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Ostprignitz-Ruppin Vor 50 Jahren ging Rheinsberg „ans Netz“
Lokales Ostprignitz-Ruppin Vor 50 Jahren ging Rheinsberg „ans Netz“
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16:28 09.05.2016
Blick auf den Reaktor im Jahr 1970. Quelle: Wolfgang Mallwitz/Archiv
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Rheinsberg

Die Geschichte der kommerziellen Stromerzeugung durch Atomenergie steht in der Bundesrepublik vor ihrem Ende. So es keinen erneuten „Ausstieg vom Ausstieg“ gibt, gehen die letzten deutschen Meiler 2022 vom Netz. Die Frage nach dem Rückbau der Kraftwerke und vor allem nach der sicheren Endlagerung der radioaktiven Materialien wird indes auch über das Jahr 2022 hinaus eine gewichtige Rolle spielen.

Das Kernkraftwerk Rheinsberg hat die Geschichte der Kernenergie in Deutschland maßgeblich mitgeschrieben. Zwar war die Leistung des Reaktors von zunächst 70 Megawatt verglichen mit später gebauten Reaktoren recht gering, bei seiner Inbetriebnahme 1966 aber war Rheinsberg überhaupt erst das zweite Atomkraftwerk auf deutschem Boden – und das erste der DDR. Zugleich war Rheinsberg mehr als viermal so leistungsstark wie das westdeutsche Kernkraftwerk Kahl in Bayern.

Vergleichsweise kleines Kraftwerk

Das Kernkraftwerk Rheinsberg war das erste kommerziell genutzte KKW der DDR. Der Druckwasserreaktor war auf 70 Megawatt ausgelegt. Die Leistung im Dauerbetrieb wurde nach erfolgreichen Probeläufen sukzessive auf 80 Megawatt gesteigert.

Zum Vergleich: Das erste Kernkraftwerk der BRD im bayrischen Kahl – seit 1962 in Betrieb – leistete 16 Megawatt. In Gundremmingen, ebenfalls in Bayern – ab 1967 – 250 Megawatt.

Gegenüber den
Weiterentwicklungen sind diese ersten Kraftwerke jedoch als klein zu bezeichnen. So erreichte beispielsweise Biblis A (Hessen) ab 1975 mehr als 1200 Megawatt, das neben Rheinsberg andere Kernkraftwerk der DDR Greifswald in Lubmin in den Blöcken 1 bis 4 ab 1979 knapp 1800 Megawatt, was rund zehn Prozent des Strombedarfs der DDR deckte.

Mögliche Gefahren waren in den 60er Jahren weit weg, die Technik galt als beherrschbar. Der damalige DDR-Minister für Materialwirtschaft, Alfred Neumann, sagte anlässlich der feierlichen Inbetriebnahme am 9. Mai 1966: „Die technische Revolution ist mit einem schnellen Ansteigen des Energiebedarfs verbunden. Das erfordert einmal den traditionellen Einsatz der Energie, aber auch die Erschließung neuer Energiequellen, da unsere Braunkohlenvorräte nicht unbegrenzt sind.“ In die Kernkraft setzte man hierbei große Stücke. Die „Märkische Volksstimme“ vom 10. Mai 1966 berichtete auf drei Seiten über das Rheinsberger Kraftwerk. Im Leitartikel heißt es: „Deshalb haben Partei und Regierung rechtzeitig auf die Erschließung der Kernenergie orientiert, die unsere Energieversorgung auf Jahrhunderte sichern kann.“

„Ein Wahrzeichen modernster sozialistischer Technik“

Alfred Neumann würdigte die Fertigstellung nach rund neun Jahren Bauzeit auch als Leistung des politischen Systems: „Noch vor Jahrzehnten herrschte in der Umgebung von Rheinsberg tiefste Reaktion. Unter der Macht des Arbeiter-und-Bauern-Staates erhält die ehemals rückständige märkische Streusandbüchse mit der Inbetriebnahme des Atomkraftwerkes ein Wahrzeichen modernster sozialistischer Technik.“

Der 10-Mark-Schein der DDR mit der Schaltwarte des KKW Rheinsberg auf der Rückseite. Quelle: Peter Geisler/Archiv

Einen Schönheitsfehler hatte die Feier am 9. Mai allerdings. Der Reaktor erzeugte an diesem Tag „aus technischen Gründen nur die relativ geringe Strommenge von 2 Megawatt, die nicht in das öffentliche Verbundnetz sondern in eine Eigenbedarfssektion der Anlage eingespeist wurden“, schreibt der Historiker Sebastian Stude in seinem Buch „1955 Rheinsberg zwischen Blockwarte & Kulturhaus“. Stude ergänzt: „Das scheint insbesondere deshalb pikant, weil der DDR-Minister für Grundstoffindustrie Klaus Siebold das Kernkraftwerk am 9. Mai 1966 offiziell mit folgenden Worten in Betrieb gab: ’Genosse Hauptingenieur Ackermann, ich beauftrage Sie, die Einspeisung von Elektroenergie in das Verbundnetz der DDR aufzunehmen.’“

Mehr als 130.000 Betriebsstunden

Bis zur Abschaltung im Jahr 1990 jedenfalls lieferte Rheinsberg in mehr als 130.000 Betriebsstunden neun Terawatt, das heißt neun Billionen Watt. Ob diese Leistung die Baukosten und vor allem die Rückbaukosten rechtfertigt, wird wohl erst in vielen Jahren feststehen. Zu berücksichtigen wird dabei auch sein, dass das KKW als ausgewiesenes Lehr- und Versuchskraftwerk bei der Forschung zur Kernenergie eine wichtige Anlaufstelle war – deren Wert sich nicht einfach beziffern lässt. Zweifel am finanziellen Sinn des Kraftwerks hatte es schon während der Bauphase gegeben, denn Rheinsberg wurde deutlich teurer als ursprünglich geplant. „Im Laufe seiner Errichtung stiegen die Kosten [...] auf mehr als das Vierfache an“, schreibt Sebastian Stude.

Die Natur erobert sich das Gelände langsam zurück. Der Rückbau soll nach jetzigem Stand frühestens 2025 abgeschlossen sein. Quelle: Mischa Karth

Außer Frage steht, dass das Kraftwerk vielen Menschen der Region Arbeit gegeben hat und zum Teil noch immer gibt und das Sozialgefüge der Gegend mitgeprägt hat. 670 Menschen arbeiteten zu DDR-Zeiten im Werk, derzeit sind es noch knapp 200. Nach Angaben des derzeitigen Betreibers Energiewerke Nord sind bis zu 100 zusätzliche Arbeitskräfte von Nöten, um den Rückbau zu beenden. Der dürfte ebenfalls wichtige Erkenntnisse für den bevorstehenden Rückbau anderer Atomkraftwerke liefern. Aktuell geht man bei den Energiewerken Nord davon aus, dass die Arbeiten frühestens 2025 abgeschlossen sein werden. Das letzte Kapitel der Geschichte ist also auch in Rheinsberg noch nicht geschrieben.

Von Mischa Karth

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