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Volkssolidarität: „Uns fehlen die Jungen“

Neujahrskaffee in Wittstock Volkssolidarität: „Uns fehlen die Jungen“

In ihrer Neujahrskaffeerunde plauderten die Mitglieder der Volkssolidarität in Wittstock über Sitten und Gebräuche zum Jahreswechsel. Die Mitarbeiter blickten zudem auf Erreichtes im vergangenen Jahr zurück und kündigten Vorhaben für 2016 an. Eine personelle Veränderung steht der Volkssolidarität ebenfalls ins Haus.

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Brigitte Mattig (stehend) stößt mit Teilnehmern der Neujahrskaffeerunde an.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. „Ich hoffe, Sie haben über die Festtage und zu Silvester gut geschmaust“, begrüßte Brigitte Mattig, Vereinsmanagerin der Volkssolidarität in Wittstock, am Dienstagnachmittag ihre Gäste zum Neujahrskaffee. „Denn so wie das alte Jahr geendet hat, soll man das neue Jahr wieder beginnen“, zitierte sie eine Weisheit längst vergangener Tage. Und gerade an scheinbar Vergessenes konnten sich die 15 Mitglieder der Volkssolidarität, die an diesem Nachmittag trotz Glatteis und Schnee den Weg zur Kaffeetafel in der Poststraße gefunden hatten, noch gut erinnern. Zum Beispiel daran, was das Schmausen angeht. Hebt man nämlich eine Schuppe des Silvesterkarpfens auf und lässt diese in seiner Geldbörse verschwinden, soll man nie knapp bei Kasse sein. Der Verzehr deftigen Linseneintopfes zum Jahreswechsel soll übrigens für das nötige Kleingeld sorgen.

Sitten und Gebräuche sowie die berühmten guten Vorsätze zum neuen Jahr standen auf dem Nachmittagsprogramm. „Und bloß zu Silvester keine Wäscheleine spannen“, verwies eines der Mitglieder auf einen alten Aberglauben. Sonst könne es leicht passieren, dass sich damit jemand unglücklich stranguliert. Ach ja, auf Hülsenfrüchte sollte man auch verzichten, die sorgen angeblich für üblen Hautausschlag, folgte eine Ergänzung einer weiteren Dame. Es war ein geselliger Nachmittag mit kleinen Geschichten, Kaffeeklatsch und Kuchen. Mit Sekt oder Selters wurde auf das neue Jahr angestoßen.

„Die Erfahrung hat gezeigt, dass jetzt ein guter Zeitpunkt für unser Neujahrskaffee ist“, erklärte Sozialarbeiterin Elke Bröcker den etwas verspäteten Trost auf das neue Jahr. Jetzt seien die meisten Mitglieder aus ihrem Urlaub zurückgekehrt oder hätten das neue Jahr schon mit Freunden oder Verwandten begrüßt. Das begrüßt man bei uns am 1. Januar übrigens erst seit 325 Jahren, wenn man den Ausführungen von Brigitte Mattig glauben darf.

Kinder- und Jugendarbeit wird intensiviert

Während die Gäste Kaffee und Kuchen genossen, sprach Elke Bröcker über Höhepunkte der Volkssolidarität im vergangenen und Vorhaben in diesem Jahr. Bedeutend für den gemeinnützigen Verein sei ohne Zweifel die 70-Jahr-Feier im vergangenen Jahr gewesen. Auch die Seniorenwoche im Juni hob Elke Bröcker hervor. Erfreulich sei, dass längst nicht nur die älteren Semester im Fokus stünden, sondern die Kinder- und Jugendarbeit der Volkssolidarität intensiviert werde.

Ein Gläschen in Ehren am Dienstag bei der Volkssolidarität in Wittstock

Ein Gläschen in Ehren am Dienstag bei der Volkssolidarität in Wittstock.

Quelle: Christian Bark

Doch das täuscht Elke Bröcker zufolge nicht über ein gravierendes Problem hinweg. „Uns fehlen die Jungen“, moniert die Sozialarbeiterin. Der Altersdurchschnitt der Mitglieder liege großzügig gerechnet bei 71 Jahren. „Und die Alten sterben irgendwann mal weg.“ Darum präsentiere sich die Volkssolidarität bei nahezu allen öffentlichen Veranstaltungen, biete zweimal die Woche unter dem Motto „Cafe zwanglos“ allen Altersgruppen günstigen Kaffee und selbstgeschmierte Brötchen, zum Beispiel mit Hackepeter, an. Das locke auch Wittstocker an, die jünger als 50 oder 60 Jahre sind.

Verein will Präsenz im ländlichen Raum zeigen

Das Jahr 2016 beginnt für die Volkssolidarität in Wittstock allerdings mit einer traurigen Gewissheit. Nach Jahrzehnte langer Arbeit, darunter zehn Jahre beim Verein, wird Brigitte Mattig in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Allerdings wolle sie der Volkssolidarität, wie sie sagte, als Ehrenamtliche weiterhin die Treue halten.

Dann kann sie den Verein nämlich bei einem großen Vorhaben in diesem Jahr unterstützen. „Wir wollen wieder mehr in der Fläche präsent sein“, kündigte Elke Bröcker an. Vorstellbar sei das in Form eines erneuten „Kümmerer-Projekts“, um Senioren in ihren Dörfern zu halten und einen Wegzug in die Städte zu verhindern. Dazu setze man besonders auf die Hilfe und Erfahrung in den 16 Ortsgruppen des Wittstocker Raumes. Auch ein weiterer Kurs ist demnächst angedacht, so Bröcker. Bei der „Sturzprofilaxe“ soll Sturzgefährdeten gezeigt werden, wie sie Risiken vermeiden können.

Weitere Informationen zum Angebot der Volkssolidarität unter: http://www.volkssolidaritaet.de/rv-prignitz-ruppin

Die Volkssolidarität in Prignitz und Ruppiner Land

es die Volkssolidarität in der Prignitz und dem Ruppiner Land.

Weitere Standorte des Regionalverbands sind neben Wittstock noch Freyenstein, Kyritz, Rheinsberg, Neuruppin und Perleberg.

Wittstock ist Verwaltungssitz des Volkssolidarität-Regionalverbands Prignitz-Ruppin.

An die 200 Mitarbeiter sowie hunderte Ehrenamtliche beraten, betreuen oder verpflegen Mitglieder und andere Menschen in der Region.

Rund 3700 Mitglieder hat der Regionalverband. Gut 320 sind es im Raum Wittstock.

16 Ortsgruppen, darunter drei in der Kernstadt, gibt es im Bereich Wittstock. Dazu gehören auch die Ortsgruppen der Gemeinde Heiligengrabe.

Drei Euro kostet die Mitgliedschaft im Monat. Die Hälfte davon kommt der Ortsgruppe zugute. Der Betrag kann auch solidarisch von den anderen Mitgliedern getragen werden, wenn sich ein Mitglied die drei Euro nicht leisten kann.

Von Christian Bark

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