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Ostprignitz-Ruppin Vogelgezwitscher statt Straßenlärm
Lokales Ostprignitz-Ruppin Vogelgezwitscher statt Straßenlärm
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16:58 10.10.2017
Inspirierende Umgebung: Maria Maier an dem Teich bei Mansfeld.   Quelle: Foto: Bernd Atzenroth
Mansfeld

 Urlaub? Nein, harte Arbeit, aber in einem Umfeld, das sich nach Urlaub anfühlt. Maria Maier hat sich für sechs Wochen in die Prignitz zum Schreiben an ihrem ersten Roman zurückgezogen, als Geräuschkulisse im Hintergrund mal nicht den Straßenverkehr auf der Sonnenallee in Berlin-Neukölln, sondern das Gezwitscher eines vielstimmigen Vogelchors. In Mansfeld bei Putlitz genießt sie die Abgeschiedenheit. „Man hat seine Ruhe. Die brauche ich auch zum Schreiben.“ Maria Maier ist dabei in einer Situation, die sie selbst als Privileg empfindet: Denn zur ruhigen Umgebung kommt noch, dass sie auch sonst nicht abgelenkt wird – das Schreiben ist ihre einzige Tätigkeit in dieser Zeit. Die Möglichkeit dazu bot sich über das Residenz-Stipendium „42 Tage Putlitz”, das ihr für dieses Jahr zugesprochen wurde und am Tag der Verleihung des Putlitzer-Preises in Putlitz begann.

 Schon jetzt weiß Maria Maier, dass sie bis zum 24. Juli weit mehr schaffen wird als die 60 bis 80 angepeilten Seiten. Sechs bis acht Stunden lang jeden Tag nur schreiben, schreiben, schreiben, nur zwischendurch zum Auftanken und Kopf-frei-bekommen raus in die Natur zum nahen Teich. Und so hat sie die Hoffnung, die Rohfassung ihres Romans, an dem sie seit Ende 2013 arbeitet, bis zum Ende der Residenzzeit in der Prignitz tatsächlich fertig zu haben. Ihre Geschichte, die den Arbeitstitel „Applaus für Hilda“ trägt, hat sie dabei weiterentwickelt. Hauptprotagonistin ist eine Theaterbesucherin, die das Geschehen auf der Bühne nicht erträgt, auf die Bühne springt und die Show sprengt. Maria Maier widmet sich immer mehr dieser Figur, die bei einer Werbeagentur arbeitet, und möchte herausarbeiten, warum sie beim Bühnenbesuch schließlich eine Grenze überschreitet.

Maria Maier ist eine vielseitige Künstlerin. Nach einem Studium der Neueren Deutschen Literatur und Geschichte setzte sie als Dramaturgin an der Berliner Schaubühne mit Studenten der Ernst-Busch-Schule eine Produktion in Szene. Sie übernahm Regieassistenzen, arbeitete auch für das Berliner Ensemble. Zuletzt hat sie in Köln und Rostock Theaterproduktionen begleitet. Darüber hinaus ist sie Musikerin, hat ihre eigene Band. „Ich habe viele Interessen und verknüpfe diese Felder auch“, sagt sie und erklärt, wie sie ein Theaterstück, das sie gerade geschrieben hat, musikalisch denkt.

Beworben hatte sich die 32-Jährige, die aus Baden-Württemberg stammt und seit zwölf Jahren in Berlin lebt, auf die Stipendiumsausschreibung im vergangenen Jahr. Im Auswahlgremium saßen Autoren und Lektoren großer Verlage. Die offene Aufnahme in Putlitz und Mansfeld hat ihr die Sache sehr erleichtert. Mit ihren Nachbarn kommt sie sehr gut aus, selbst der Pfarrer hat sie zum Tee eingeladen. Beeindruckend hat sie die herzliche Aufnahme durch die Familie zu Putlitz und das beinahe symbiotische Verhältnis des Vereins „42er Autoren“, der den Putlitzer-Preis ins Leben gerufen hat, mit der Stadt Putlitz. Bis zum Abschluss ihrer Prignitzer Zeit möchte sie auch Veranstaltungen, insbesondere Konzerte besuchen.

Aber was bleibt nach einem solchen Stipendium abgesehen von einer schönen Erfahrung? Maria Maier hofft, über die so gewonnen Kontakte einen Verlag für ihren Roman zu gewinnen,. Und sie würde auch künftig versuchen, sich für ihre weitere Arbeit als Schriftstellerin ein solches Umfeld zu suchen. Ganz so, wie es ihr Vorgänger-Stipendiat tut: Denn Thomas Dörschel hat sich gerade wieder bei Putlitz einquartiert, um an einem neuen Buch zu schreiben.

Von Bernd Atzenroth

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