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Vom Kabarett zu den Knattermimen

Rüdow Vom Kabarett zu den Knattermimen

Vom Kabarett in Leipzig auf die Bühne des Klostergartens in Kyritz: Peter Ackermann aus Rüdow ist ein begeisterter und erfolgreicher Knattermime. Zu dem Theaterensemble war er zufällig gestoßen. Im Schwank „Die spanische Fliege“ ist Ackermann im Oktober wieder im Kulturhaus Kyritz zu sehen.

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Peter Ackermann als Anton Klinke im Schwank „Die spanische Fliege“.

Quelle: Privat

Rüdow. In Rüdow lebt es sich gut. Dieser Meinung ist jedenfalls Peter Ackermann, der hier sein Zuhause hat und sich sehr wohl fühlt. Gleich nach der Wende erwarben er und seine Frau Astrid in dem Kyritzer Ortsteil ein Haus und bauten es um. „Der Zusammenhalt ist hervorragend. Die meisten Nachbarn sind auch unsere besten Freunde. Wir unternehmen viel gemeinsam“, sagt der 57-Jährige. Gerade ist man vom Zelten in Graal-Müritz zurück. Man war auch schon wandern in Südtirol und feiert zusammen Geburtstage und Silvester.

Die Freundesgruppe ist auch jedes Jahr dabei, wenn der Barenthiner Karnevalsverein zum Fasching nach Breddin einlädt. Dort haben die Rüdower sogar schon einmal als einzige Gäste einen Faschingsorden für die beste Gruppenkostümierung bekommen. Kostümierung, das ist das Stichwort. Dazu gehören noch die Bretter, die die Welt bedeuten, und die befinden sich für Peter Ackermann jetzt im Kyritzer Klostergarten. Erst unlängst konnten Theaterfreunde den Rüdower auf der Bühne der Knattermimen in dem Schwank „Die spanische Fliege“ erleben. Darin spielte er den Mostrichfabrikanten Anton Klinke und erntete mit seinem Auftritt wahre Lachsalven und viel Applaus. Kein Wunder: Das Komische scheint dem Rüdower zu liegen. Obwohl er meint: „Ich spiele auch anderes gern.“

Lehre bei der Staatsbank in Leipzig

Knattermimen-Chef Eckhard Kutzer lobt: „Peter Ackermann ist eigentlich universell einsetzbar. Er erarbeitet sich seine Rollen.“ Und doch kann der gebürtige Leipziger nicht verleugnen, dass seine schauspielerischen Wurzeln im Kabarettistischen zu finden sind. Schon während seiner Lehre bei der Staatsbank in Leipzig stand Peter Ackermann auf der Bühne des Kabaretts „Soll und Ist“ der kaufmännischen Berufsschule. Während des Studiums der Finanzwirtschaft in Gotha war er erst Mitglied eines Studentenkabaretts und gründete dann mit einem Lehrer zusammen das Kabarett „Königskinder“. „Weil der Direktor der Fachschule König hieß, wählten wir diesen Namen“, erklärt Peter Ackermann.

Er schrieb auch selbst Stücke und erinnert sich noch gut daran, dass der Autor Peter Ensikat eines begutachtete. Darin wurde der Auto-Gebrauchtwagenhandel in der DDR kritisch auf die Schippe genommen. Ensikat riet seinerzeit dazu, die Geschichte wegen der Zensur lieber ins Mittelalter zu verlegen und den Pferdehandel zu thematisieren. Und so wurden eben statt 20 Jahre alte Autos altersgebrechliche Gäule für viel Geld verkauft. Das Publikum las zu DDR-Zeiten sowieso zwischen den Zeilen und wusste sehr wohl, was gemeint war. „Da waren wir richtig gut“, erinnert sich Peter Ackermann.

Peter Ackermann in seinem Wohnhaus in Rüdow

Peter Ackermann in seinem Wohnhaus in Rüdow.

Quelle: Renate Zunke

Er arbeitete nach dem Studium ab 1982 als Lehrer an der Fachschule in Gotha und absolvierte parallel dazu an der Friedrich-Schiller-Universität Jena ein Ökonomiestudium. 1987 ging er dann nach Kyritz: „Weil meine Frau, die ich auf der Fachschule kennengelernt hatte, wieder in ihre Heimat zurück wollte“. Peter Ackermann wurde ökonomischer Direktor in der Kyritzer Stärkefabrik. In der Wendezeit war er hier Verkaufsleiter. Seinen Arbeitsplatz verlor er nach der Übernahme der Fabrik durch die Emsland-Stärke. Nach verschiedenen Stationen in der Büro- und Schulmöbelbranche, auch bei einem skandinavischen Unternehmen, das ergometrische Stühle herstellte, machte er sich 2003 mit einer Handelsvertretung für Hersteller von Schul- und Büromöbeln selbstständig.

