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Vier Stunden tanzen ohne Musik

Neuruppin Vier Stunden tanzen ohne Musik

Erstmals seit 26 Jahren werden die Potsdamer Tanztage nicht allein in der Landeshauptstadt eröffnet, sondern zugleich in den Weiten Brandenburgs. Auf Neuruppins Schulplatz wird es dabei sogar eine Europa-Premiere geben. Caroline Laurin-Beaucage aus Kanada will vier Stunden am Stück tanzen, ohne Musik.

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Caroline Laurin-­Beaucage ist mit ihrer Performance am Dienstag auf dem Neuruppiner Schulplatz zu erleben.

Quelle: Ginelle Chagnon

Neuruppin. Erstmals seit 26 Jahren werden die Potsdamer Tanztage nicht mit einer Aufführung in der Landeshauptstadt eröffnet, sondern auf dem Schulplatz in Neuruppin – und das auch noch mit einer Europa-Premiere.

Auf diese sowie vor allem auf die Reaktionen darauf ist Sven Till besonders gespannt. Der künstlerische Leiter des Tanzzentrums in der Potsdamer Schiffbauergasse kennt zwar die Kanadierin Caroline Laurin­Beaucage. Immerhin hat die Choreographin und Tänzerin 2014 dank eines Austauschprogrammes zwei Monate in Potsdam gearbeitet. Doch ihre jetzige Aufführung „Habiter sa mémoire, die Gedanken bewohnen“ hat Laurin Beaucage bislang nur in ihrer kanadischen Heimat präsentiert. Dabei bewegt und tanzt sie in einer Würfelkonstruktion von 3,6 mal 3,6 Metern – ohne Musik. Angeregt zu ihren Bewegungen wird sie allein über Erinnerungen sowie über Eindrücke aus ihrem direkten Umfeld, die sie gerade wahrnimmt. Denn die Würfelkonstruktion ist nicht geschlossen. Es gibt weder Wände noch Planen, allein eine Art Gestänge zeigt den Umriss der Tanzfläche an, in dem sich die Künstlerin am nächsten Dienstag vier Stunden lang, von 14 bis 18  Uhr, auf dem Neuruppiner Schulplatz bewegen wird. „Sie ist ein Beispiel für einen transparenten Menschen“, sagt Potsdams Tanzchef Till.

Messwerte auf einer elektronischen Anzeigetafel

Als zusätzliches Element sind auf einer elektronischen Anzeigetafel lediglich ein paar Messwerte zu sehen, wie die Uhrzeit oder die Blutdruckwerte der Tänzerin. „Die Daten sind ein Gegenbild zu der körperlichen Erinnerung, die sich nicht messen lässt“, so Till. Er ist gespannt, wie die Performance auf dem Schulplatz ankommen wird. Wer will, kann seine Meinung sofort bei einer kleinen Umfrage äußern. Dabei geht es auch darum, wann und wo die Passanten selbst das letzte Mal getanzt haben und was ihnen am Schulplatz gefällt und was sie dort vermissen.

Auch Neuruppins Kulturmanager Mario Zetzsche ist gespannt, wie die Aufführung, die tags darauf auf dem Marktplatz in Kyritz zu sehen ist, ankommen wird. Dass Caroline Laurin-Beaucage ausgerechnet Neuruppin als Ort für ihre Europa-Premiere ausgesucht hat, ist übrigens kein Zufall. Denn begleitet wird sie von Kathrin Olrogge. Die Potsdamerin Fotokünstlerin hatte 2014 mit ihrem „Raum für Gedanken“, bei dem sich Passanten zum Leben mit Flüchtlingen äußern konnten, gute Erfahrungen mit Neuruppin gemacht.

Von Andreas Vogel

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