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Ostprignitz-Ruppin Vom wilden Strich zum Augenglanzpunkt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Vom wilden Strich zum Augenglanzpunkt
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00:17 21.07.2016
Jana Harder an ihrer Staffelei. Sie malt mit links. Quelle: Matthias Anke
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Großderschau

Alfred Munnings und Max Liebermann sind ihre Vorbilder. Sieht Jana Harder deren Werke, sage sie oft zu sich, dass sie viel mutiger sein sollte, die Dinge reduzieren statt sich in Details zu verlieren. „Aber Liebermann ist ja auch ein großer Künstler. Ich bin doch nur eine autodidaktische Pferdemalerin“, sagt Jana Harder. Kenner wissen: Sie untertreibt. Harder dürfte längst zu den besten Pferdemalerinnen überhaupt zählen. Dabei hätte alles auch ganz anders kommen können.

Die 49-Jährige lebt im havelländischen Großderschau, einen Steinwurf hinter der Ostprignitz-Ruppiner Kreisgrenze, im „Koppelbereich“ des Haupt- und Landgestüts Neustadt. Dorthin zog es sie einst aus Berlin zu ihrem Mann Uwe. Dabei arbeitete sie in jüngeren Jahren schon einmal in der Nähe: Sie erlernte in Stölln „aus Verzweiflung“ den Beruf der Rinderzüchterin. Später studierte sie in Schwerin Ingenieurpädagogik, Schwerpunkt Landwirtschaft. Aber eigentlich wollte sie lieber nach Berlin zurück an die Kunsthochschule – was zu DDR-Zeiten so manche politische Einstellung verlangte. Weil Harder dem nicht nachkommen wollte, wurde ihr das Glück erst mit der Wende zuteil. „Grafik- und Werbedesign, das war endlich mal das, was ich wirklich wollte.“

Menschen bilden auf Harders Werken die Ausnahme, aber es gibt sie damit eben hin und wieder doch zu sehen. Quelle: Matthias Anke

In diesen drei Berliner Jahren war zwar nichts mehr von Rindern oder Pferden zu sehen, aber Pferdeduft war dennoch in jeder freien Minute in ihrer Nase. Die Tiere seien immer ihre „stille Liebe“ geblieben: „Das muss genetisch veranlagt sein, Vorfahren mütterlicherseits hatten eine große Landwirtschaft mit mehreren Pferdegespannen. Viele Pferdegeschichten aus Omas Kindheit sind so fest in mir verankert, als hätte ich sie selbst erlebt.“ Und schon im Kindergartenalter habe sie Schaukelpferde gezeichnet.

Erste schnelle Skizzen – das Herantasten beginnt. Quelle: Matthias Anke

Die Augen der jung gebliebenen, gerne lächelnden Frau mit den sportlich kurzen, unmerklich silbern melierten Haaren funkeln, wenn sie von ihrer Malerei erzählt. Ähnlich den von ihr gezeichneten Pferdeaugen, die erst mit dem letzten Tupfen des Glanzpunktpinsels komplett sind.

Harders Pferde sehen den Betrachter lebensecht an. Quelle: Matthias Anke

„Ein Pferd muss mich begeistern, mich inspirieren“, sagt Jana Harder. Denn sie lege großen Wert auf dessen charakterliche Besonderheiten. So seien ihr Studien vor Ort und Gespräche mit Pfleger, Reiter und Besitzer sehr wichtig. Nicht jedes Tier also komme in den Genuss, Modell zu werden. Ausdruck findet das in Details. Harder ist dabei nicht nur auf Augen, sondern auch alles andere fixiert. Sie lässt nichts außer Acht und überhöht nur auf den zweiten Blick: Es sind die anatomischen Besonderheiten, „eine besondere Halsung, eine wohlgeformte Rückenlinie oder eine sportive Hinterhand“, die schon mit den ersten wilden Strichen als Skizze angerissen werden, bis hin zu den Adern, die sie am Ende filigran herausarbeitet.

