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Wald: Einfahrverbote werden oft missachtet

Tramnitz Wald: Einfahrverbote werden oft missachtet

Weil Einfahrverbote zunehmend missachtet werden, rüstet die Forstbehörde mit Schildern in der Region auf – und wird auch dort durchgreifen, wo kein Hinweis steht. Denn Unwissenheit schützt auch hier vor Strafe nicht. Gehofft wird nun auf eine einsichtige Bevölkerung.

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Revierförsterin Doris Reumuth mit einem der neueren Schilder, die auf das ohnehin geltende Verbot aufmerksam machen.

Quelle: Matthias Anke

Tramnitz. Der märkische Sand ist zerfurcht. Wie eine Naht fraß sich der Reifen durch den Boden. Für Jäger Jürgen Rinno, mit Spurenlesen vertraut, ist der Fall klar: „Das war mal wieder ein Motocrosser. Dort hinten ist er abgebogen und dann quer durch die Bäume durch.“ Dabei geht es ihn an diesem Tag um noch ganz andere, die Waldwege befahren, obwohl sie es nicht dürfen. Denn grundsätzlich darf das laut Waldgesetz bis auf die Forst, Jäger oder diverse behördliche Vertreter und einige weitere Ausnahmen niemand. „Trotzdem ist hier von Mitte Juni bis Ende Oktober richtig was los“, sagt Rinno. Und obwohl derweil tief inmitten des riesigen Waldgebiets im Norden der Gemeinde Wusterhausen angekommen, stehen da plötzlich etliche Autos. Es sind Pilzsammler.

In der Gegend zwischen den Dörfern Tramnitz und Blankenberg müssen sie besonders prächtig sprießen. Laut den Kennzeichen kommen die Leute selbst aus Neuruppin, darunter ein jüngerer und ein älterer Herr. Beide tragen Gummistiefel. Ihre Körbe quellen über. Revierförsterin Doris Reumuth belässt es bei einer mündlichen Verwarnung. „Wir wussten ja nicht, dass dort hinten der offizielle Weg zu Ende war“, hat der Jüngere als Erklärung parat: „Da könnte ruhig auch ein Schild hin.“

Tief im Wald zwischen Tramnitz und Blankenberg parken etliche Pilzsammler

Tief im Wald zwischen Tramnitz und Blankenberg parken etliche Pilzsammler.

Quelle: Matthias Anke

Jürgen Rinno muss schmunzeln, und auch Försterin Reumuth kennt diese Ausflüchte. „Da gibt es ganz abenteuerliche Varianten“, sagt Rinno. So habe er schon Autos mit exotischen Kfz-Kennzeichen im Wald gesehen, deren Fahrer sich auf ihre Navigationsgeräte verlassen haben wollen. Zumeist bei Unfällen und Sperrungen der nahen Autobahn stranden sie im Wald. Das Problem: „Die eine Verbindung zwischen Bankenberg und Tramnitz war früher mal ein gewidmeter und damit öffentlich befahrbarer Weg, irgendwie muss das in manchen Karten noch so verzeichnet sein“, erklärt Martina Vogel. Jäger Rinno und Försterin Reumuth werden von der Frau vom Ordnungsamt der Gemeinde Wusterhausen an diesem Tag begleitet.

Das Wild wird gestört

Ein großes Problem ist, dass Müll anfällt, wo Menschen sind. Für Jäger Rinno, der lieber nicht detailliert ausführen möchte, was er schon so alles entdecken musste, geht es aber auch um die Tiere: Wo permanent Menschen durch die Wälder ziehen und mit ihren Autos bis in den letzten Winkel vordringen, sei immer von einer Störung auszugehen. Die Rückzugsgebiete werden kleiner. „Und wenn es hier mal brennt, sind alle Blankenberger in Gefahr“, gibt Doris Reumuth zu Bedenken. Denn es handelt sich um dichten, weitläufigen Kiefernwald. Stellenweise wächst er dort erst seit gut zwei Jahrzehnten, wo sich zuvor ein großer Übungsplatz für militärische Zwecke erstreckte. Wie gut heute Pilze auf diesem Areal gedeihen, müsse sich herumgesprochen haben.

