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Vom Turnverein zum Lebensretter

Neuruppin Vom Turnverein zum Lebensretter

Neuruppins Feuerwehr wurde vor 150 Jahren gegründet – als eine der ersten in der Mark. Im Sommer feiert sie ihr Jubiläum mit einem großen Fest, Wettkämpfen, Umzug, einer Ausstellung im Museum und einem eigenen Buch. Dabei liegt ihre Geschichte zum Teil noch im Dunkeln.

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Ein paar Bilder und Dokumente haben Peter Pusch (2.v.l.), Maja Peers-Oeljeschläger und die Feuerwehrleute gefunden – vieles fehlt ihnen noch..

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Feuerwehrchef Reinhard Jachnick hält die kleine Axt fast ehrfürchtig in den Händen. Normalerweise liegt das gute Stück auf dem Schreibtisch in seinem Büro. Ausnahmsweise hat er die Axt mitgebracht, um sie vorzuführen.

Das Beil besteht aus aufpoliertem Metall und einem schwarzen Holzgriff. Ein kleines Schild auf dem Stiel verrät, wem sie einst gehörte: August Böttger. Er hat sie 1902 als Auszeichnung von seinen Kameraden bekommen – für 35 Jahre treue Dienste in der Neuruppiner Feuerwehr.

Die Axt ist eines der wenigen Stücke, die aus der Anfangszeit der freiwilligen Feuerwehr noch erhalten sind. Jachnick hat sie vor einigen Jahren gerettet. „Sonst wäre sie wohl beim Buntmetall gelandet“, vermutet er. So wie die Feuerwehrleute vergangener Generationen vieles aussortiert und entsorgt haben, was sie nicht mehr brauchten.

Die Chronik der Wehr hat 22 Bände

„Früher hat man einfach nicht so viel aufgehoben“, sagt Peter Pusch. Für den Autor und Verleger ist das bedauerlich. Seit Monaten arbeitet Pusch mit Unterstützung vieler Feuerwehrleute aus Neuruppin an einem Buch über die Geschichte der Wehr. 150 Jahre wird sie 2017 – in wenigen Städten in Brandenburg gibt es noch ältere Wehren. Feuerwehrmann Christian Hohenwald hat in jahrelanger Kleinarbeit eine Chronik in 22 dicken Bänden zusammengetragen. „Die Hälfte bezieht sich aber allein auf die Zeit ab 1994“, sagt Hohenwald. Seitdem gibt es sehr viele Fotos und Zeitungsberichte. Die Zeit davor ist weit weniger gut dokumentiert.

Das gilt vor allem für die Jahre zwischen 1920 und 1960. „Das waren schwere Jahre“, sagt Peter Pusch. Zwar gab es immer eine Feuerwehr in Neuruppin – allerdings hatte die offensichtlich anderes zu tun, als historische Dokumente für die Nachwelt zu bewahren. Ein paar wenige Fotos existieren aus dieser Zeit, doch kaum andere Aufzeichnungen.

Das Museum bereitet eine Ausstellung vor

Auch für Maja Peers-Oeljeschläger wären solche Dinge wichtig. Die neue Leiterin des Neuruppiner Museums und ihre Kolleginnen arbeiten gerade an einer Ausstellung zur Geschichte des Brandschutzes in der Stadt. Mitte des Jahres soll sie eröffnet werden, passend zum großen Jubiläum der Neuruppiner Wehr. Die Geschichte des Feuerlöschgerätewerks, einst Minimax, wird in der Ausstellung eine Rolle spielen – die der freiwilligen Feuerwehr aber natürlich auch.

Sowohl Peter Pusch als auch Maja Peers-Oeljeschläger hoffen, dass sich noch einige Neuruppiner melden, die das eine oder andere historische Stück aus der Geschichte der Wehr zu Hause haben: alte Fotos zum Beispiel, Urkunden, Auszeichnungen. Oder sogar Teile von alten Uniformen oder Ausrüstungsgegenstände. Peter Pusch hält es für wahrscheinlich, dass noch Schätze auf Dachböden ruhen. „Die Feuerwehr hatte immer zwischen 100 und 200 Mitglieder“, sagt er. Dazu gehörten viele Familien.

Turner gründeten 1867 die erste Wehr in Neuruppin

Dass ein Objekt wie die Axt von August Böttger auftaucht, wagte Pusch kaum zu träumen. Böttger war nicht irgendein Feuerwehrmann. Der Seilermeister aus Neuruppin war Mitglied des Turnvereins, aus dem die Wehr einst hervorgegangen ist. Am 6. August 1867 hatten 30 Turner unter ihrem Lehrer Carl Loose die freiwillige Turnerfeuerwehr gegründet. August Böttger gehörte von Anfang an dazu.

Mit einem Fest auf dem Schulplatz will die Feuerwehr ihr Jubiläum am 10. Juni feiern. Feuerwehren aus dem gesamten Kreis kommen dorthin zum Leistungsnachweis. Auch das Technische Hilfswerk, der Katastrophenschutz und die Wasserwacht sind dabei. Auch Puschs Buch soll dann für alle zu haben sein, die sich für die Feuerwehr und ihre Arbeit interessieren.

Wer Dokumente, Fotos oder Fundstücke aus der Geschichte der Feuerwehr beisteuern könnte, kann sich in der Wache an der Schinkelstraße oder unter 03391/4 52 30 melden.

Von Reyk Grunow

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