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Vor Filmküssen gibt’s einen Pfeffi

Dranse Vor Filmküssen gibt’s einen Pfeffi

Schauspieler Thomas Rudnick ist viel unterwegs. Zuletzt war er in „Aktenzeichen XY-ungelöst“ zu sehen, demnächst in „Die Bergretter“. In seinem gemütlichen Heim in Dranse fühlt er sich mit seiner Familie wohl. Im MAZ-Interview erzählt er, warum sein Kleiderschrank nicht noch voller werden sollte und was Schauspieler Sebastian Ströbel mit Wittstock zu tun hat.

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Thomas Rudnick am heimischen Herd. Das Messerwetzen ist ihm auch deshalb nicht fremd, weil er jüngst einen Imbissbesitzer spielte.

Quelle: Björn Wagener

Dranse. Schauspieler Thomas Rudnick ist viel unterwegs. Zuletzt war der 51-Jährige in „Aktenzeichen XY-ungelöst“ zu sehen, demnächst in „Die Bergretter“. In seinem gemütlichen Heim in Dranse fühlt er sich mit seiner Familie samt Hovawart-Hündin Cara wohl – sichtbare Balken, Backstein-Fußboden in der urigen Küche, überall ein ständiges Spiel zwischen Altem und Modernem, das eine wohlige Atmosphäre schafft. Im MAZ-Interview erzählt er, warum sein Kleiderschrank nicht noch voller werden sollte und was Schauspiel-Kollege Sebastian Ströbel mit Wittstock zu tun hat.

Herr Rudnick, Sie sind oft in Krimis wie dem „Tatort“ oder in Serien zu sehen. Wie kommt man überhaupt an eine Filmrolle?

Thomas Rudnick: Ich habe meinen ersten Film 1988 in Babelsberg gedreht, mit 23 Jahren, da habe ich natürlich inzwischen einige Kontakte und eine gewisse Erfahrung bei Castings. Außerdem vertritt mich eine Agentur, und ich bin mit meinen Präsentationen auf verschiedenen Plattformen im Internet vertreten. Bei „XY“ zum Beispiel geht die Besetzung auch danach, dass eine gewisse Ähnlichkeit mit den Opfern oder Tätern besteht. Das Schöne war: Schauspielerisch konnte ich ein wenig improvisieren, denn es gab nur wenig Vorgaben bei Handlung und Text. Man muss übrigens auch unterschreiben, dass man vor der Ausstrahlung der Sendung nichts vom Inhalt der Geschichte verrät.

Wie lange hat man Zeit, sich auf eine Rolle vorzubereiten?

Thomas Rudnick: Es ist unterschiedlich: Bei „XY“ war das ganz kurzfristig. Am Donnerstag habe ich die Anfrage bekommen und am Dienstag darauf sollte ich bereits in München sein. Bei einer Kinohauptrolle kann das aber auch schon ein Jahr vorher sein, weil der Cast, also alle weiteren Rollen, um die Hauptfigur herum besetzt werden. Je weiter der Kreis nach außen führt, desto kurzfristiger wird die Besetzung.

Wie eng muss man sich an den Text halten?

Thomas Rudnick: Meist stellt sich am ersten Drehtag heraus, ob man eine gewisse Freiheit haben kann. Dennoch wird man so manchem bekannten Kollegen schlecht sagen können: Also, das steht hier anders, als du es erzählst. Inhaltlich muss es natürlich stimmen. Bei mir ist es so, dass ich oft zwei verschiedene Varianten lerne – die originale und dann noch eine weitere, um andere Ausdrucksformen zu finden, von der ich glaube, dass sie die Figur noch genauer widerspiegeln können. Lustig war einmal, als ich für „In aller Freundschaft“ die Dialoge intensiv mit meinen Kindern zusammen geübt habe. Man muss die Stichworte der anderen genauso gut kennen wie seinen eigenen Text. Als die Sendung dann ausgestrahlt wurde, haben meine Kinder vor dem Fernseher gehockt und den Text mitgesprochen. Sie haben sich sehr über die tatsächliche Umsetzung amüsiert.

Ihre Kinder Elina und Leonhard sind 16 und zehn Jahre alt, würden Sie Ihnen empfehlen, Schauspieler zu werden?

Thomas Rudnick: Nein. Was sie später einmal machen möchten, sollen sie selbst entscheiden. Heute gibt es im Grunde in jeder Branche und von allem zu viel. Es ist nirgends einfach. Aber wenn man etwas wirklich will, dann sollte man es auch tun. Wenn sie es möchten, bitteschön. Übrigens: Als mein Sohn einmal in Wittstock gefragt wurde, was denn seine Eltern täten, sagte er: „Mein Papa ist Schauspieler und meine Mama arbeitet noch.“

Ist es nicht toll, an Orten zu drehen, wo andere Urlaub machen, am Meer oder in den Bergen?

Thomas Rudnick: Ja, das stimmt natürlich. Bei den „Bergrettern“, zum Beispiel. Da ist man dann plötzlich in den österreichischen Alpen. Da darf ich arbeiten! Das ist grandios! Ich setze mich hier morgens um 9 Uhr in den Bus, fahre nach Wittstock, hole mir beim Bäcker ein paar Schweineohren und ein Brötchen und dann geht es ab nach Tegel. Hier waren es vielleicht 15 Grad und abends um 19 Uhr bin ich in 3000 Metern Höhe und denke mir: ’Du hättest Dir besser doch eine dicke Jacke mitnehmen sollen.’