An etlichen Stellen weisen nun zwar Schilder schon auf die Waldwege hin. Auch Holzschranken gibt es. Doch in beiden Fällen hält das viele eben doch nicht auf, sagt Doris Reumuth. Sie hält einen Stapel weiterer, etwas neuerer Tafeln in Händen. Die will sie jetzt an weiteren Wegen anbringen, die offenbar besonders verlockend wirken, in den Wald hineinzufahren. „Wir wollen damit ja niemanden gängeln. Es geht allein darum, das Waldgesetz einzuhalten, und da bitten wir um Rücksichtnahme“, sagt sie. Die Öffentlichkeit dürfte nun lange genug darüber informiert sein, dass Waldwege grundsätzlich nicht von jedermann befahren werden dürfen.

Bisher gab es nur mündliche Verwarnungen

Bislang sei es häufig aber nur zu mündlichen Verwarnungen gekommen. Demnächst soll sich das ändern. Geldstrafen drohen. Und wer bei Waldbrandwarnstufen einen Waldweg befährt, begeht sogar eine Straftat. Jürgen Rinno, Doris Reumuth und Martina Vogel klären darüber stellvertretend für alle anderen Regionen auf: „Das gilt eben überall“, sagt Martina Vogel.

Es gebe aber Brennpunkte, für die nicht immer nur Pilzsammler sorgen, sondern vornehmlich rund um Gewässer die Angler. In Marina Vogels Wusterhausener Bereich seien davon besonders die an den Klempowsee und den Untersee grenzenden Gebiete betroffen.

Unbekannte sägten am Obersee Metallschranken weg

Weiter nördlich, am Kyritzer Obersee, ist entlang der L 14 mittlerweile zwar fast jeder Pfad Richtung Wasser mit einem Schild markiert oder einem Schlagbaum versehen. Doch dass das trotzdem nicht alle aufhält, wird immer wieder besonders an der Ostseite dieses Gewässers deutlich: Schon mehrfach sägten Unbekannte selbst Metallschranken weg, um den asphaltierten Radweg befahren zu können.

Wenngleich die Behördenvertreter verstehen würden, dass Angler ihre Ausrüstung nicht Hunderte Meter weit schleppen oder ihr Fahrzeug unbeaufsichtigt zurücklassen wollen, sei trotzdem das Landeswaldgesetz einzuhalten: „Es geht um die Sicherheit aller, und das ist nun mal kein Spaß“, sagt Doris Reumuth. Schon entdeckt Jürgen Rinno eine weitere Motorradspur. „Der hat sich sogar den Holzbalken dort hinten so hoch gelegt, dass er darunter durchrasen kann.“ Am Boden ist das deutlich zu erkennen. Der märkische Sand ist zerfurcht.

Wichtiges aus dem Waldgesetz

Laut Paragraf 15 („Allgemeines Betretungs- und Aneignungsrecht) ist „zum Zwecke der Erholung das Betreten des Waldes jedermann gestattet, soweit dem nicht Interessen der Allgemeinheit entgegenstehen“. Radfahren, Reiten, oder Gespannfahren sind erlaubt, allerdings ausdrücklich nur auf Waldwegen oder Waldbrandschutzstreifen: „Waldwege sind Wirtschaftswege, die von zwei- oder mehrspurigen Fahrzeugen befahren werden können.“

„Jedermann darf einen Handstrauß, Waldfrüchte, Pilze und wild wachsende Pflanzen in geringer Menge für den eigenen Gebrauch entnehmen, sofern die betreffenden Pflanzen nicht zu den besonders geschützten Arten gehören. Die Entnahme hat pfleglich zu erfolgen.“ Trieb oder junge Pflanzen sollen unbeschädigt bleiben.


Für Hundehalter gilt: „Hunde dürfen nur angeleint mitgeführt werden.“

Im Paragraf 16 („Befahren des Waldes mit Kraftfahrzeugen“) heißt es: „Das Fahren mit sowie das Abstellen von Kraftfahrzeugen im Wald ist nur in dem für die Bewirtschaftung des Waldes und die Ausübung der Jagd erforderlichen Umfang sowie im Rahmen hoheitlicher Tätigkeiten erlaubt.“

Von Matthias Anke

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