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Walter Tolsdorf vor dem Ruhestand

Chef der Neuruppiner NWG: Abschied nach 25 Jahren Walter Tolsdorf vor dem Ruhestand

Seit 25 Jahren leitet Walter Tolsdorf die Neuruppiner Wohnungsbaugesellschaft NWG. Diese ist mit mehr als 3600 Wohnungen der größte Vermieter in der Region. Nun muss sich gelernter Betonbauer Tolsdorf, der gerade 65 wurde, auf seinen Abschied vorbereiten. Weitermachen will er als CDU-Kreistagsabgeordneter und als ehrenamtlicher Handelsrichter.

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Walter Tolsdorf ist zufrieden.

Quelle: Peter Geisler,

Neuruppin. Als auf seinem Abiturzeugnis „Baufacharbeiter“ stand, war Walter Tolsdorf traurig. „Ich wollte Betonbauer sein, und das bin ich auch.“ Es klingt etwas trotzig. Dabei ist Tolsdorf gerade 65 Jahre alt geworden – und muss sich auf seinen Abschied als Chef der Neuruppiner Wohnungsbaugesellschaft (NWG) vorbereiten. Seit 25 Jahren leitet Tolsdorf das größte Wohnungsunternehmen im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Derzeit arbeitet er seinen Nachfolger Robert Liefke ein, der ab Januar die Geschicke der NWG leiten und dem er bis Ende März als Berater zur Seite stehen wird.

Tolsdorf erinnert sich gern zurück. E ist ein Sonntagskind. „Ich wurde am 19. November 1950 um 6 Uhr in der Karl-Marx-Straße 42 gegenüber dem ehemaligen Trend-Kaufhaus geboren.“ Es war eine Dienstbotenwohnung, in der seine Mutter, eine Näherin und Hausfrau, seine Oma, die Großtante und zwei Schwestern nach der Flucht aus der Nähe von Tilsit in Ostpreußen Unterschlupf gefunden hatten. Sein Vater, ein Maurer, war noch in Gefangenschaft, erst in amerikanischer, dann in russischer. „Er hatte Glück und musste nicht in ein Lager in Sibirien“, sagt Tolsdorf.

Er wollte als Junge immer Abitur machen. Doch die Noten in der Puschkinschule, die er erhielt, reichten dafür nicht. „Ich hatte eine 4 in Chemie.“ Er wechselte nach der 10. Klasse nach Potsdam, machte beim Potsdamer Ableger des VEB Bau- und Montagekombinates Ost eine Berufsausbildung mit Abitur und lernte Betonbauer. Trotzdem stand auf dem Zeugnis „Baufacharbeiter“. Tolsdorf ließ sich nicht beirren. Bevor er an der TU in Dresden zu studieren begann und Diplombauingenieur wurde, arbeitete er einen Monat in Lindow. Dort half er mit, die Schwimmhalle für die Sportschule zu bauen, in der später Roland Matthes (vierfacher Olympiasieger der DDR im Schwimmen) trainierte.

Während des Studiums lernte Tolsdorf seine spätere Frau Petra kennen – in Neuruppin, wo sie in einem Jugendclub kellnerte. An seinem 24. Geburtstag verlobten sich die beiden, sieben Monate später heirateten sie. Tochter Anja erblickte 1978 das Licht der Welt. Sie ist inzwischen Bauzeichnerin, Ehefrau Petra arbeitet im Grundbuchamt.

Eigentlich wollte Tolsdorf in Dresden bleiben. Daraus wurde eben sowenig wie aus seinem Wunsch, im Stahlwerk in Hennigsdorf anzufangen. Dort hatte er ein Praktikum gemacht. Also bewarb sich Tolsdorf beim Wohnungsbaukombinat Potsdam, Betriebsteil Neuruppin, und kehrte in seine Heimat zurück. Er war für die Vorbereitung von Baustellen auch in Kyritz, Wittstock, Oranienburg und Berlin zuständig. Weil er wiederholt gedrängt wurde, in die SED einzutreten, entschied er sich 1985 kurzerhand für die CDU. „Dabei wäre ich wegen der Politik von Willi Brandt und Helmut Schmidt lieber in die SPD eingetreten.“ Aber die SPD gab es in der DDR nicht. 1987 wechselte Tolsdorf zum Vorläufer der heutigen NWG, zur Kommunalen Wohnungsverwaltung (KWV).

Nach der Wende wurde die KWV auch auf Betreiben von Tolsdorf und dem damaligen KWV-Chef Udo Heise in ein städtisches Unternehmen umgewandelt. Diesem gehörten auch Garagenkomplexe, Kirchen, Wälder und Seen. Davon trennte sich die NWG ebenso wie auf Drängen der Politik von der Handwerker-Sparte. Daraus wurde unter Heises Führung der Ruppiner Bauring, Tolsdorf wurde NWG-Chef. Seine spannendste Aufgabe war Anfang der 1990er Jahre der Bau der Wohnblöcke am Ruppiner Einkaufszentrum (Reiz). Denn nach dem Mauerfall hatten viele Neuruppiner die Stadt verlassen. Zudem drückten die NWG enorme Altschulden aus den Jahren der DDR. Dennoch erweisen sich die oft geschmähten Plattenbauten noch heute als notwendig: Bei mehr als 3600 Wohnungen hat die NWG nur einen Leerstand von knapp vier Prozent. „Wir brauchen drei Prozent Leerstand, damit die Leute während der Sanierung ihrer Wohnungen in eine andere umziehen können“, so Tolsdorf. Er ist seit 1998 CDU-Kreistagsabgeordneter und hält mit seiner Meinung nie hinterm Berg. Tolsdorf hat eigentlich nur eines an der Bauweise von damals auszusetzen. „Heute hätte ich gleich alle Wohnblöcke mit Aufzügen versehen lassen.“ Das wurde in den vergangenen Jahren nachgeholt. Auch nach seinem Ruhestand wird es Tolsdorf kaum langweilig werden: Er will weiter als ehrenamtlicher Handelsrichter am Landgericht arbeiten, im Kreistag sowie Aufsichtsratschef der Firma Inkom bleiben, die sich um Wirtschaftsförderung kümmert. „Ganz auf Null drehen, das geht nicht.“

Von Andreas Vogel

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