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Ostprignitz-Ruppin Vortrag im Museum: Die Seele der Masuren
Lokales Ostprignitz-Ruppin Vortrag im Museum: Die Seele der Masuren
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00:17 09.10.2016
Eine Burg auf einer Insel im Lycker See begründete die wechselvolle Geschichte der Stadt. Quelle: Archiv/MAZ
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Wustrau

Woher er denn seine guten Deutschkenntnisse habe, wollte eine Zuhörerin wissen, nachdem Rafał Zytyniec gerade den Vortrag über seine polnische Heimatstadt Lyck beendet hatte. Das sei wohl in erster Linie der Verdienst seiner Lehrerin, antwortete der Historiker. Mit strengem Regiment und in unzähligen freiwilligen Unterrichtsstunden habe sie den Schülern ein Gespür für die Sprache vermittelt.

Auf Einladung des Brandenburg-Preußen Museums war Zytyniec am Mittwoch zum zweiten Mal in Wustrau zu Gast. Die beiden Städte eint nicht nur die Lage unmittelbar an einem See, sondern seit vergangenem Jahr auch eine Partnerschaft ihrer Museen. Während das Brandenburg-Preußen Museum in der Kulturlandschaft des Ruppiner Landes bereits fest verankert ist, sei man in Lyck im Osten Polens noch dabei, mit dem „Historischen Museum“ einen Anlaufort zu schaffen, erklärte Zytyniec. Zusammengearbeitet haben beide Institutionen bereits intensiv – so ist derzeit eine Ausstellung mit Fotografien aus Lyck im Außenbereich in Wustrau zu sehen – und es gebe „noch viele Ideen“, so Zytyniec.

Polnische Sprache, evangelischer Glaube

Bei seinem Vortrag vermittelte Zytyniec vielschichtige Einblicke in die Geschichte seiner Heimatstadt. Wortgewandt und kompakt führte er aus, wie aus einer Burg, die um 1409 auf einer Insel im Lycker See gebaut wurde, ein kleines Nest wurde, das sich zu einer ostpreußischen Stadt mauserte, bis die beiden Weltkriege schließlich auch hier alles ins Wanken brachten. Zytyniec ging nicht nur den Veränderungen im Stadtbild nach, das er anhand von zahlreichen Illustrationen zeigte („Masuren ist so schön, dass man ohne Bilder nicht auskommt“), ihn trieb vor allem die Frage nach der Identität der Bewohner um.

Der Historiker Rafał Zytyniec und Wustraus Museumschef Stephan Theilig. Quelle: Mischa Karth

Zum Großteil lebten in Lyck ursprünglich Masuren. Sie sprachen Polnisch, bekannten sich aber zum Protestantismus. Durch die Zweisprachigkeit aus Deutsch und Polnisch hatte auch Lyck früh einen zweiten Namen: Ełk. So lautet die offizielle Bezeichnung heute. Gottesdienste und Predigten waren lange Zeit auf Polnisch gehalten worden, erläuterte der Historiker. Ein Gesang- und Gebetbuch zeugt noch heute von der Einzigartigkeit auf ostpreußischem Territorium. Gesetzt ist das Werk in deutscher Fraktalschrift.

Im 19. Jahrhundert ändert sich das Bild

Der berühmteste Sohn der Stadt, Siegfried Lenz, habe einmal gesagt „Meine Heimat lag immer im Rücken der Geschichte“, so Zytyniec. Tatsächlich war der Ort Jahrhunderte lang Teil einer Region, in der sich „Fuchs und Hase gute Nacht sagen“, so Zytyniec. „Über die Strohdächer lachte man im ganzen Reich.“ Die Menschen seien in der Landwirtschaft und im Fischfang beschäftigt gewesen und hätten sich ihr täglich Brot hart erarbeitet.

Ab der zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts änderte sich vieles. Mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz rückten zuvor entfernte Orte plötzlich näher. Elektrizität und Kanalisation zeugten von technischem Fortschritt. Auf der anderen Seite „wurde das masurische Polnisch mehr und mehr aus der Schule verdrängt“, sagte Zytyniec. Das Nationale Denken machte auch vor Lyck nicht Halt, obwohl die Masuren sich mit ihrer „hybriden Identität“ aus polnischer Sprache und evangelischem Glauben nie als Nation verstanden hätten. Doch die Menschen waren „gezwungen mehr und mehr Deutsch zu lernen, um mit der Entwicklung des modernen deutschen Staates mitzuhalten. Die masurische Identität begann zu bröckeln.“

Langer Weg bis zur Versöhnung

Der 1. Weltkrieg zerstörte 165 Häuser, bei der Volksabstimmung am 11. Juli 1920 sprachen sich die Bewohner des Kreises dennoch mit überwältigender Mehrheit für den Verbleib im deutschen Ostpreußen und gegen den Anschluss an Polen aus. Die Unterstützung für die NSDAP war in der Folge hoch, sie errang im April 1932 mehr als 70 Prozent der Stimmen, nachdem die Rechten viel Propaganda betrieben hatten. Diese Phase sei in der Geschichtswissenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend ausgeklammert gewesen, so Zytyniec.

Vom Krieg selbst blieb Lyck verschont, wobei unter sowjetischer Besatzung zahlreiche Gebäude aus ungeklärter Ursache abbrannten. Die meisten Bewohner waren zuvor gen Westen geflohen, die verbliebenen rund 350 deutschen Masuren wurden vom polnischen Geheimdienst genötigt, die polnische Staatsangehörigkeit anzunehmen oder ebenfalls wegzuziehen.

So leben mittlerweile nur noch rund 30 Menschen mit masurischen Wurzeln in der 60 000-Einwohner-Stadt. „Die Bevölkerung ist komplett ausgetauscht worden“, so Zytyniec. „Der Versuch, dass die Masuren eine Brückenfunktion zwischen Polen und Deutschen spielen, ist durch die Nationalisierung und die Kriege gescheitert.“ Gleichwohl sei man mit der Versöhnung der Völker inzwischen weit gekommen. Auch bei den „Zugezogenen“ macht der Historiker ein Interesse für die wechselvolle Geschichte aus, Ziel sei es nun, auch die polnische Geschichte der Stadt einzubinden. Eines gab er den Zuhörern noch mit auf den Weg: „Sie sind in Lyck herzlich willkommen.“

Von Mischa Karth

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