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Ostprignitz-Ruppin Von der Rollireit-Schule zu den Paralympics
Lokales Ostprignitz-Ruppin Von der Rollireit-Schule zu den Paralympics
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21:05 26.08.2016
Bis gestern hat Speerwerferin Martina Willing noch in Radensleben trainiert. Am Mittwoch geht es nach Rio. Quelle: Peter Geisler
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Radensleben

Kraft sammeln, nach hinten lehnen – und: Wurf. Der Speer fliegt über das Gelände der Radenslebener Rolli-Reitschule, als ob er Flügel hätte. „Das ist der Hammer“, schwärmt Christa Lemmé. „Sie ist eben die Grande Dame des paralympischen Spitzensports in Brandenburg.“ Martina Willing, die gerade so kraftvoll den Speer in die Luft geschleudert hatte, nickt zufrieden. Rio kann kommen.

Ja, Rio de Janeiro und die Paralympics. Mitte nächster Woche ist es soweit. Dann fliegt die erblindete und querschnittsgelähmte Sportlerin aus Cottbus, die bereits sieben Mal bei der Olympiade für behinderte Menschen mitgemacht, zigfach Goldmedaillen errungen hat und mehrfache Weltrekordhalterin in den Disziplinen Speer, Kugel und Diskus ist, nach Südamerika.

Speerwerferin Martina Willing trainiert regelmäßig im Ruppiner Land

Die letzten Trainingseinheiten absolvierte die 56-Jährige in Radensleben. Etwa einmal im Monat für je eine Woche war sie in der Zeit vor den Paralympics im Ruppiner Land, um sich auf den Wettbewerb vorzubereiten – und zwar nicht als einzige. Neun Athleten mit Handicap entsendet Brandenburg zu den Spielen. „So viele wie noch nie“, sagt Christa Lemmé vom Verein Hobis, der unter anderem den paralympischen Behinderten-Reitsport in Radensleben fördert.

Vier von ihnen waren regelmäßig zum Trainieren in Radensleben. Neben Martina Willing sind noch zwei weitere Leichathleten darunter – und dann ist da noch Alina Rosenberg. „Auf sie sind wir unglaublich stolz.“ Denn die 22-Jährige ist in der Rolli-Reitschule, die zugleich Landesstützpunkte Reiten mit Handicap des Landes Brandenburg ist, zur Reiterin ausgebildet worden. Und nun startet auch sie bei den Paralympics als erste Athletin des Pferdesportverbands Berlin-Brandenburg überhaupt.

In London saß Alina Rosenberg bei den Paralympics noch in Reserve

„Als sie zu uns vor sechs Jahren kam, da saß sie im Rollstuhl.“ Mittlerweile kann die junge Sportlerin, die jetzt ein Studium am Bodensee im sozialen Bereich anfängt, wieder laufen. „Die dazu nötige Rumpfstabilität hat sie durch das Reiten erreicht.“ Und zwar durch die spezielle Bewegungstherapie auf dem Pferd mit speziell ausgebildeten Therapiepferden und einem eigens in Radensleben entwickelten Sitzgurt der Trainerin Gundula Lüdtke. 2012 war Alina Rosenberg schon die erste Reserve bei den Paralympics in London. „Und jetzt darf sie tatsächlich mitmachen“, sagt Christa Lemmé. Für Gundula Lüdtke geht damit ein Traum in Erfüllung. „Klar, schließlich ist die Teilnahme an dem Wettbewerb die Krönung der Arbeit für jeden Trainer.“

Viel harte Arbeit steckt dahinter, dass Alina Rosenberg jetzt zu den Paralympics darf. „Aber auch ein unglaublich gutes Gespür der Trainerin für Mensch und Tier“, erzählt Christa Lemmé über Gundula Lüdtke, die frühere schweizerische Bundestrainerin für Para-Reiter. Denn im Reitsport mit behinderten Menschen ist es sehr wichtig, dass passende Pferd zum vorhandenen Handicap zu finden. Aber auch darauf zu achten, dass die Tiere flugfähig sind, damit sie die teils lange und strapaziöse Anreise zu den Wettbewerben gut überstehen. Fünf Pferde sind in Radensleben allein für den Spitzensport reserviert. Sie werden unter anderem vom Bildungsministerium finanziert.

Erfolg der Radenslebener Sportler ist ein Ansport für den Nachwuchs

Auch für die Rolli-Reitschule ist diese Entsendung nach Rio de Janeiro ein Glücksfall. „Dass Alina, die Vereinskameradin, zu den Paralympics fährt, das ist sicher ein ganz großer Motivationsschub für die Kinder und Jugendlichen, die bei uns trainieren“, sagt die Sprecherin des Vereins. Zehn junge Para-Sportler sind es derzeit. Sieben von den Handicap-Reitern sind im Dezember in den Landeskader berufen worden, darunter neben Alina auch die erblindete zwölfjährige Shirley-Sue Giese. „Sie hat ein großes Talent und ist eine heiße Aspirantin für Tokio 2020.“

Jetzt steht aber erst einmal Rio bevor, wo auch Christa Lemmé als Live-Berichterstatterin für diverse Radiosender hinfährt. „Ich war schon vor vier Jahren in London, und es war eine fantastische Atmosphäre dort“, sagt sie. Dass diesmal auch eine Reiterin aus Radensleben dabei ist, das mache die Spiele aber für sie besonders. „Ich freue mich schon sehr aus Rio.“

Einen Wermutstropfen gibt es aber für Christa Lemmé: Dass lediglich zwölf Prozent der Eintrittskarten für die Paralympics bisher verkauft worden sein sollen, macht sie traurig. „Die Sportler haben es verdient, ein großes Publikum zu haben. Ich hoffe, es geht noch ein großer Schub durch die Bevölkerung, und die Zuschauerränge werden voll.“

Von Celina Aniol

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