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Ostprignitz-Ruppin Vom Bürostuhl auf die Bohlen-Bühne
Lokales Ostprignitz-Ruppin Vom Bürostuhl auf die Bohlen-Bühne
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00:24 18.01.2016
Baumann und Clausen haben im Zwölf-Wochen-Urlaub geübt und treten nun als Rathaus-Amigos auf. Quelle: Regine Buddeke
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Neuruppin

Irgendwann musste es ja passieren: Baumann und Clausen sind gefeuert! Während Baumann noch mit kesser Lippe die Schnittchenbestellung an seine Sekretärin durchgibt und sein Kaffeekumpel Clausen im Sitzungsraum mit einer Gurke und einer Socke seinen Sohn Timmy aufklärt, der gerade ein Techtelmechtel mit des Bürgermeisters Töchterlein begonnen hat, platzt die Bombe in Form eines blauen Briefes ins fiktive Behördenzimmer der beiden Beamten. Vor versammelter Mannschaft: Das Kulturhaus Stadtgarten in Neuruppin ist am Donnerstagabend wie bereits vor zwei Jahren ausverkauft.

Seit Jahren haben die Bürohengste aus dem fiktiven Städtchen Neddelhastedtfeld mit ihrer Philosophie, wie man einen Arbeitstag effizient herumkriegt – Käffchen, Schnittchen, Käffchen – beim deutschen Publikum einen Stein im Brett. Sie leben ihre Träume aus. Und sind Wasser auf die Mühlen all derer, die sich mühevoll im Schweiße ihres Angesichts ernähren, um dann von solchen Bürokraten ein „Abgelehnt“ unter ihren Bauantrag schmettern zu lassen. Beamten-Mikado: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren.

Was für ein Paar! Quelle: Regine Buddeke

Aber nun holt sie das Schicksal ein. Oberamtsrat Alfred Clausen, der fast alles kann, außer Fremdwörter, muss einsehen, dass der Bürgermeister ihnen keine Suppe spendieren will. „Suspendieren“, erläutert Baumann. „Na, Hauptsache, er schmeißt uns nicht raus“, sinniert Clausen, bevor er von seinem Kollegen in die Realität zurückgeholt wird. Da fällt ihm die sockenverhüllte Salatgurke fast aus der Hand. Clausen bleibt das „Schnittchen-Lied“ im Halse stecken. Gerade eben hat man noch brüderlich die Schmiergelder eines Baulöwen geteilt und dann das! Wegen Bestechlichkeit im Amt! Und das, wo die beiden sich gerade geschworen haben, mit dieser Praxis zu brechen. Morgen. Nein, am nächsten Ersten. Nein, nach Ostern. Punkt. Der blaue Brief des Bürgermeisters macht es deutlich. Morgen. Man möge bitte die Büros sofort räumen.

Gertrud-Hase hat einen Blechschaden gebaut

Und das, wo Baumann gerade erst erfahren hat, dass sein Gertrud-Hase einen Blechschaden gebaut hat. „Geld spielt keine Rolle, Hauptsache, dir ist nichts passiert, Hase“, flötet der Gatte ins Telefon, um sich gleich darauf fast zuckend am Boden zu winden, als er das monetäre Ausmaß des Schadens erfährt. „Aber du kennst ja unser Ehemotto“, schleimt er weiter, als würde er ein Kleinkind beruhigen: „Wir schaffen das!“ Das Publikum kringelt sich. „Dein Hase kommt gleich heimgehoppelt. Ja. Ich dich auch. Zweimal. Bis zum Mond und zurück“, quietscht er – und überlegt dann mit Clausen, was nun, nach dem Jobverlust, zu tun wäre.

Zuerst ein Rückblick auf vergeigte Projekte: das Schwimmbad mit dem verkehrt herum gebauten Sprungturm, die neue Umgehungsstraße, bei der die Ab- und Auffahrten fehlen, das Pinkelbecken in 1,70 Metern Höhe. Eine Stellenanzeige ist ratzfatz ins weltweite Netz gepustet: „Geselliges Beamten-Duo sucht neue Herausforderung ohne Anforderungen, eine Vollzeitstelle halbtags. Mit vollem Urlaub und Dienstwagen. Kein VW.“

Das Publikum war begeistert – wie bereits vor zwei Jahren. Quelle: Regine Buddeke

Die Angebote lassen nicht lange auf sich warten: ein Intendant sucht Rollenverteiler – für die Toilette. Eine Gräfin braucht zwei Gespenster fürs Anwesen. Susi-95 sucht Archiv-Mitarbeiter. „Bezahlung nach Leistung? Ne, davon kann ich nicht leben“, resigniert Clausen. Er sei Pausennehmer, kein Arbeitnehmer. Dass Dieter B. aus Tötensen das Duo kastrieren will, tröstet Clausen auch nicht. „Er will uns casten“, übersetzt Baumann. Schon sind zwei neue Sterne am Pop-Himmel geboren. Die Rathaus-Amigos haben nach ihrem Rausschmiss keine Zeit vertrödelt und im Zwölf-Wochen-Urlaub Hits geschrieben. „Abgelehnt, abgelehnt, schallt es durch den Raum. Wieder ist er ausgeträumt, der Häuslebauer-Traum, hey!“, trällern die beiden Sombrerohüte, unter denen man die Akteure kaum sieht. Das Publikum singt lautstark mit.

Clausen schwärmt von seinem letzten Organismus

Die Tournee wird ein Erfolg. Auch wenn Clausen jeden Morgen „grüne Schmutzis“ trinken muss. „Die sind wichtig für deinen Organismus“, sagt Baumann. „Wieso?“, begehrt Clausen auf. „Mein letzter Organismus war sehr schön!“ Immerhin habe die letzte Reise an den Tag gebracht: Vati kann. „Das war ja wohl anders geplant. Ihr wolltet zum Vatican!“, ätzt Baumann. „Stopp!“, fährt Baumann seinem Kaffeekumpel ins Wort. „Keine Witze über Ella!“ Dann doch lieber über Hase Gertrud, die Baumann’sche Holde. Denn sie ist klein. Sehr klein. „Ihr habt bestimmt Spannung im Bett“, ulkt Clausen. „Wenn du sie erst mal gefunden hast. Ich sage mal: Bettdecke ausschütteln.“ Weiter geht es mit Rollenspielen und Liedern. Die Beiden beömmeln sich zuweilen selbst über sich. Am Ende – man mag es kaum glauben – sind sie wieder in Amt und Sessel angekommen. Der Bürgermeister wurde geschasst. Wegen Bestechlichkeit. Und geht nun zur Fifa.

Von Regine Buddeke

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