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Ostprignitz-Ruppin Als Flugzeuge auch Feuerwehr waren
Lokales Ostprignitz-Ruppin Als Flugzeuge auch Feuerwehr waren
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16:31 08.08.2018
Agrarflugzeuge PZL M18 „Dromedar“ im Löscheinsatz. Quelle: Archiv Agrarflugmuseum Heinrichsfelde
Heinrichsfelde

Der Einsatz von Löschflugzeugen ist auf einmal wieder bundesweit im Gespräch. Die letzten Maschinen, die deutschlandweit Wasser über Bränden abwerfen konnten, flogen bis vor vier Jahren für das auf dem Verkehrslandeplatz Heinrichsfelde bei Kyritz ansässige Unternehmen FSB Air Service. Heute erinnert nur noch das Heinrichsfelder Agrarflugmuseum an die einst weit verbreiteten fliegenden Landmaschinen.

Lothar Riedel (79) aus Kyritz hatte sein ganzes Arbeitsleben lang mit der Agrarfliegerei zu tun. Quelle: Alexander Beckmann

Selbst Lothar Riedel ist wohl eher skeptisch, was eine Wiederbelebung des Heinrichsfelder Agrarflugs und der einst damit verbundenen Waldbrandstaffel angeht. Der 79-jährige Kyritzer hat faktisch sein gesamtes Arbeitsleben mit der Fliegerei in Heinrichsfelde verbracht.

1963 trat der Thüringer seine Stelle auf dem Flugfeld an. „Da stand ’ne Baracke“, erinnert er sich. Das sei es dann aber auch schon gewesen. Erst nach und nach gewann der Agrarflug an Bedeutung. Die Infrastruktur wurde ausgebaut, bis dann ab den 70er Jahren allein in Heinrichsfelde über 100 Mitarbeiter tätig waren. Zwischen Ostsee und Thüringer Wald gab es zu der Zeit eine ganze Reihe solcher Standorte, um die großflächige Ausbringung von Dünger und Pflanzenschutzmitteln auf den Äckern zu unterstützen.

Dass mit dem Ende der DDR Anfang der 90er Jahre nahezu schlagartig Schluss damit war, hält Riedel im Rückblick für unvermeidlich. „Das sind strukturbedingte Veränderungen“, sagt er. Das bisherige Landwirtschaftssystem sei mit der politischen und wirtschaftlichen Wende zusammengebrochen. Zentrale Organisation und Finanzierung gab es nicht mehr. Und: „Der Agrarflug war auch zu DDR-Zeiten immer ein Subventionsgeschäft.“ Zusammen mit ihm verschwand eine der Grundlagen für den Einsatz von Löschflugzeugen. „Die Brandbekämpfung ergab sich ja eher in der Folge“, erklärt Riedel.

Vor allem Kontrollflüge

Erst ab Anfang der 70er Jahre sei die Flugtechnik überhaupt für Löscheinsätze aus der Luft bereit gewesen. Die Leistungsfähigkeit der Flugzeuge spielte dabei ebenso eine Rolle wie geeignete Vorrichtungen für den gezielten Abwurf von Wasser. „Das Wesentliche war aber gar nicht die Waldbrandbekämpfung, sondern die Waldbrandüberwachung.“

Agrarflugmuseum Kyritz

Das Agrarflugmuseum auf dem Verkehrslandeplatz Heinrichsfelde erinnert an die gut 50-jährige Geschichte von Flugzeugen in der Land- und Forstwirtschaft. Ausgangspunkt war 2011 eine Ausstellung zu Thema „100 Jahre Agrarflug in Deutschland”.

Die Themenspanne reicht von den Anfängen der Fliegerei mit Otto Lilienthal über die Erfindung des Agrarflugs durch Oberförster Alfred Zimmermann bis hin zum aktuellen Betrieb auf dem Verkehrslandeplatz.

Betreiber ist der 2010 gegründete Förderverein Agrarflug Kyritz unter der Leitung von Reinhard Krüger.

Besucher sind in der Sommersaison dienstags bis donnerstags von 10 bis 15 Uhr, freitags von 10 bis 14 Uhr sowie an Feiertagen und Wochenenden von 13 bis 17 Uhr willkommen. Außerhalb der Öffnungszeiten können Termine unter 033971/51 42 71 oder im Kyritzer Tourismusbüro, 033971/5 23 31, vereinbart werden.

Der Eintritt kostet 3 Euro für Erwachsene und 2 Euro für Kinder.

