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Ostprignitz-Ruppin Hoffnungsschimmer im sumpfigen Morast
Lokales Ostprignitz-Ruppin Hoffnungsschimmer im sumpfigen Morast
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16:01 24.05.2014
In Dreibrück haben seit einem Jahrhundert benachteiligte Menschen immer Heimat, Obdach, Freunde und Arbeit gefunden. Quelle: Privat
Dreibrück

Sich als Arbeitsloser oder Arbeiter mit äußerst knappem Verdienst in Berlin durchzuschlagen, das war um 1900 eine Kunst. Wer aber zudem kein Obdach hatte, der stand in Preußen auf verlorenem Posten. Als Pastor Friedrich von Bodelschwingh das Elend der Wohnungslosen in der Großstadt erlebte, konnte er nicht anders: Er gründete für die "Brüder von der Landstraße" den Verein Hoffnungstal und ließ in der Nähe von Bernau Arbeitskolonien errichten. Seine Idee, den "Tippelbrüdern" Arbeit statt Almosen anzubieten, schlug so gut ein, dass die Häuser bald aus allen Nähten platzten. Um Bodelschwinghs Leitsatz "Dass ihr mir niemanden abweist" dennoch gerecht zu werden, machte sich Anstaltsleiter Pastor Friedrich Onnasch also auf die Suche nach einem neuen Ort für die Obdachlosen.

Sumpfiger Morast, morastiger Sumpf - attraktiv war die Gegend im Havelländischen Luch wahrlich nicht. Und doch erkannte der Pastor, als er das entlegene Land am Gasthaus "An den drey Brücken" sah, sofort das Potential, das in dem Fleckchen Erde steckte. Er griff zu und kaufte Silvester 1913 den alten Landgasthof samt Stall, Scheune und Ländereien. Im Mai 1914 zogen die ersten sieben Männer mit einem Diakon dorthin, gründeten die Arbeiterkolonie Dreibrück als erste Außenstelle der Hoffnungstaler Anstalt Lobetal - und legten den Grundstein für eine Einrichtung, die sich seit nunmehr 100 Jahren den Schwachen und Benachteiligten der Gesellschaft widmet.

Heute beherbergt die Hoffnungstaler Stiftung in Dreibrück am südlichsten Zipfel des Landkreises über 80 Menschen mit geistigen Behinderungen. 60 von ihnen sind auf dem Hof beschäftigt, entweder in der Landwirtschaft, Küche, Werkstatt oder im erst kürzlich gegründeten Dienstleistungsbereich, der unter anderem die Reinigung der Stätte übernimmt. Zwei Drittel der Milch für die Kultmarke "Lobetaler Bio" wird in Dreibrück produziert. 94 Jahre ist die älteste Bewohnerin. Seit mehr als 60 Jahren lebt der "Dienstälteste" Patient in der Einrichtung. "Seit einiger Zeit haben wir aber auch viele junge Menschen ", sagt Arne Breder, der die Leitung der Wohnstätten 2013 übernahm. Diese schätzen vor allem die Möglichkeit, am selben Standort arbeiten und leben zu können. "Auch wenn sie sich wohl manchmal wünschen, dass hier vor allem abends mehr los wäre", sagt der 36-Jährige und lacht.

Festtage zum Jubiläum

Mit einer Andacht beginnen am Donnerstag, 29. Mai, 12 Uhr, die Festtage in Dreibrück. Danach: Picknick, Führung, Fußballturnier. Am 30. Mai findet der zentrale Festgottesdienst statt (10 Uhr), Theater (13.30 Uhr), Ausstellung zur Geschichte (14.30).
Am 31. Mai wird ab 14.30 Uhr gefeiert. Um 16 Uhr wird der Spielfilm „Die Kunst, sich die Schuhe zu binden“ gezeigt. Ab 18 Uhr gibt’s die Ü-100-Party.

Bis Menschen mit Behinderungen die Stätte in Beschlag nahmen, war es jedoch ein weiter Weg. Bald nach der Eröffnung bricht der Erste Weltkrieg aus, viele Männer werden eingezogen, nach Dreibrück ziehen dafür französische Kriegsgefangene. Bis 1920 wird das Land urbar gemacht, es entstehen Wohnhäuser, Wirtschaftsgebäude, Ställe. Zum Glück. Denn in der Zeit der Weltwirtschaftskrise sind die Plätze in der Kolonie sehr begehrt. Etwa 150 Männer wohnen und wirtschaften dort nun. Als der Zweite Krieg beginnt, ziehen die Männer wieder mit den Waffen los, bestellen Kriegsgefangene wieder die Felder. Zwei Dreibrücker werden 1942 ins Warschauer Ghetto deportiert, andere der Homosexualität bezichtigt und verurteilt. 1943 werden 58 Menschen aus einem Berliner Taubstummenheim in die Anstalt evakuiert. 1945 besetzt die Rote Armee bis 1950 halb Dreibrück und betreibt dort Schweinezucht. Der Anstalt, in der nun auch viele Flüchtlinge wohnen, hilft es herzlich wenig: Die Hälfte der Bewohner stirbt an Unterernährung.

In dieser Zeit beginnt sich die Anstalt von einer Arbeiterkolonie in ein Altenheim, dann immer mehr in eine Behinderteneinrichtung zu verwandeln. Obdachlose gibt es nun, zumindest offiziell, nicht mehr. Dafür geistig Kranke, die die Landesnervenklinik Neuruppin den Dreibrückern immer öfter zuschustert. 1969 wird die Anstalt zum anerkannten "psychiatrischen Pflegeheim". Die Entwicklung von Arbeitstherapie und aktiver Freizeitgestaltung steht nun an, die allerdings erst seit der politischen Wende im vollen Gange ist, da es nun mehr Geld und Personal gibt. 2010 wird ein neues, endlich barrierefreies Werkstattgebäude eröffnet. Seit Neuestem bieten die Dreibrücker ambulante Betreuung an und nun nimmt auch die Idee, Tagespflege für Senioren aus umliegenden Dörfern anzubieten, langsam konkrete Formen an.

"Wenn wir die nächsten 100 Jahre bestehen wollen, müssen wir auf die Nachfrage reagieren", sagt Arne Breder. "Mal schauen, welche Entwicklung die Zeit mit sich bringt." Vielleicht werde es etwas sein, was er jetzt noch gar nicht im Blick hat. Nur eine Heimat Menschen geben, die diese brauchen - diesem Motto Bodelschwinghs sollte auch die künftige Einrichtung folgen, findet der Leiter.

Von Celina Aniol

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