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Volle Kirche für Wolfgang Rein

Walsleben: Pfarrer geht in den Ruhestand Volle Kirche für Wolfgang Rein

So launig, wie ihn seine Gemeinden kennen, hat sich Pfarrer Wolfgang Rein am Sonntag bei einem Gottesdienst in Walsleben in den Ruhestand verabschiedet. Der fröhliche Seelsorger plauderte unter anderem über ein statthaftes Maß an Kirchenschlaf und hinterließ der Gesamtkirchengemeinde acht Brillen, damit auch künftig alle das Halleluja singen können.

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Ein fröhlicher Pfarrer: Wolfgang Rein mit seinem Strumpf, auf dem „Gottes Segen auf allen Wegen“ steht.

Quelle: Cornelia Felsch

Walsleben. Viele Kirchgänger in der Temnitzer Region kennen Pfarrer Wolfgang Rein als fröhlichen Seelsorger – immer ein Späßchen auf den Lippen und die Gitarre unter dem Arm. Die Musik ist für ihn ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit mit den Gemeinden. „Wie sie wissen, singe ich gern laut, kräftig und schräg, sodass mich die Kirchenmusiker oft ermahnen mussten“, sagte Rein am Sonntag in seinem Abschiedsgottesdienst. Dass die Walslebener Kirche an diesem besonderen Tag gefüllt war wie am Heiligen Abend und alle kräftig mitsangen, das war ganz nach seinem Geschmack. Und damit Kirchgänger auch künftig kräftig in das Halleluja mit einstimmen können – auch wenn sie ihre Brille vergessen haben – hinterließ Rein der Gesamtkirchengemeinde acht Lesehilfen, die er in seiner bisherigen Dienstzeit bei sich trug.

Er freut sich darauf, loslassen zu können

„Meine Eieruhr ist abgelaufen“, sagt der humorvolle Pfarrer. „Ich gehe fröhlich und getrost, andere werden die Geschicke in meiner Gemeinde in die Hand nehmen. Ich freue mich nun darauf, loslassen zu können.“ Wolfgang Rein blickt nach seinen eigenen Worten auf ein schönes, abwechslungsreiches Berufsleben zurück. Aber er hatte an diesem Tag auch einige kritische Worte für seinen Arbeitgeber. „Am 31. Oktober 2015 ist Ihre Regelarbeitszeit beendet“, so habe die offizielle Nachricht gelautet, verbunden mit einem Dankeschön. Ein kurzer Satz für ein intensives Berufsleben.

Im Juni 1950 wurde Wolfgang Rein geboren, sein Vater war Pfarrer in Falkenau bei Chemnitz (Sachsen). Nach der zehnten Klasse besuchte er ein christliches Proseminar. Dort konnten junge DDR-Einwohner, denen der Weg zur Erweiterten Oberschule versperrt blieb, die kirchliche Reifeprüfung ablegen, um dann Theologie zu studieren. „Aber ich war nicht so recht motiviert, Latein hat mir das Genick gebrochen“, sagt Wolfgang Rein und lacht. Also lernte er erst einmal einen anständigen Handwerksberuf. Er wurde Koch. Zu seinem 30. Geburtstag erhielt Rein den Immatrikulationsbescheid für das Paulinum, eine evangelische Ausbildungsstätte in Berlin, in der künftige Pfarrer ihren Beruf auf dem zweiten Bildungsweg erlernten. Dort entdeckte Wolfgang Rein seine Liebe zum Gesang. „Wir mussten alle im Chor von Theophil Rothenberg singen“, erzählt er. Der Kirchenmusiker war damals Dozent an der Predigerschule. Rein erinnert sich, dass es damals viele freie Pfarrstellen gab. „Klotzt ran, die Gemeinden warten auf euch“, hieß es.

Abschied an der Kirchentür

Abschied an der Kirchentür.

Quelle: Cornelia Felsch

Die ersten zehn Berufsjahre führten Wolfgang Rein Richtung Frankfurt an der Oder, wo er Kirchentage für kleine Leute kreierte, mit Behinderten arbeitete und das Landleben kennen lernte. Der junge Pfarrer fand schnell einen Draht zu seinen Gemeindegliedern, denn er hatte Verständnis dafür, wenn sie während seiner Predigt einschliefen. Schließlich arbeiteten viele von ihnen in der Landwirtschaft und mussten bereits in der Nacht im Stall stehen. „In den ersten fünf Predigt- Einstiegsminuten ist Kirchenschlaf erlaubt. Gut ist es, wenn man die folgenden drei bis fünf Minuten mitbekommt“ – das war Reins Devise. Er war also der richtige Mann für die später folgende Tätigkeit; er wurde zum Provinzialpfarrer auf dem Land berufen und zog mit seiner Familie nach Fehrbellin. Kommune, Kirche, Landwirtschaft waren nun seine Betätigungsfelder, es folgten Projekte an der Heimvolkshochschule, die ihren Sitz inzwischen am Seddiner See hat. Noch heute gibt der Pfarrer dort Seminare zum Thema Kirche im Dienst des Dorfes. Auf gute intensive Arbeit folgte schließlich für den Pfarrer die schlimmste Zeit in seiner dienstlichen Laufbahn. Mit 45 anderen Pfarrern wurde er 1996 in den Wartestand versetzt.

In Neuruppin hatte er einen „Knüppelposten“

In Neuruppin bekam er schließlich eine Pfarrstelle, verbunden mit der Geschäftsführung. „Ein Knüppelposten, der mich schließlich krank gemacht hat“, sagt Wolfgang Rein nach zwei überstandenen Herzoperationen. Am Sonntag verabschiedete er sich nun von der Temnitz-Gemeinde. Die letzte Pfarrstelle war für ihn ein Glücksfall. „Es war eine wunderbare Zeit“, sagt er. „Wir waren ein gutes Team“.

Wolfgang Rein will sich nun intensiv seiner Familie, dem Freundeskreis, seiner Gesundheit und dem Reisen widmen. Natürlich mit der Eisenbahn, eine weitere Leidenschaft des Pfarrers. Ganz ohne Arbeit wird die Zeit nicht vergehen. Wolfgang Rein, der bereits Lithurgien für bestimmte Gottesdienste schrieb, will diese nun für das gesamte Kirchenjahr zusammenstellen, um Berufsanfängern und Lektoren Hilfsmaterial in die Hand zu geben.

Von Cornelia Felsch

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