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Ostprignitz-Ruppin Von der Flüchtlingswelle überrollt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Von der Flüchtlingswelle überrollt
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01:07 28.09.2014
Immer mehr Flüchtlinge und Asylbewerber kommen nach Ostprignitz-Ruppin. Quelle: dpa
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Neuruppin

Hotels mit Sauna, Fitnessraum und 35 Zimmern, gut ausgestattete Pensionen, immer wieder mal einzelne Wohnungen - an Angeboten fehlt es nicht. Doch die Offerten kommen den Mitarbeitern der Kreisverwaltung oft schlicht unmoralisch vor. "Abgesehen davon, dass viele Wohnräume einfach zu teuer sind, können wir nicht Asylbewerber in ein Hotel am See stecken - das würden die Menschen nicht verstehen", sagt Sabine Schmidt, Sozialamtsleiterin des Kreises. Die Folge: Trotz des großen Angebots hat die Behörde ungeheure Schwierigkeiten, geeignete Wohnungen für Asylbewerber und Flüchtlinge zu finden.

Seitdem der Strom der Schutzsuchenden stetig zunimmt, sucht der Kreis Immobilien - nun auch in kleineren Orten und sogar Dörfern, wo oft Neubaublöcke leer stehen. Dort wurde die Verwaltung auch fündig. So leben zwar vor allem in Neuruppin, aber nun auch in Kyritz, Zietenhorst, Wusterhausen, Wittstock und Neustadt Asylsuchende in 69 Wohnungen. In Lentzke sollen bald rund 70 und im Neustädter Wohngebiet Vogelsang bis zu 40 Asylbewerber einziehen. Bemühungen um weiteren Wohnraum gibt es unter anderem in Neuruppin und Rheinsberg. "Wir haben in diesem Jahr rund 50 Objekte geprüft", berichtet Sabine Schmidt.

Dabei bevorzugt die Kreisverwaltung Wohnungen in größeren Orten, um die Dörfer gemessen an der Einwohnerzahl nicht übermäßig zu belasten und um sich nicht weitere Probleme mit fehlender Infrastruktur aufzubürden. Denn die Verwaltung muss auch gewährleisten, dass die Asylsuchenden Ärzte und Schulen erreichen und die Busse nicht übervoll sind - aus Rücksicht auf Alteingesessene und Zuzügler. Gesucht werden praktikable Lösungen. Die Kreisverwaltung präferiert dabei die Unterbringung in Wohnverbünden, wie sie erstmals in Lentzke vorgesehen ist. In solchen Verbünden soll es neben mindestens 35 nah beieinander liegenden Wohnungen auch Gemeinschaftsräume, Betreuung durch Sozialarbeiter sowie Wachschutz geben. "Aber mittlerweile müssen wir nehmen, was wir kriegen. Wir haben keine andere Wahl", sagt Sozialdezernentin Waltraud Lorenz.

Denn in diesem Jahr werden im Kreis voraussichtlich zweimal so viele Asylsuchende ankommen wie 2013, als 132 Menschen aufgenommen wurden. Das Übergangswohnheim in Neuruppin Treskow ist indes mit 208 Personen ausgelastet. Zwar kann der Landkreis dort weitere 16 aufnehmen. "Das ist aber für die absolute Notsituation vorbehalten", stellt Sabine Schmidt klar. Auf leer stehende Immobilien wie der Nachbarkreis Oberhavel kann Ostprignitz-Ruppin nicht zurückgreifen. "Die haben wir nicht", sagt Waltraud Lorenz. Doch selbst wenn: Der Kreis bevorzuge es, Asylsuchende nicht mehr in Heimen, sondern in einem typischen Wohnumfeld unterzubringen. Zum einen, weil etwa 90 Prozent dieser Menschen für Jahre in der Region bleiben. Aber auch aus Kostengründen. "Wenn wir noch mehr zersiedeln, dann brauchen wir mehr Personal", so Schmidt. Zudem fördert das Land jetzt die Verbundform. Ein Platz dort wird mit einer Investitionspauschale von 2.300 Euro unterstützt. "Das ist zwar ein Tropfen auf den heißen Stein, aber besser als nichts", sagt Waltraud Lorenz.

Der Kreis sei an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Die Unterbringung ist dabei nur ein Aspekt - im Moment allerdings der drängendste. "Wir sind überrollt worden", so Lorenz. Mit einer solchen Anzahl an Asylsuchenden hätten weder Kreis, noch andere Kommunen, das Land oder der Bund gerechnet. Deshalb appelliert Waltraud Lorenz bei allem Verständnis für Ängste und Vorbehalte an alle: "Bitte unterstützt uns, sonst schaffen wir das nicht."

Von Celina Aniol

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