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Vom Ende einer Bischofsresidenz

Wittstock Vom Ende einer Bischofsresidenz

Jahrhunderte diente die Burg in Wittstock den Bischöfen von Havelberg als Residenz. Mit dem Tod des letzten katholischen Bischofs hielt die Reformation auch in Wittstock ein. Die Burg wurde Amtssitz, verfiel, wurde umgebaut, bis wenig von ihrer einstigen Gestalt übrig blieb. Eine historische Übersicht gab am Donnerstagabend Museumsleiterin Antje Zeiger in der Burg.

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Der Amtsturm ist ein letztes Überbleibsel der alten Bischofsburg.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Das Schicksal der ehemaligen klerikalen Residenzstadt Wittstock und ihrer Burg ist eng an den Tod des letzten katholischen Bischofs zu Havelberg, Busso X. von Alvensleben, geknüpft. Als der Bischof am 4. Mai 1548 für immer die Augen schloss, hielt sogleich die Reformation Einzug in das Bistum. „Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits Abgeordnete des Domkapitels, des Kurfürsten und der Stadt Wittstock auf der Burg versammelt, um zu erfahren, wie es nun weitergehen soll“, sagte Antje Zeiger während ihres Vortrags am Donnerstagabend. Darin erinnerte die Leiterin des Kreismuseen in der Alten Bischofsburg an den Beginn und den Niedergang des Bistums Havelberg und dessen Bischofsresidenz in Wittstock.

„Gleich nach Bussos Tod war eine Inventarliste für die Burg erstellt worden“, berichtete Antje Zeiger. Was damals wie heute wohl etwas pietätslos wirken mag, sei für Historiker jedoch ein Segen gewesen, weil eben diese Inventarliste Schlüsse auf das Leben und den Reichtum in der Bischofsburg zulassen würde. Busso folgte kein katholischer Bischof mehr, vielmehr hatten die kurfürstlichen Söhne das Amt evangelischer Administratoren übertragen bekommen, bis auch das Hochstift wenige Jahrzehnte später Teil des Kurfürstentums Brandenburg wurde.

Im Publikum tat sich so manche Frage auf, die Antje Zeiger (r) zu beantworten versuchte

Im Publikum tat sich so manche Frage auf, die Antje Zeiger (r.) zu beantworten versuchte.

Quelle: Christian Bark

Vorausgegangen war dem Niedergang des katholischen Bistums die Reformation zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Noch 1535 soll ein lutherischer Prediger in Wittstock gefangen und in der Burg festgesetzt worden sein. Während Kurfürst Joachim II. 1539 zum Protestantismus konvertiert war und die Mark auf Grundlage der brandenburgischen Kirchenordnung nach und nach evangelisch wurde, hielt Busso bis zu seinem Tod am katholischen Glauben fest. „Auch Bussos Bitte um Schutz an den Kaiser hatte die Entwicklung nicht aufhalten können“, erklärte Antje Zeiger.

Zeichnungen und Fotos ermöglichen Reise in Vergangenheit

Das Ende des Bischofs wirkte sich maßgeblich auf dessen ehemalige Residenz aus. Die Burg wurde Amtssitz, die geistlichen Güter eingezogen. „Auch der Weinberg des Bischofs“, verwies Antje Zeiger auf eine historische Darstellung Wittstocks aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Um 1700 sollen gut 18 Hektar als Weinanbaugebiet nahe der Dossestadt gedient haben. „Das muss aber ein sehr trockener Tropfen gewesen sein“, bemerkte die Museumsleiterin.

Auf den Zeichnungen, die Antje Zeiger ihren Zuhörern präsentierte, darunter zwei farbigen von schwedischen Künstlern, ließ sich der Werdegang der Burg im Laufe der Jahrzehnte nach Bussos Tod nachvollziehen. „Wahrscheinlich diente die herrenlose Burg schwedischen Soldaten als Quartier und wurde durch offenes Feuer zum teil ein Raub der Flammen“, sagte sie. Auffällig seien am noch heute erhaltenen Torturm Verfärbungen, die Schlüsse auf ein gänzlich anderes Erscheinungsbild zuließen – womöglich hätten sich an jeder Turmseite Giebel befunden. Wasserabflusssteine an den Seiten würden für einen offenen Turm sprechen.

Der letzte katholische Bischof in Brandenburg

1468 geboren , studierte Busso X. von Alvensleben Rechtswissenschaften in Leipzig und Bologna.

Ab 1523 war er als Busso II. Bischof von Havelberg. Seine Amtszeit fiel mitten in die sich über das gesamte Reich ausbreitende Reformation, die vornehmlich von Martin Luther vorangetrieben wurde.

Die Bischofsburg zu Wittstock war neben der Plattenburg Bussos bevorzugte Residenz. Er verhinderte die Einführung der neuen 1540 erlassenen brandenburgischen Kirchenordnung.

Mit Bussos Tod 1548 beginnt zugleich der Niedergang des katholischen Bistums Havelberg sowie der Alten Bischofsburg in Wittstock. Sie verfiel fortan zusehends. Ihr Torturm diente u. a. als Getreidespeicher.

Bei der Frage aus dem Publikum, warum es keine modellhafte Rekonstruktion der historischen Burg geben würde, verwies die Museumsleiterin auf zahlreiche bis heute bestehende Unklarheiten. Beispielsweise wisse niemand, wie genau die bischöfliche Kapelle auf dem Burghof ausgesehen haben mag. „Es wäre ein Fantasieprodukt“, erklärte Antje Zeiger. Für Rekonstruktionserkenntnisse müsse auf dem Amtshof wohl eine weitere Grabung stattfinden.

Die Burg sei im Laufe der Jahre als Amtssitz permanent umgestaltet worden. Ihre Steine dienten 1793 zum Bau der Invalidenanstalt. Fast wäre dem das Gröpertor und der Amtsturm zum Opfer gefallen. Der Turm sei aber als Getreidespeicher gebraucht worden, der Hof sei landwirtschaftlich genutzt worden. 1848 wechselte die Amtsfreiheit dann zur Stadt Wittstock, bis sie 1874 ganz aufgehoben wurde. Die Geschichte, dass von der Burg ein unterirdischer Gang zur anderen Amtsburg nach Goldbeck geführt haben soll, bezweifelte Antje Zeiger. „Der schlammige Boden wäre dafür nicht geeignet gewesen“, erklärte sie.

Von Christian Bark

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