Mittlerweile könne sie ein Pferd alleine aus ihrer Fantasie so malen, als würde es dieses tatsächlich geben. Dabei habe sie selbst noch nie eines besessen. „Ich weiß eben, was das für Arbeit macht.“

Bundeschampion und Vize-Weltmeister der Dressurpferde als Liebling

Harders Atelier ist lichtdurchflutet. Das Radio läuft. An einigen Bildern stehen Namen. Und wer sich mit dem Pedigree – dem Stammbaum – der Stuten und Hengste der Neustädter Gestüte auskennt, kann sie zuordnen. Dorthin und zu dem ebenso ansässigen Pferdezuchtverband Brandenburg-Anhalt hält Harder schon seit 1983 Kontakt. Ihr aktueller Liebling aus deren Reihen ist der siebenjährige „Belantis“, der Bundeschampion und Vize-Weltmeister unter den Dressurpferden. Ihn behielt sie von klein auf im Auge. Sie fertigte auch das „Belantis“-Porträt, das die Gestüter Landstallmeister Jürgen Müller 2015 zum Abschied überreichten.

Jana Harder (4.v.r.) im vergangenen Jahr bei der Übergabe ihres Gemäldes „Belantis“ an Brandenburgs Landstallmeister a.D. Jürgen Müller (r.). Quelle: Matthias Anke

Solchen Spitzenpferden reist die Malerin bei Turnieren hinterher, um ihre Ausstrahlung in Aktion einzufangen. Vielerorts im Brandenburg-Anhaltinischen Pferdezuchtverband, aber auch bundesweit ist sie in der Züchterszene daher längst ein bekanntes Gesicht.

Die Malerin reist bundesweit zu vielen Veranstaltungen rund ums Pferd und nimmt ihre Eindrücke von dort mit ins Atelier. Quelle: Matthias Anke

Allen Pferdegrößen voran aber steht Neustadts Spitzenhengst „Quaterback“. „60 vielleicht“, schätzt Jana Harder die Zahl ihrer „Quaterback“-Bilder. Besonders zu einem davon sagt sie: „Das würde ich nie wieder so gut hinkriegen.“ 2009 erklärte sie der Presse: „Es war mir ein dringendes Bedürfnis, einer Inspiration folgend, diesem Hengst in aufwendiger Ölmaltechnik und in diesem großen Format ein lebendes Denkmal zu setzen. Allein, den richtigen Zeitpunkt der Reife des Hengstes abzuwarten, dann die Ideenfindung der Bildkomposition, die vielen Farbschichten, etliche Trocknungsprozesse bis hin zum Abschlussfirnis – all das ist recht zeitaufwendig.“

„Quaterback“ in Öl. Quelle: Matthias Anke

Mit dem Bild der Neustädter Stute „Poetin“ war Harder 2003 erstmals als Pferdemalerin in die Öffentlichkeit gegangen. Das Original sei unverkäuflich. Es entstand in nur zehn Tagen. „Das Bild hat sich wie von allein gemalt.“

Bilder als historische Dokumentation der gegenwärtigen Pferdezucht

Einige Zeichnungen verschenkt die Künstlerin. Oder auch nicht. So müssen Harder-Fans dies jetzt einfach überlesen: „Manchmal werfe ich auch eines weg.“ Irgendwie sei es schließlich ja immer noch Hobby geblieben. Sie sehe sich nicht als Berufsmalerin. Immerhin: Harders Bilder gelten inzwischen als historische Dokumentationen der gegenwärtigen Pferdezucht.

Derzeit verwendet sie dafür Acrylfarben, gerne aber auch Kohle-, Graphit- und Pastellstifte und manchmal Ölkreiden. Und hin und wieder bannt sie damit einen Hund oder ein Huhn auf Leinwand. „Ausnahmsweise. Denn wenn ich damit anfangen würde, käme ich ja nie zur Ruhe.“ Eine Rinderherde malte sie auch schon. „Das war Restfarbe vom ,Quaterback’.“

Von Matthias Anke

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