Kassenwart der Kyritzer Bürgerinitiative „Stärke ohne Gestank“

„Die Knattermimen habe ich eigentlich lange Zeit gar nicht so richtig wahrgenommen“, erinnert er sich. Weshalb er dann doch noch zu ihnen stieß, das hat folgende Vorgeschichte: Seit der Gründung der Kyritzer Bürgerinitiative „Stärke ohne Gestank“ war Peter Ackermann Mitglied und hier der Kassenwart. Als die Initiative größtenteils ihre Ziele erreicht hatte, das Kassenbuch sozusagen geschlossen wurde, beschloss man das Restgeld dem damaligen Jugendklub an der Stärkefabrik und den Kyritzer Knattermimen zu übergeben. Dabei kam Peter Ackermann mit den Mimen ins Gespräch. Sein Interesse war geweckt. Er begann an Proben teilzunehmen und lernte ein tolles Team kennen. „Ich wollte unbedingt Mitglied einer solch faszinierenden Truppe werden“, erklärt er.

Im Jahr 2007 bekam er dann die Rolle des Stallburschen im Stück „Der Geizige“ von Molière. Es folgte 2008 der Bubnow in Gorkis „Nachtasyl“. Seine erste Hauptrolle war 2009 der Professor Gollwitz in der Komödie „Raub der Sabinerinnen“. Peter Ackermann weiß, dass das damals ein toller Vertrauensbeweis war und sagt: „Ich war froh, dass ich es auch hinbekommen habe.“ Weitere Rollen waren 2010 der Rageman in „Cyrano de Bergerac“, 2011 der Amtsvorsteher im „Biberpelz“ von Gerhard Hauptmann. „In diese Rolle bin ich einfach nicht reingekommen“, gibt Peter Ackermann selbstkritisch zu. „Es war sehr anstrengend und ich habe mich gequält.“

In kleinen Gruppen geübt

Das war auch die Zeit, in der er Veranstaltungen im Kyritzer Eiskeller organisierte. „Der Aufwand war sehr groß und ich bin an meine Grenzen gestoßen. Außerdem lief es nicht immer in die Richtung, in die ich wollte. Da muss man den Stecker ziehen“, sagt der Rüdower über die Zeit seines Engagements für den Eiskeller. 2011 stand er auch noch als Fleischermeister Koke im Stück „Der Bassewitz sinnt wieder Krieg“ auf der Bühne im Klostergarten. Ganz bewusst wollte er diese kleine Rolle. Im Schwank „Kyritz - Pyritz“ spielte er 2013 den Nauke. 2014 wurden ihm gleich zwei Rollen im Stück „Knecht Gottes“ zugeteilt. Er war ein spanischer Soldat und der Stadthauptmann Willi Rumpf.

Und dann also in diesem Jahr die Rolle, vor der er „einen unheimlichen Respekt“ hatte: Anton Klinke im Schwank „Die spanische Fliege“. Ackermann erklärt warum: „Es musste wahnsinnig viel Text gelernt werden. Wir waren alle nicht locker genug und hatten eigentlich Bammel, weil es bei den Proben nicht richtig klappte. Nach klarer Ansage von Eckhard Kutzer haben wir uns dann sogar noch außerhalb der offiziellen Proben einzeln oder in kleinen Gruppen getroffen und nochmals geübt.“

Lust und Freude am Spiel

Die Aufführungen waren ein voller Erfolg. „Wir haben uns richtig freigespielt“, freut sich Peter Ackermann. Wer bei den Vorstellungen dabei war, konnte auf jeden Fall die Lust und die Freude der Mimen am Spiel erleben. Deren bester Lohn waren die zahlreichen begeisterten Zuschauer. Wer das Stück im Klostergarten nicht gesehen hat, der möge sich im Kalender den 8. Oktober ankreuzen. Dann führen die Knattermimen noch einmal „Die spanische Fliege“ im Kyritzer Kulturhaus auf. Es darf wieder herzlich gelacht werden.

Von Renate Zunke

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