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Waldpädagogik für Kinder wird immer beliebter

Oberförsterei Neuruppin Waldpädagogik für Kinder wird immer beliebter

Vor 20 Jahren machte Brandenburg die Waldpädagogik als erstes Bundesland zur Dienstaufgabe. Auch in der Oberförsterei Neuruppin haben sich die waldpädagogischen Angebote fest etabliert: Etwa 1500 Kinder nehmen in diesem Jahr daran teil – und die Nachfrage steigt.

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Die Natur mit allen Sinnen erleben: Wer mit einem Waldpädagogen in den Wald geht, darf toben und sich auch mal richtig dreckig machen.

Quelle: Peter Geisler

Walsleben. Die Eiche schafft es nicht, das Wasser hochzuziehen. Und auch die Kastanie muss durstig bleiben. „Da kommt ja gar nichts durch“, sagt die achtjährige Melissa enttäuscht. In einem kleinen Experiment hat die Grundschülerin versucht, Wasser aus einem etwa ein Meter langen Gartenschlauch anzusaugen – eine Demonstration, die zeigen soll, welch lange Wege sich das Wasser durch die Baumwurzeln bahnen muss. Erst Yanick, der in dem Experiment eine Birke spielen darf, schafft es. Er grinst.

Gemeinsam mit Revierförster Peter Linke gehen die Wildberger Drittklässler durch den Wald bei Walsleben. Ganz in der Nähe verläuft die Autobahn 24. Zwei Stunden lang wollen sie das grüne Ökosystem erforschen, Tierspuren lesen oder einem Wildwechsel folgen. Für einige Kinder eine Premiere. „Manche Kinder waren noch nie richtig im Wald“, sagt die Horterzieherin Babett Blumreder. In einem Projekt möchte sie den Drittklässlern deshalb den Wald näherbringen. Ein Spaziergang mit Peter Linke, dem Revierförster und Waldpädagogen, gehört dazu.

Pro Jahr gibt es 170 Veranstaltungen im Wald

Seit 20 Jahren macht die brandenburgische Forstverwaltung solche waldpädagogischen Angebote. Als erstes Bundesland hatte Brandenburg 1995 die Waldpädagogik ganz offiziell zur Dienstaufgabe erklärt. Das Angebot ist nach Einschätzung von Annett Engelmann, Leiterin der Oberförsterei Neuruppin, inzwischen fest etabliert. Etwa 170 Veranstaltungen bietet die Oberförsterei in diesem Jahr an. Annett Engelmann rechnet mit etwa 1500 Teilnehmern, vor allem Grundschülern. „Die Nachfrage steigt.“ Schulklassen können um eine Audienz bei der Ameisenkönigin bitten, den Wald von Müll befreien oder an Themenwanderungen teilnehmen. Mit einigen Schulen gibt es seit Jahren feste Kooperationen – an der Walslebener Grundschule etwa erforscht die AG „Natur entdecken“ die umliegenden Wälder, an der Wustrauer Grundschule haben sich die „Waldforscher“ etabliert und an der Neuruppiner Montessorischule die „Wald-AG“. Auch die Rheinsberger Grundschule hat Interesse an einer Zusammenarbeit mit der Revierförsterin Annette Meckel angemeldet.

Auch einst ein Ausnahmetalent, heute eine gefragte Konzertmeisterin

Auch einst ein Ausnahmetalent, heute eine gefragte Konzertmeisterin: Elisabeth Glass an der Violine.

Quelle: Peter Geisler

Noch haben die beiden Waldpädagogen und ihre Kollegen in der Oberförsterei Neuruppin keine Anfrage absagen müssen. Doch um noch mehr Kindern den Wald nahezubringen, bräuchte Annett Engelmann mehr Personal. „Kinder müssen Wald erleben“, sagt die Leiterin der Oberförsterei. Nur wer um die Zusammenhänge eines Ökosystems weiß, kann es auch schützen. „Wir versuchen den Abstand zur Natur zu verringern“, sagt sie. Dazu gehört auch, dass die Kinder den Wald mit allen Sinnen erleben können – indem sie etwa mit verbundenen Augen den Geräuschen des Waldes lauschen und sich vermeintlich blind durch den Wald führen lassen. „So etwas schafft Vertrauen“, sagt Annett Engelmann. „Es geht auch um die Entwicklung von sozialen Fähigkeiten.“

Soll gegen Warzen helfen

Soll gegen Warzen helfen: das Schöllkraut.

Quelle: Peter Geisler

In Walsleben bringt Revierförster Linke den Wildberger Grundschülern den Wald vor allem spielerisch näher. Mit Stöcken, Gräsern, Kräutern und Holz dürfen die Kinder ein Bild legen, das den Aufbau des Waldes verdeutlicht – ganz unten die Moose, darüber die Kräuter und ganz oben die Baumkronen. Begeistert stürzen die Drittklässler in den Wald, um die Materialien dafür zusammenzusuchen. Als sich zwischen die Kräuter auch eine junge Esche mischt, erklärt Peter Linke ganz nebenbei, wie sich Bäume und Kräuter auseinanderhalten lassen: „Kräuter haben kein Holz – das ist der Unterschied.“ Wenig später entdecken die Kinder ein ausgestopftes Eichhörnchen, das Linke in einen Baum gehängt hat. „Wie findet ein Eichhörnchen bloß all die versteckten Eicheln wieder?“ will Linke wissen. Manchmal gar nicht, erklärt er den verdutzten Kindern. „Seht euch mal um – das waren alles mal versteckte Eicheln.“

Großes Interesse an den Angeboten im Wald

Die Oberförsterei Neuruppin bietet in diesem Jahr etwa 170 waldpädagogische Veranstaltungen an. 2014 wies die Statistik nur 100 Termine aus. Die Teilnehmerzahl ist sehr unterschiedlich. An der Waldjugendspielen nahmen 335 Kinder teil, andere Angebote sind nur für kleine Gruppen konzipiert.

Jährlich kommen etwa 1500 Teilnehmern zu waldpädagogischen Angeboten. Zudem besuchen etwa 1000 Gäste das Waldmuseum Stendenitz.

Die einzelnen Angebote der Oberförstereien im Land finden sich unter www.forst.brandenburg.de.

Von Frauke Herweg

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