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Vorkämpfer fürs Kyritzer Stadtmuseum

Heimatstube als Übergangslösung Vorkämpfer fürs Kyritzer Stadtmuseum

Bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts verfügte die damalige Kreisstadt des Landkreises Ostprignitz Kyritz über ein richtiges Museum. Dann war lange Pause. Seit 2003 versucht die Kyritzer Heimatstube, die Lücke zumindest ein wenig zu füllen.

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Ein Hochzeitskleid aus der Nachkriegszeit.

Quelle: Alexander Beckmann

Kyritz. Die Kyritzer können auf fast 800 Jahre Stadtgeschichte zurückblicken. Und eben für diesen Rückblick haben sie heute ihre Heimatstube.

Bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts verfügte die damalige Kreisstadt des Landkreises Ostprignitz sogar über ein richtiges Museum. Doch dann wurden die Räume für andere Zwecke benötigt. Ein großer Teil der Sammlung landete in Heiligengrabe, wo in den Wirren der Nachkriegszeit Mitte der 40er Jahre vieles verloren ging.

Später wurde in Wusterhausen das Kreisheimatmuseum des Kreises Kyritz gegründet. Die Stadt Kyritz blieb ohne eigenes Museum.

Zumindest einigen Kyritzern war das nicht genug. Sie taten sich im Dezember 2001 zum „Historischen Heimatverein für Kyritz und die Ostprignitz“ zusammen. Das Ziel war klar umrissen: die Dokumentation der Geschichte der Stadt und des alten Kreises Ostprignitz. Sogar der Standort für ein künftiges Museum schien bereits gefunden: das damals seit Jahren leer stehende Schulgebäude in der Schulstraße mitten im Stadtzentrum. Obwohl diese Idee letztlich scheiterte, gaben die Vereinsmitglieder nicht auf. Im Februar 2003 bezogen sie zwei Kellerräume direkt am Marktplatz. Die Heimatstube Kyritz war geboren. „Seither arbeiten wir hier, sammeln und organisieren“, berichtet die Vorsitzende Dorte Schmeissner. „Wir hoffen auf ein vernünftiges Museum und wollen dafür Material vorhalten.“

Vom Ritter Bassewitz bis zum Zweiten Weltkrieg

Über die Jahre sei es gelungen, eine umfassende Bibliothek zur Regionalgeschichte zusammenzutragen. Viele Kyritzer spendeten Exponate und Dokumente wie kürzlich beispielsweise eine Bürgerschaftsurkunde von 1848. Eine Dauerausstellung entstand. Sie widmet sich einem breiten Themenspektrum von den legendären Überfällen des Ritters Bassewitz im 14. und 15. Jahrhundert über die Klostergeschichte und die Entwicklung der Stadtmauer bis hin zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Auch der historischen Wohnkultur in der Stadt wird Raum gegeben.

Lücken gibt es dabei durchaus noch. „Das Dumme ist, dass die interessanten Dokumente zum Beispiel aus der Nazi-Zeit oder aus der DDR weggeschmissen wurden“, bedauert Dorte Schmeissner.

Sowieso ist da unten im Keller längst der Raum knapp. Denn die Aktiven des Heimatvereins erarbeiten regelmäßig auch Sonderausstellungen: zu Friedrich II., zu Stadtansichten des 17. Jahrhunderts, zur Berlin, Hamburger Poststraße von 1765, zum Thema Werbung vor 100 Jahren, zu den Folgen des Ersten Weltkrieges oder über den Landkreis Ostprignitz und seine Landräte. „Wir merken an den Reaktionen, das viele Leute gar nicht mehr wissen, wie die Prignitz und die Ostprignitz mal aussahen“, schätzt Dorte Schmeissner ein.

Eine Ausstellung zur Bodenreform wird vorbereitet

Aktuell arbeiten sie und ihre Mitstreiter an einer Schau zur Verkündung der Bodenreform in Kyritz vor 70 Jahren. Am 2. September, dem Jahrestag, soll sie eröffnet werden. „Das ist natürlich ein schwieriges Thema“, findet die Vereinsvorsitzende. „Das war es immer. Man muss sich die Geschichte ganz genau ansehen. Oft wird sie ja mit der späteren Kollektivierung in einen Topf geworfen.“ Für die Ausstellung hat der Heimatverein sogar Unterstützung vom Kyritzer Gymnasium bekommen. Zwei Schüler befassten sich ebenfalls mit dem Thema. „Wir haben unser Material zusammengestellt und sie ihres. Und dann haben wir drüber gesprochen“, erzählt Dorte Schmeissner. Für zwei der ab September zu sehenden Schautafeln zeichnen die Schüler nun verantwortlich. „Jedenfalls ist das eine hochinteressante Sache. Wir wollen einfach den Hergang zeigen“, kündigt die Vereinsvorsitzende an, die im Potsdamer Landeshauptarchiv selbst intensiv zum Thema recherchiert hat. „Ich hab ungefähr 1500 Akten gelesen.“

Die Heimatstube

Die Kyritzer Heimatstube am Marktplatz direkt neben dem Bassewitzbrunnen wird vom Historischen Heimatverein für Kyritz und die Ostprignitz betrieben.

Geöffnet ist dienstags bis freitags von 9.30 bis 14 Uhr sowie sonntags von 14 bis 16 Uhr. Montags und sonnabends bleibt die Heimatstube geschlossen.

Für Kinder bis zum sechsten Lebensjahr ist der Eintritt frei. Kinder bis 10 zahlen 25 Cent, Jugendliche bis zum 16. Lebensjahr 50 Cent. Der reguläre Eintrittspreis beträgt 1 Euro.

Durch ihre Lage im Kellergeschoss ist die Heimatstube derzeit nicht barrierefrei zu erreichen.

Kontaktieren kann man den Heimatverein zu den Öffnungszeiten unter  033971/60 44 18. Demnächst soll es auch eine eigene Internetseite geben.

Längst bestehen weitere Pläne. „Anfang nächsten Jahres wollen wir uns ein freundlicheres Thema vornehmen, nämlich berühmte Persönlichkeiten mit Kyritzer Wurzeln.“

Darüber hinaus bietet der Verein Besuchern ganz praktische Dienstleistungen an: „Wenn Leute Fragen zu Kyritzer Vorfahren haben, dann helfen wir ihnen und recherchieren. Und umgekehrt freuen wir uns immer, wenn Leute uns ihre Geschichte erzählen und neue Dinge bringen. Das wird alles archiviert und soll später ins Stadtmuseum integriert werden.“ Im Zuge der Klostersanierung plant Kyritz derzeit auch die Einrichtung eines richtigen Museums.

Von Alexander Beckmann

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