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Von gefährlichen Bäumen umzingelt

Kunow Von gefährlichen Bäumen umzingelt

Eine Kunower Familie fürchtet um ihr Leben wegen etlicher, rings um ihre Häuser herum schon bedrohlich schief stehender Pappeln. Sie fühlt sich hilflos, denn der Vermieter sieht keine Gefahr darin. Und die Gemeindeverwaltung prüft erst noch, inwiefern ein öffentlicher Weg betroffen ist. Dabei hatte es vor genau einem Jahr schon extreme Sturmschäden gegeben.

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Jürgen Klafki und Sohn Maik (r.) vor einem der beiden Wohnhäuser, die umringt sind von Pappeln. Bei jedem Sturm brechen bereits Äste ab. Und voriges Jahr wurde ein Haus von einem Baum schon getroffen.

Quelle: Matthias Anke

Kunow. Familie Klafki lebt recht abgeschieden, idyllisch nahezu. Doch bei jedem Windstoß, der bei ihnen in Kunow am Lindenberger Weg auf eine Reihe von Bäumen trifft, bekommen sie Angst. „Wenn es stürmt, gehen wir sicherheitshalber in den Keller“, erzählt Maik Klafki mit Blick auf die hohen Pappeln ringsherum, von denen viele schon sehr windschief stehen. Der 36-Jährige bangt dann vor allem um seine achtjährige Tochter, die ihr Kinderzimmer unter dem Dach hat. Denn eine Böe zu viel, und einer der mächtigen Bäume würde das Haus komplett zertrümmern. Nur der massive Keller scheint da noch sicher zu sein. Bei den Eltern im Haus nebenan ist es nicht anders.

Ihre Furcht hat Gründe, sagen sie und legen Fotos von vor genau einem Jahr auf den Küchentisch. Dass bei diesem Sturm nicht mehr passierte, sei ein Wunder: Maik Klafkis Haus wurde von einem umgestürzten Baum touchiert, das Dach an einer Ecke wenige Meter neben dem Kinderzimmer getroffen, die Haustreppe demoliert, ein Auto im Carport arg beschädigt. „Den Knall habe ich noch heute im Ohr. Das ganze Haus hat vibriert.“

Mieter sieht „Gefahr in Verzug“ auch für Spaziergänger und Reiter

Spuren davon sind noch immer zu sehen. Ein zerstörter Wohnwagen dümpelt nun vor sich hin. „Muss es erst Tote geben?“, fragt Vater Jürgen Klafki. Der 56-Jährige fühlt sich hilflos. Das Problem: Klafkis sind nur Mieter und der Eigentümer habe bislang niemanden gefunden, der die Bäume entfernt. Auch ihre eigenen Bemühungen verliefen allesamt im Sande. „Hier waren immer mal welche und guckten, das war es dann auch auch. Doch wenn Gefahr im Verzug ist, muss doch gehandelt werden, dann muss eben die Gemeinde einschreiten“, fordert Klafki mit Blick auf die Gumtower Verwaltung. Der ist das Problem bekannt. Doch es wird auf den Eigentümer verwiesen.

Zum Abbrechen bereit ragen etliche Äste weit über dem angrenzenden öffentlichen Weg

Zum Abbrechen bereit ragen etliche Äste weit über dem angrenzenden öffentlichen Weg. Die Telefonleitung musste schon mehrfach repariert werden.

Quelle: Matthias Anke

Allerdings ragen etliche Äste mittlerweile weit über den angrenzenden und bei Spaziergängern und Reitern beliebten öffentlichen Weg. Zumindest rein optisch drohen sie bald abzubrechen. Viele Äste säumen den Boden bereits. Die Telefonleitung musste schon mehrfach repariert werden. „Wir müssen uns dazu in der Verwaltung jetzt abstimmen, wie wir vorgehen“, sagt die für solche Fälle zuständige Marlis Przybilla. Denn nach einer Mahnung könnte zwar zur Gefahrenabwehr auf Gemeindekosten gehandelt werden, doch wer wisse schon, ob die Öffentlichkeit dann auf diesen Kosten nicht doch sitzen bleibt. Zudem sei die Angelegenheit ansonsten vor allem eine zivilrechtliche. Die Betroffenen müssten sich einen Anwalt nehmen oder das über den Mietpreis regeln.

Nicht nur der Wohnwagen wurde vor einem Jahr von einem umgestürzten Baum schon zertrümmert

Nicht nur der Wohnwagen wurde vor einem Jahr von einem umgestürzten Baum schon zertrümmert.

Quelle: Matthias Anke

Vermieter Gerhard Lüdecke zeigt sich auf MAZ-Nachfrage jedenfalls kompromissbereit: „Wenn sich jemand findet, der die Bäume wegnimmt, von denen sich die Familie besonders bedroht fühlt, der kann sich gerne melden“, sagt der Berliner, der einst Verwandtschaft in Kunow hatte. Dass die Situation mittlerweile lebensgefährlich sei, sehe er jedoch nicht ein. Er habe sich dazu bereits mit Forstfachleuten verständigt. Demnach sei es zu dem Vorfall im vorigen Jahr nur wegen einer besonders starken Windhose gekommen, die auch jeden anderen Baum umgelegt hätte.

Zudem sei eine Erklärung, dass keiner das Pappelholz bisher haben wollte, deren geringe Qualität. Lüdecke verweist aber auf eine derzeit in der Region im Aufbau befindliche „Vermarktungsstrecke“ für Pappelholz. In zwei Jahren werde es wohl so weit sein, dass die rund 200 auf dem Areal stehenden Pappeln entfernt werden können. „Sie stehen dort jetzt schon 70 Jahre lang, da kommt es auf zwei weitere nicht mehr an. Und es wäre ja Unsinn, diese 1300 Kubikmeter Holz jetzt einfach wegzuwerfen.“ Derweil hat Jürgen Klafki mittels Laser gemessen und ist nicht weniger besorgt: Die meisten Bäume sind schon rund 40 Meter hoch. Die Häuser stehen zehn bis 20 Meter davon entfernt.

Von Matthias Anke

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