Zentral koordiniert flogen auch Agrarpiloten aus Heinrichsfelde bei Brandgefahr sozusagen Patrouille. Zum Einsatz kam dabei beispielsweise die kleine Cessna 172 amerikanischer Bauart. „Die Maschinen waren mit speziellen Funkgeräten für den Brand- und Katastrophenschutz ausgestattet“, erinnert sich Lothar Riedel. In der Beobachtung aus der Luft sieht er noch immer manchen Vorteil gegenüber Überwachungstürmen und -kameras. „So ein Flugzeug konnte direkt über den Brandort und die Feuerwehrleute gezielt einweisen.“ Für die sei es in der Praxis schließlich gar nicht immer einfach, auf Anhieb den günstigsten Weg zu finden.

Landepisten „wie Sand am Meer“

Mit den sowieso zahlreich vorhandenen schwereren Agrarmaschinen dann auch Löscheinsätze zu fliegen, sei nur folgerichtig gewesen. „Grund- und Arbeitsflugplätze hatten wir ja wie Sand am Meer.“ Dort habe man die Maschinen mit Löschwasser und Treibstoff versorgt. Bis zu 2000 Liter Wasser konnte beispielsweise die verbreitete M18A „Dromedar“ aufnehmen. „In maximal zehn Minuten war sie wieder in der Luft“, berichtet Riedel.

Agrarflugzeug Z-37 "Cmelak" bei einer Löschübung. Quelle: Archiv Agrarflugmuseum Heinrichsfelde

Die Logistik rund um das eigentliche Fliegen sei dabei aber von entscheidender Bedeutung gewesen. Kraftstoff und Bodenpersonal mussten in der Nähe des Einsatzortes bereitgestellt werden. „Es war auf jeden Fall immer der Mechaniker mit dabei.“ Werkzeuge und Ersatzteile wurden ebenso benötigt. „Es kam auch drauf an, wie viel Technik für so einen Einsatz abgefordert wurde“, betont der Kyritzer. „Ein Flugzeug allein bringt nichts.“ Bei größeren Ereignissen seien schon mal bis zu zehn Maschinen in der Luft gewesen. „Und wir haben Übungen gemacht, da waren alle Flugzeugtypen mit dabei bis hin zum Hubschrauber. Im Beisein des Innenministers wurde da richtig einer von der Tube gelassen.“

Weniger Brände, weniger Nachfrage

Der Aufwand war auf jeden Fall nicht zu unterschätzen. Und nach der politischen Wende war er immer seltener gefragt. Die Zahl der Waldbrände nahm ab – nicht zuletzt mit dem Abzug der russischen Streitkräfte. Es fanden weniger Militärübungen statt. Die Brandgefahr sank. „Das war richtig ein Abbruch“, sagt Lothar Riedel. „Brandenburg war bis dahin ein Extrembereich – vor allem auf den Truppenübungsplätzen.“

„Je weniger es gebrannt hat, desto mehr wurde gekürzt.“ Für den inzwischen privaten Betreiber der letzten Agrarflugzeuge von Heinrichsfelde wurde das Geld knapp. „Bis die Verträge mit dem Land gar nicht mehr geschlossen wurden“, berichtet Riedel. Land- oder forstwirtschaftliche Einsätze spielten ebenfalls kaum noch eine Rolle. Zeitweilige Aufträge zum Kalken von Waldgebieten, um dem Baumsterben Einhalt zu gebieten, konnten die Branche auf Dauer nicht retten.

Nur noch ein Museumsstück

Eine Maschine nach der anderen wurde verkauft – vor allem ins Ausland. „Manche der Flugzeuge von damals stehen in den USA und warten das auf den Sankt-Nimmerleinstag.“ Dass sie je wieder abheben, glaubt Lothar Riedel nicht. Vor vier Jahren gab FSB Air Service schließlich auf. Riedel ging nach einem Leben für die Fliegerei in den Ruhestand.

Die letzte in Heinrichsfelde verbliebene Z-37A ist heute ein Museumsstück Quelle: Alexander Beckmann

Nur eine der fliegenden Landmaschinen, eine Z-37A „Cmelak“ (zu deutsch: Hummel) tschechischer Bauart, blieb dem Heinrichsfelder Verkehrslandeplatz komplett erhalten. Sie ist Ausstellungsstück des Agrarflugmuseums. Dem Förderverein Agrarflug Kyritz, der die Ausstellung betreibt, gehören bis heute ehemalige Agrarflieger an.

Von Alexander Beckmann

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