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Ostprignitz-Ruppin Waffe oder Spielzeug? Polizei sucht 17-Jährigen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Waffe oder Spielzeug? Polizei sucht 17-Jährigen
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18:00 25.07.2016
Ausschnitt aus dem Video. Quelle: Facebook/Screenshot
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Kyritz

Eine Wohnungsdurchsuchung in der Kyritzer Straße der Jugend sorgt seit dem frühen Montag für Aufregung in Teilen der Bevölkerung. Mehrere Streifenwagen hatten die Aufmerksamkeit von Passanten auf sich gezogen. Via Internet machten schnell die ersten Gerüchte die Runde, darunter hanebüchene.

Demnach wurde bei Facebook unter anderem spekuliert, dass ein dort wohnender Asylbewerber seine Frau erschossen habe und sich anschließend mit den Kindern verschanzte. Ähnliches schreibt ein anderer, ergänzt jedoch: „Aber auch nur von Dritten gehört.“ Sämtliche Kommentare berufen sich auf Hörensagen oder eigene Interpretationen.

Spekulationen in sozialen Netzwerken

Der Sarkasmus ließ nicht lange auf sich warten: „Achtung, Achtung, die Bundeskanzlerin wird gleich zu den Vorkommnissen in Kyritz auf allen Sendern Stellung nehmen. Die Lage droht zu eskalieren. In Kyritz wird mit brutaler Dummheit geschossen“, schrieb einer.

Mehrere Streifenwagen an der Straße der Jugend erregten die Aufmerksamkeit von Passanten Quelle: Matthias Anke

Dabei war der Durchsuchungsanlass laut Polizei durchaus „ein ernster“, wie Dörte Röhrs, Sprecherin der Polizeidirektion Nord in Neuruppin, der MAZ auf Nachfrage bestätigte. „Durchsuchungen gehören zum polizeilichen Alltag und dienen der Beweissicherung. Dabei gab es jetzt in Kyritz allerdings weder eine Schießerei, noch andere Gewalt. Es ist damit also auch niemand getötet worden.“ Entsprechende Internet-Einträge seien Unsinn.

Video im Internet: Echte Waffen oder Spielzeug?

Nach MAZ-Informationen gab das Internet auch den Ausschlag für die Durchsuchung, was die Polizei wenig später bestätigte. Demnach soll dort ein „beunruhigendes Video“ aufgetaucht sein, auf dem ein 17-jähriger Asylbewerber aus Tschetschenien, der mit seinen Eltern in der Straße der Jugend lebt, mit Waffen hantiert. Fraglich ist für die Polizei noch, ob es sich um Spielzeug handelt.

Der junge Mann drückt ab in Richtung Kamera. Quelle: Facebook/Screenshot

Den entsprechenden Tipp hat ein besorgter Kyritzer der Polizei am Sonntagabend gegeben. Bei der Durchsuchung, der die Familie freiwillig zustimmte, konnten laut Polizei keine Waffen oder waffenähnlichen Gegenstände gefunden werden.

Doch es galt eben, den jungen Mann aufzusuchen, um ihn zu dem Video zu befragen. „Das ist im Moment jedenfalls keine Strafverfolgung. Dem Jungen wird nichts vorgeworfen“, sagte Dörte Röhrs am Montagnachmittag. Und am Nachmittag teilte die Polizei mit, es gebe nach derzeitigen Erkenntnissen keinen Anfangsverdacht einer Straftat.

In dem Video hantiert der junge Mann mit einer zweiten Waffe – ein Spielzeug? Quelle: Facebook/Screenshot

Der junge Mann konnte jedoch nicht befragt werden, da er sich laut Polizei in einer anderen Stadt aufhalten soll.

Angst, dass der Junge sich etwas antut

Pikant ist, dass sich der 17-Jährige einst bereits in psychiatrischer Behandlung befunden haben soll wegen „traumatischer Erlebnisse“. Auch dies bestätigte die Polizei der MAZ. Demnach könne das vom ihm im Internet aufgetauchte Video auch auf eine Suizidabsicht hindeuten. „Das ist nicht auszuschließen“, sagte die Polizeisprecherin. Dass er gesucht wird, diene dazu ihm zu helfen.

Und auch für die Spekulation, eine Frau könne in der Wohnung verletzt worden sein, gibt es eine Erklärung: „Die Mutter des Jungen erlitt wegen der Durchsuchung einen Schwächeanfall und wurde mit dem Rettungswagen vorsorglich ins Krankenhaus gebracht.“

Vorsorglich die Stadtverwaltung informiert

Vorsorglich war dennoch auch das Rathaus über den morgendlichen Polizeieinsatz informiert worden. Vize-Bürgermeisterin Katharina Iredi hielt daraufhin Kontakt zur DRK-Kindertagesstätte, die sich unmittelbar gegenüber dem betroffenen Hauseingang befindet. Der MAZ gegenüber sprach sie von einem „unguten Gefühl“ angesichts der heftigen Medienpräsenz von Amok und Terror in den vergangenen Tagen. Nach dem „Axt-Vorfall“ in Würzburg und dem Amokläufer in München hatte es erst am Vorabend einen Sprengstoffanschlag im bayrischen Ansbach gegeben.

In allen Fällen wirkt nicht allein die mediale Präsenz erschlagend auf die Bevölkerung. Fatal stellen sich gerade die Spekulationen in den soziale Netzwerken des Internets dar. Über den Kyritzer „Vorfall“ gibt es zwar Äußerungen wie „Vielleicht sollte man auch erstmal die Bestätigung abwarten“ oder „Bitte keine weiteren Gerüchte und Unwahrheiten verbreiten! Ich kann ich hier nur dieser Pressemeldung anschließen: Innenminister Thomas de Maizière hat nach dem Münchner Amoklauf davor gewarnt, Fehlinformationen über soziale Netzwerke zu verbreiten“. Dennoch bleibt bei vielen die Sorge.

Besorgte Eltern riefen in Kita an

„Viele Eltern riefen schon an und erkundigten sich, was denn los ist“, berichtete Conny Siebert, die am Montag Kitaleiterin Iris Leest vertrat. Laut Siebert aber habe „zu keiner Zeit Gefahr für die Kinder“ bestanden. Die Polizei habe die Einrichtung frühzeitig über den bevorstehenden Einsatz informiert und angeraten, dass Kinder dann vorsorglich nicht ins Freie gelassen werden sollten. Einige Zeit darauf jedoch habe es Entwarnung gegeben. „Die Polizei hat sich gut um uns gekümmert“, sagte Conny Siebert.

Von Matthias Anke

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