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Vielfältiges Leben in Wohnstätte

Heilbrunn Vielfältiges Leben in Wohnstätte

Mitglieder des Ausschusses für Wirtschaft und Tourismus der Wusterhausener Gemeindevertretung haben in Heilbrunn die Wohnstätte für Menschen mit geistiger Behinderung sowie den landwirtschaftlichen Betrieb besichtigt. Nicht nur Ausschussvorsitzender Axel Herrmann zeigte sich „sehr beeindruckt von all dem, was hier geleistet wird“.

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Wusterhausens Bürgermeister Roman Blank zeigte keine Angst vor großen Tieren.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Heilbrunn. Isolation – anders kann man es nicht nennen, was Mitte der 19. Jahrhunderts in Heilbrunn umgesetzt werde sollte. Im Abstand von wenigstens zwei Kilometern zu jeder nächsten Ortschaft entstand auf freiem Feld ein massives Haus, das nur dazu geschaffen war, Menschen „mit Fehlern“ unterzubringen. Jugendliche und Erwachsene, die ihren Nachbarn zu renitent daher kamen, ihnen geistig nicht gewachsen waren, im schlimmsten Fall psychisch behindert: Hier sollte ihr Zuhause sein. Abgeschottet. Es handelte sich zunächst um „Randgruppen“ aus Tornow um Umgebung, wie ein Schild am Gebäude Besuchern verrät. Die Selbstversorgung durch Landwirtschaft galt als selbstverständlich.

Nach mehr als anderthalb Jahrhunderten steht das Haus also immer noch. Ebenso geblieben: Die Arbeit auf Feld und Stall mit dem Nutzvieh bestimmt weiterhin den Alltag der Heilbrunner. Die Wohnstätte hat einen kompletten Wandel hin zu einer Stätte der Geborgenheit und dem verantwortungsbewussten Umgang mit geistig-behinderten Menschen hinter sich.

Das soziale Dach dafür liefert die Stephanus-Stiftung Berlin-Weißensee. Sie betreibt seit 1995 in Kyritz auch eine vielfach beachtete ­Werkstatt. Heilbrunn beherbergt derzeit 74 Menschen von Jugendlichen bis hin zu Bewohnern im ­hohen Lebensalter, die fast ihr­ ­gesamtes Leben hier verbracht haben. Von Isolation ist längst nichts mehr zu spüren. Dafür stehen schon die jährlich stattfindenden Heilbrunnfeste, bei denen stets Hunderte aus nah und fern die Möglichkeit nutzten, sich auf dem Gelände umzuschauen und mit den Einheimischen zu feiern.

Beim Rundgang durch die Wohnstätte beantwortete Silke Rath (2vr) die Fragen der Ausschussmitglieder

Beim Rundgang durch die Wohnstätte beantwortete Silke Rath (2.v.r.) die Fragen der Ausschussmitglieder.

Quelle: Wolfgang Hörmann

„Unsere Bewohner werde immer jünger“, sagte Gruppenleiterin Silke Rath am Dienstagabend Wusterhausener Gemeindevertretern. Mitglieder des Ausschusses für Wirtschaft und Tourismus hatten die Wohnstätte als Tagungsort gewählt, auch, um sich einen Überblick über die Abläufe in Heilbrunn zu verschaffen.

Außer von Silke Rath, die durch den Wohnbereich führte, kamen Informationen auch von Burkhard Brandt. Der Leiter der landwirtschaftlichen Betriebsstätte inklusive Hofladen und seine junge Kollegin ergänzten sich perfekt.

Hier wird die Wurst gemacht

Hier wird die Wurst gemacht. Betriebsstättenleiter Burkhard Brandt (Bildmitte) zeigte die Verarbeitungsstätte für Rind- und Schweinefleisch.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Nicht nur Ausschussvorsitzender Axel Herrmann zeigte sich im Anschluss „sehr beeindruckt von all dem, was hier geleistet wird.“ Die Gruppe hatte in der Stunde zuvor Zimmer und Freizeiteinrichtungen ansehen dürfen, von Arbeitsgemeinschaften wie Angeln, Chor, Fußball, Drachenboot und Töpfern erfahren – ausführlich auch von Tieraufzucht und -verwertung auf mehr als 280 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. Hier kümmern sich etwa 30 Heilbrunn-Bewohner und eben so viel Behinderte von außerhalb, die täglich zur Arbeit kommen, um 300 Mastschweine, 212 Rinder und vier Haflinger. Mit den Pferden beginne man gerade ein neues Projekt umzusetzen, das therapeutische Reiten, so Burkhard Brandt.

Die Verarbeitung von wöchentlich bis zu 22 Schweinen und zwei Rindern (Spitzenwert in der Woche vor Ostern) erfolgt in ­Heilbrunn in einer eigenen Fleischerei. Der dazu gehörende Laden gibt an zwei Tagen in der Woche 85 Prozent seiner Fleisch- und Wurstwaren an eine Käuferschar ab, für die Heilbrunn längst kein Geheimtipp mehr ist. Die restlichen 15 Prozent sind dem Verkauf an Mitarbeiter der Stiftung und der Eigenversorgung der Bewohner vorbehalten.

119 Frauen und Männer sind hier beschäftigt

In der Wohnstätte Heilbrunn und im landwirtschaftlichen Betrieb der Stiftung sind 119 Frauen und Männer in unterschiedlichen Funktionen und Anstellungs­verhältnissen beschäftigt.

Sportanlagen wie Spielfelder für Volleyball, Fußball und Basketball wurden in Gemeinschaftsarbeit mit vorwiegend jugendlichen Bewohnern errichtet. Es gibt eine eigene Fußballmannschaft, die an Wettkämpfen anderer Einrichtungen der Stephanus-Stiftung teilnimmt.

Der landwirtschaftliche Betrieb kümmert sich auch um die Futter­produktion für seine Nutztiere. Dazu gehört der Anbau von Erbsen, deren Eiweißgehalt sehr gefragt ist. Für die DSV Saatveredlung mit Sitz in Bückwitz wird Kleesamen produziert.

Ab 1. Juli vergrößern 150 Enten und 50 Gänse den Tierbestand. Ihr Leben endet kurz vor Weihnachten.

Von Wolfgang Hörmann

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