Also doch ein Traumjob?

Thomas Rudnick: Naja, Leute, die jeden Tag ins Büro oder auf die Baustelle gehen, haben diese Ungewissheit nicht. Man kann in einem Jahr fünf Filme machen und sehr, sehr viel Geld verdienen, und im nächsten Jahr hat man nichts. Das ist einfach so. Davor ist keiner gefeit. Es sei denn, man macht eine Serie. Aber ich beneide diese Kollegen nicht. Ich bin froh, dass ich abwechslungsreiche Sachen machen kann, sehr gern auch Werbung, zum Beispiel für Audi. Den Spot hat übrigens auch das Marketing von Swiss Krono gesehen und mich gefragt, ob ich in einem Produktfilm für Laminat mitmachen möchte. Das habe ich sehr gern übernommen.

Wo würden Sie denn am liebsten mal mitspielen?

Thomas Rudnick: In einem Horst-Krause-Film. Das sind diese typischen Brandenburg-Filme. Mich reizen die unspektakulären und spröden Stoffe, gespickt mit einer gut beobachteten, landschaftstypischen Situationskomik und gut ausgearbeiteten Dialogen.

Welche bekannten Stars haben Sie schon kennengelernt?

Thomas Rudnick: Götz George, Otto Sander, Rolf Hoppe, Peter Sodann, Gottfried John, Harald Juhnke, Hildegard Knef, Andreas Schmidt-Schaller, Renate Blume - viele eben, die man aus dem Fernsehen so kennt. Als ich Sebastian Ströbel am Set der „Bergretter“ traf, sagte er: „Mensch, du kommst aus Wittstock, da wohnt mein Onkel, Dr. Peter Bihl. Er war früher Chefarzt in Wittstock.“ Da hatten wir viel zu erzählen. Sebastian Ströbel kennt Wittstock, die Dosse und das alles. Wir haben darüber gesprochen, dass es hier ein interessantes Kino gibt. Das ist natürlich sehr schön, weil das einen irgendwie verbindet. Nachbarn bitten mich auch manchmal, Autogramme von Schauspielern mitzubringen, was ich natürlich sehr gern tue.

Und wie ist das bei Film-Küssen?

Thomas Rudnick: Das muss man vorher ganz professionell mit seinem Gegenüber absprechen. Da gibt es für jeden einen Pfeffi, und dann heißt es: ’Also, pass auf, steck’ deine Zunge nicht in meinen Mund, ich sage dann, um Gottes Willen, will ich auch nicht haben.’ Solche Momente sind nicht so intim, wie man sie sich vielleicht vorstellt.

Kann man die in einem Film getragene Kleidung behalten?

Thomas Rudnick: Ja, meine Hose hier ist aus „Herzensbrecher – Vater von vier Söhnen“, das Hemd aus einem Werbefilm. Meist sind das sehr sorgfältig ausgewählte und gut passende Sachen, die man dann entweder mitnehmen oder vergünstigt bekommen kann. Meine Frau ist auf meinen Kleiderschrank manchmal schon ein bisschen neidisch. Er sollte also nicht noch voller werden.

Sehen Sie sich Ihre Filme später an, vielleicht auch selbstkritisch?

Thomas Rudnick: Ja, das muss man schon deshalb, um zu sehen, ob man gegenüber Mitbewerbern bestehen kann. Ich will und muss wissen, ob ich auf Augenhöhe mit ihnen bin. Das ist ähnlich wie bei einem Maler. Wenn er ein Bild in eine Galerie hängt, schaut er sich dort auch die Bilder von anderen Malern an und fragt sich: Passt mein Bild in diese Ausstellung hinein? Wenn ich mich selbst in einem Film sehe, ist das so, als ob man sich Fotos von sich selbst anschaut. Manche hält man für sehr gelungen, andere weniger. Mitunter ist es auch so, dass man selbst denkt: „Gut gemacht, in der Figur komme ich wirklich gut rüber“, während Familie und Freunde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, weil sie ein anderes Bild von mir haben.

Stimmen die Klischees, dass Szenen 20-Mal gespielt werden müssen, bis sie im Kasten sind – und besteht Filmarbeit vor allem aus Warten?

Thomas Rudnick: Was die Wiederholungen der einzelnen Klappen angeht: Nein, eine solche Vielzahl an Versuchen ist bei dem heutigen Drehpensum undenkbar. Da ist einfach keine Zeit für lange Diskussionen. Bei den „Bergrettern“ war es zum Beispiel so, dass ein One-Take, also nur eine Aufnahme, unabdingbar war, da es sonst Spuren im Schnee gegeben hätte. Das hätte also gar nicht funktioniert. Das Warten auf den Einsatz ist tatsächlich Filmalltag. Man ist wie in einem Standby-Modus. Dann muss man aber auf den Punkt funktionieren.

Was würden Sie jungen Schauspielern raten?

Thomas Rudnick: Man braucht in dem Job einen langen Atem. Und man darf nicht zu sehr an sich zweifeln. Ich habe das manchmal von Stars gehört, dass sie sich beklagten, weil sie keine Angebote mehr bekommen haben. Aber das ist halt so. Das geht auch Hollywood-Stars nicht anders, wenn sie eine Absage bekommen. Es sind nur andere Dimensionen. Sie müssen ihre Villen finanzieren, und ich bin halt hier auf meinem Bauernhof in Dranse.

Interview: Björn Wagener

Von Björn Wagener

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