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Vor 25 Jahren: Kyritzer Straßen umbenannt

Lenin, Liebknecht, Luxemburg Vor 25 Jahren: Kyritzer Straßen umbenannt

Mit der deutschen Einheit vor 25 Jahren gingen auch unzählige Umbenennungen von politisch geprägten Straßennamen einher. Lenin, Liebknecht oder Luxemburg sind teilweise aber noch heute auf ostdeutschen Straßenschildern präsent. Was geblieben ist, woher die neuen Namen kamen, das wissen heute beispielsweise in Kyritz schon nicht mehr alle Einwohner.

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Auch dieser Bewohner der Kyritzer Prinzenstraße konnte sich nicht daran erinnern, seit wann diese Straße wieder so heißt.

Quelle: Matthias Anke

Kyritz. Der 24. Oktober 1990 war ein Mittwoch. An diesem Tag vor 25 Jahren beschlossen die Kyritzer Kommunalpolitiker etwas, das noch immer weite Teile der Stadt prägt: Sie benannten Straßennamen um. Gut zwei Dutzend aus DDR-Zeiten stammende Namen verschwanden damit. Einige aus der Zeit vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrten zurück, zudem wurden völlig neue vergeben.

Umzusetzen war dieser Beschluss zum 1. Januar 1991. „Bis dahin wurde er noch mehrfach korrigiert“, erinnert sich Herbert Brandt, seinerzeit Vize-Bürgermeister von Kyritz und „treibende Kraft“ dieser Umbenennungen. Ursprünglich wollte Brandt sogar weit mehr als 30 Straßen mit einem anderen Namen versehen. Doch viele frühere Straßenbezeichnungen waren nicht weniger politisch als die aus DDR-Zeiten und damit ebenso umstritten.

Die Zetkin-Straße überlebte die Wende in Kyritz ebenso wie Liebknecht- und Luxemburg-Straßen

Die Zetkin-Straße überlebte die Wende in Kyritz ebenso wie Liebknecht- und Luxemburg-Straßen.

Quelle: Matthias Anke

So wurde zwar aus der Breitscheid-Thälmann-Straße keine Fritz-Reuter-Straße, sondern wieder die Prinzenstraße – nachdem 60 Einwohner dies so gefordert hatten. Aber zu einer erneuten Wilhelmstraße und einer Friedrichstraße kam es in Kyritz nicht mehr. Auch stand die Bezeichnung des Platzes des Friedens von vor 1945 außer Frage, wie in so vielen Städten Deutschlands: Damals Adolf-Hitler-Platz, ist es nun wieder der Kyritzer Marktplatz. Die in Richtung Untersee links von der Seestraße abgehenden politischen Straßennamen sollten gar Blumennamen weichen. „Das scheiterte aber an der Chrysantheme und auch Anwohnern der Clara-Zetkin-Straße“, sagt Brandt. Neben der Zetkin-Straße überlebten daher ebenfalls die Karl-Liebknecht-Straße und die Rosa-Luxemburg-Straße in Kyritz – wie auch in so vielen anderen Orten Ostdeutschlands. Der Großteil der Kyritzer Luxemburg-Straße jedoch ist heute die Wusterhausener Straße.

Neue Kyritzer Straßennnamen seit 1991

Die Wilhelm-Pieck-Straße wurde zur Hamburger Straße. Die Straße der DSF heißt nun Pritzwalker Straße und die Leninallee Perleberger Straße.

Aus der verlängerten Breitscheid-Thälmann-Straße wurde wieder die Domstraße, aus der verlängerten Maxi,-Gorki-Straße die Hospitalstraße.

Die Bertolt-Brecht-Straße wurde zur Bassewitzstraße, die August-Bebel-Straße zum Nussbaumweg, der Karl-Marx-Weg zum Fontaneweg, der Friedrich-Engels-Weg zur Hermann-Löns-Straße, die Jeschke-Straße zur Stauffenberg-Straße.

In Kyritz-West wurden aus „Am Ring“ die Fröbelstraße, Ammerländer Straße und teils die Pestalozzistraße und aus der Otto-Grotewohl-Straße die Werner Straße. Ein Teil der Straße der Jugend heißt heute Prignitzer Straße.

Und in Wusterhausen standen einst gleichfalls Umbenennungen an. Dort aber verfolgten sie die Gemeindevertreter noch bis ins Jahr 2009: weil aus der Lenin­straße nicht wieder die Heilig-Geist-Straße wurde, sondern die Dombrowskistraße, und Erkenntnisse aus Dombrowskis Leben zur NS-Zeit als Wusterhausener eine politische Debatte lostraten. Am Ende blieb es bei Dombrowski.

Heimatforscher Manfred Teske erinnert sich darüber hinaus, wie die Liebknecht-Straße in Wusterhausen nicht überlebte, da sie zur Kyritzer Straße wurde, und wie die Thälmann-Straße zur Kommandantenstraße wurde. „Steht alles in der Chronik, die 2008 anlässlich 775 Jahre Wusterhausen erschien“, sagt Teske und verweist auf Jörg Wirsams Beitrag „Straßennamen einst und heute“. Darin ist nicht minder spannend, dass aus dem Wusterhausener Adolf-Hitler-Platz zunächst bis 1968 ein Roter Platz wurde und die heutige Berliner Straße in dieser Zeit Moskauer Straße hieß. Inklusive des heutigen Marktplatzes war das zu DDR-Zeiten – und damit ebenso bis vor genau einem Vierteljahrhundert – noch eine Karl-Marx-Straße.

Von Matthias Anke

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