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Von der Jeanstheke an den Biertresen

Wittstock Von der Jeanstheke an den Biertresen

27 Jahre lang prägte der Jeansladen „Bronk’s“ das Geschäftsleben in der Wittstocker Königstraße. Nun will Inhaber Thomas Risse den Laden schließen. Fast drei Jahrzehnte genügen dem 65-Jährigen, der seit diesem Jahr Rentner ist. Zur Ruhe setzten will sich Thomas Risse aber noch nicht, er hat andere Pläne und bald eine neue Aufgabe gleich nebenan.

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Hoher Wiedererkennungswert: Für den als Verkaufstheke dienenden Mercedes hat Thomas Risse schon einen Käufer gefunden.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Zu DDR-Zeiten arbeitete Thomas Risse als Textilingenieur im Wittstocker OTB. Als sich dessen Niedergang in der Wendezeit abzeichnete, orientierte er sich neu. Mit Textilien sollte seine künftige Tätigkeit auch zu tun haben, allerdings mit Stücken, die in der DDR zuvor Mangelware und deswegen sehr begehrt waren.

27 Jahre prägte das Geschäft die Königstraße in Wittstock

27 Jahre prägte das Geschäft die Königstraße in Wittstock.

Quelle: Christian Bark

Eine Reise nach Paris gab Thomas Risse die letzte Überzeugung, seinen Plan durchzuziehen; in der französischen Hauptstadt fand er auch den passenden Namen für sein Geschäft: „Bronk’s“. „Keine Ahnung wo sich das herleitet“, sagt der 65-Jährige. Auf jeden Fall habe ihm der Laden so gut gefallen, dass sein Geschäft in Wittstock seitdem auch so heißt. Am 7. September 1990 eröffnete Risse das Jeansgeschäft in den Räumen eines ehemaligen Wollladens, die sich im elterlichen Vierseitenhof befinden. Zuvor hatte er beim Hersteller Wrangler Kontakt gesucht. „Der Marke bin ich immer treu geblieben“, sagt der Textilhändler.

Fürs Motorrad gibt es schon Interessenten

Fürs Motorrad gibt es schon Interessenten.

Quelle: Christian Bark

Die 90er Jahre, insbesondere die frühen, zeigten Risse, dass er mit seinem Geschäft in Wittstock eine Marktlücke schließen konnte. „Das war kein Verkaufen mehr, das war ein Verteilen“, beschreibt Risse die Anfangsjahre. Die Menschen im Großraum Wittstock hätten einiges nachzuholen gehabt. Damals arbeiteten noch drei Verkäuferinnen im Laden, die seien aber nach Abflauen des Kundenandrangs nach und nach gegangen. „Onlinehändler, große Discounter und gesättigter Bedarf haben sicherlich dazu beigetragen.“, vermutet Thomas Risse. Die Stadt Wittstock lobt er aber, weil sie immer am Konzept der Innenstadtbelebung festgehalten habe.

Kietzlokal für die Wittstocker geplant

Nun, nach 27 Jahren, will Thomas Risse jedoch seinen Laden schließen. „Am 8. September ist hier endgültig Schluss“, kündigt er an. Ab kommendem Montag starte er eine große Rabattaktion bis zum letzten Tag. „Da werden einige Schnäppchen dabei sein“, wirbt er.

Bald könnte Thomas Risses neuer Arbeitsplatz die Kneipe nebenan sein

Bald könnte Thomas Risses neuer Arbeitsplatz die Kneipe nebenan sein.

Quelle: Christian Bark

Mit fast 65 Jahren hat sich Thomas Risse in diesem Jahr zwar zur Ruhe gesetzt, die Vorstellung vom alleinigen Rentnerdasein behagt ihm jedoch nicht so ganz. „Ich bin wieder offen für was Neues.“, sagt er. Das Neue soll die Wiederbelebung von etwas Altem sein. Gleich neben seinem Geschäft befand sich über Jahre eine Kneipe, der seit einiger Zeit jedoch der Pächter fehlt. „Wenn alles gut geht, kann ich bald eröffnen.“, hofft Thomas Risse. In den liebvoll restaurierten Räumen will er eine richtiges kleines „Kietzlokal“ etablieren. Mit Bier vom Fass, Wein aus der Flasche und einem kleinen Imbiss. Dort könnte es Skatrunden geben und ein Ohr für die Sorgen seiner Gäste habe er sowieso.

Vorbild

Vorbild: Das Jeansgeschäft „Bronk’s“ entdeckte Thomas Risse 1990 in Paris.

Quelle: Christian Bark

Das hatte er immer schon für seine Kunden des Jeansladens. „Zeit für ein Schwätzchen muss immer sein.“, sagt Thomas Risse. Darüber habe er von Touristen erfahren, wie schön Wittstocks Innenstadt geworden sei oder welche Erinnerungen sie mit dem „Bronk’s“ verbinden. „Viele haben mir gesagt, sie hätten ihre erste Jeans bei mir gekauft“, berichtet der Ladeninhaber. Und dann kommt bei aller Freude auf die neue Aufgabe mit der Kneipe doch etwas Wehmut bei dem 65-Jährigen auf. „Die 27 Jahre sind ganz schön schnell vergangen“, stellt er fest. Sein Geschäft und die Stammkunden werde er vermissen. Originelle, einprägsame Accessoires wie seine Freiheitsstatue, sein Motorrad oder die Verkaufstheke, die aus der Front eines Mercedes besteht, erfreuten sich schon großer Nachfrage. „Wenn alles gut geht“ hofft Thomas Risse, seine Kunden bald beim Bierchen in seiner Kneipe anzutreffen.

Von Christian Bark

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