer gleichzeitig aus, dass Eltern von Drittklässlern dieser Situation nicht länger tatenlos zusehen wollen. Sie fürchten um die Qualität des Unterrichts und halten die Situation inzwischen für „nicht tragbar“. Deshalb schrieben sie einen Brandbrief an das Schulamt in Neuruppin.

Bis zu acht Lehrer zeitgleich ausgefallen

Bis zu acht Lehrer seien zeitgleich ausgefallen. „Diese Situation ist an dieser Schule bereits seit Jahren fast der Normalzustand. An keiner anderen Schule in Wittstock gibt es diese Probleme in dieser Form“, heißt es in dem von Katrin Kaczmarek unterschriebenen Brief. Für die Kinder bedeute das, dass „fast täglich ein neuer Lehrer die Klasse betritt, um die Schüler im Fach Deutsch zu unterrichten. Viele Stunden davon gibt der Sozialarbeiter der Schule. Die Kinder lernen viel über teambildende Maßnahmen und ähnliches, kommen aber im Lehrplan nicht weiter“, heißt es. Referendare, der Sozialarbeiter oder andere Ersatzkräfte müssten so kurzfristig einspringen, dass sie „gar nicht wissen, was sie unterrichten sollen. Die Schulhefte belegen das Themen-Hopping“, heißt es.

Diese Situation wirke sich zunehmend negativ auf die Psyche der Kinder aus. „Viele haben Schlafstörungen, Bauchschmerzen oder schleppen täglich ihren gesamten Materialbestand mit zur Schule, weil sie Angst haben, in einer Vertretungsstunde nicht das richtige Fach dabei zu haben und Ordnungsstriche zu kassieren. Die Lernmotivation geht gegen Null“, schreiben die Eltern. Wer sogar zwei Kinder an der Schule hat, bekomme die Auswirkungen des fehlenden Personals gleich doppelt zu spüren. „Und das alles in einer Zeit, in der die Weichen für die weiterführende Schule gestellt werden sollen.“

Schulleiterin Kerstin Knacke möchte sich nicht dazu äußern und verweist auf das Schulamt in Neuruppin. Dessen Leiter Dietmar Menzel bestätigt den hohen Krankenstand an der Diesterweg-Grundschule und damit einhergehende Probleme. „Wenn acht Lehrer über Nacht ausfallen, dann kann man das nicht so einfach kompensieren“, sagt er.

Oft kein Interesse an Arbeitsstelle auf dem Land

Die Situation ändere sich ständig, weil Lehrer aus der Krankheit zurückkämen, dafür eventuell andere ausfielen. „Wir sind um Ersatz bemüht und versuchen ständig, neue Lehrkräfte an die Schule heranzuführen“, so Menzel. Auch wolle man Kontakt zu den Eltern aufnehmen. Grundsätzlich sei es jedoch sehr schwierig, überhaupt Lehrer zu bekommen. Es mache sich – wie auch in anderen Branchen – der Fachkräftemangel bemerkbar. „Sie haben meist kein Interesse, auf dem Land zu arbeiten. Wir bekommen nicht einmal mehr Seiteneinsteiger“, so Menzel. Zusätzlich erschwert werde das durch die Tatsache, dass solche Kollegen als Vertretung nur über eine gewisse Zeitspanne eingesetzt werden müssen.

Beim Besuch von Bildungsminister Günter Baaske jüngst in Wittstock wurde das Problem nicht angesprochen. Immerhin soll es heute bei einer Elternkonferenz an der Diesterweg-Grundschule thematisiert werden. „Wir sorgen uns um die verbliebenen Lehrer, die kranke Kollegen aufopferungsvoll vertreten, aber am Ende ihres Leistungsvermögens sind und womöglich als nächste umfallen“, heißt es im Eltern-Brief.

Von Björn Wagener

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