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Präzision am Kiefernstamm

Berlin-Brandenburgische Waldarbeitsmeisterschaft in Frankendorf Präzision am Kiefernstamm

55 Teilnehmer gehen bei der Berlin-Brandenburgischen Waldarbeitsmeisterschaft in Frankendorf und Paaren im Glien an den Start. Zum ersten Mal richten die Landesforstbetriebe der beiden Länder den Wettkampf gemeinsam aus. Waldarbeiter aus ganz Deutschland nehmen an der Meisterschaft teil.

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Beim Sägen kommt es auf jeden Millimeter an.

Quelle: Peter Geisler

Frankendorf. Marvin Pietrzoks Blick ist hoch konzentriert. Noch einmal misst er nach: Wie hoch ist der Baum? Wie krümmt sich der Stamm? Wie stark ist der Wind und wohin drückt er die Krone der hundert Jahre alten Kiefer? Jede Kleinigkeit ist entscheidend für den junge Forstwirt. Wenn er etwas übersieht, kann ihn das wichtige Punkte kosten. Marvin Pietrzoks guckt noch einmal genau hin, dann schickt er Waldemar Michel los. Der Schiedsrichter muss exakt 15 Meter vom Stamm der Kiefer einen hölzernen Pflock in den Waldboden schlagen - ganz genau in der Position, die Marvin Pietrzoks im zeigt. Pietrzoks Aufgabe ist es, die Kiefer mit der Kettensäge so zu fällen, dass der Stamm möglichst genau dort auf den Boden schlägt, wo der Markierungspfahl steht. Waldarbeit ist Präzisionsarbeit.

Marvin Pietrzoks ist einer der 55 Teilnehmer bei der Berlin-Brandenburgischen Waldarbeitsmeisterschaft. Zum ersten Mal richten die Landesforstbetriebe der beiden Länder den Wettkampf gemeinsam aus. Waldarbeiter aus ganz Deutschland gehen an den Start: aus Brandenburg, Berlin, Thüringen, Sachsen, Hessen, Bayern, Hamburg... Am Freitag mussten sie im Wald bei Frankendorf ihr Können beim Zielfällen beweisen. Am Sonnabend geht es auf der Brandenburgischen Landwirtschaftsausstellung in Paaren im Glien weiter; auch dort steht die Feinmechanik mit der Kettensäge auf dem Programm.

Leon Sandberg wird dabei sein. Der 13-Jährige lässt sich das nicht entgehen. Am Freitag war er extra zum Zuschauen mit seinen Eltern nach Frankendorf gekommen. Fasziniert beobachtet er jeden Handschlag der Wettkämpfer: "Das ist cool." Leon kann sich sehr gut vorstellen, dass er später auch Waldarbeiter wird.

Marvin Pietrzoks stellt sich in Position, die Kettensäge griffbereit. Sobald die Schiedsrichter das Zeichen geben, legt er los: Links und rechts am Stamm ein schräger Schnitt, dann sägt er einen Keil heraus. Noch ein, zwei abschätzende Blicke, schon bohrt sich das Schwert der Kettensäge waagerecht durch das Holz. Er muss an die Zeit denken. Wenn er zu lange braucht, kostet das Punkte. Wenn er die Säge falsch ansetzt, kostet das Punkte. Auf keinen Fall darf er den Stamm einfach durchsägen, das wäre eine Katastrophe. In der Mitte muss immer ein mehrere Zentimeter breites Band aus Holz bleiben. Ohne das Band könnte der Stamm unkontrollierbar in jede beliebige Richtung kippen. Das wäre im Alltag lebensgefährlich für den Mann an der Säge und für alle, die in der Nähe stehen. "Das funktioniert fast wie ein Scharnier", erklärt Sven Radke. Der 38-jährige Neuruppiner beobachtet jeden seiner Kollegen ganz genau. Radke lässt sich gerade an der Waldarbeitsschule in Kunsterspring zum Forstwirt ausbilden. Mit seinen 38 Jahren ist er der älteste Lehrling dort, mit deutlichem Abstand. Was seine Kollegen im Wettkampf leisten, ist auch für ihn ziemlich beeindruckend: "Das ist eine Wissenschaft für sich."

Mit ohrenbetäubendem Lärm arbeitet sich die Kettensäge durch das Holz. Schließlich setzt Marvin Pietrzoks das Gerät ab, greift seine Axt und treibt einen Keil in die Lücke, die die Säge ins Holz gerissen hat. Jetzt hilft nichts mehr. Wie in Zeitlupe fällt die Kiefer, streift ein paar Äste von benachbarten Bäumen und schlägt mit dumpfem Krachen auf den Waldboden. Den Zielpflock hat sie nur ganz knapp verfehlt.

Marvin Pietrzoks muss sich erst einmal erholen, Schweiß steht ihm im Gesicht. Unterdessen schwärmen die Schiedsrichter aus. Zwei messen, wie viele Zentimeter der Stamm neben dem Zielpunkt liegt. Zwei weitere vermessen exakt den Stock. Das ist der Stubben, der übrig bleibt, wenn der Stamm gefallen ist. Die sogenannte Bruchleiste muss gleichmäßig sein, nicht zu breit und nicht zu schmal. Der herausgesägte Keil soll möglichst einen Winkel von 45 Grad haben. Alles wird protokolliert.

Am Ende ist Pietrzoks zufrieden. Es war erst sein zweiter Wettbewerb, dafür lief es sehr gut. "Beim ersten Mal hab ich über fünf Minuten gebraucht", erinnert er sich. Wo er am Ende im Feld der Starter landet, wird sich erst am Sonnabend zeigen. Ab 9.30 Uhr geht der Wettkampf in Paaren im Glien weiter. Anders als in Frankendorf allerdings ohne echte Bäume.

Von Reyk Grunow

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