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Ostprignitz-Ruppin Warum Menschen Bücher lieben
Lokales Ostprignitz-Ruppin Warum Menschen Bücher lieben
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00:34 22.03.2018
Ewa 38 000 Bücher, Zeitschriften, Videos und andere Medien halten Andrea Plagemann und ihre Kolleginnen von der Stadtbibliothek im Alten Gymnasium in Neuruppin bereit. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Was Besuchern zuerst in den Blick fällt, ist das neueste Kochbuch von Jamie Oliver. Es steht, ganz vorn im ersten Regal, gleich am Eingang der Neuruppiner Stadtbibliothek. Daneben eine Reihe weiterer druckfrischer Kochratgeber für alle Lebenslagen.

Im Regal gegenüber strahlen in freundlichem Grün die neuesten Gartenbücher. Wie baue ich ein Gewächshaus selbst? Welche Pflanzen lassen sich auf der Fensterbank vorziehen, damit man vorbereitet ist, sollte der Winter irgendwann einmal enden?

Alles wirkt hell und einladend, keine Spur von Verstaubtheit, die man manchmal mit dem Wort „Bücherei“ verbindet. Die Neuruppiner Stadtbibliothek will modern sein – ein Haus, das mit der Zeit geht und mit dem, was ihre Leser suchen.

Die Leser sollen sofort sehen, dass die Bibliothek modern ist

„Wir haben gerade umgeräumt“, sagt Bibliotheksleiterin Andrea Plagemann mit einem strahlenden Lächeln. Die Bücher mit den Rechtstipps sind in den Hintergrund gerückt. „Die brauchen wir auch“, sagt Andrea Plagemann. Aber die Materie ist doch eher speziell.

Dafür steht vorn jetzt deutlich Frischeres. Die Besucher sollen auf den ersten Blick sehen, dass sie in der Neuruppiner Bibliothek das Neueste vom Neuen erwarten können und nicht nur alte Schmöker.

Seit Jahren behaupten Studien immer wieder, im Zeitalter des Internets würden die Menschen weniger lesen. Vor allem Kindern und Jugendlichen wird regelmäßig nachgesagt, dass sie viel seltener ein Buch in die Hand nehmen als früher.

Buchhandel klagt: Menschen lesen immer weniger

Viele Menschen fühlten sich „in der Multitasking-Gesellschaft“ vor allem durch soziale Medien stark gestresst, „da bleibt nur noch wenig Zeit für das Lesen“, klagte Alexander Skipis vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels gerade erst auf der Leipziger Buchmesse.

Andrea Plagemann und ihre Kolleginnen können das nicht bestätigen. „Nicht wirklich“, sagt die Chefin der Neuruppiner Stadtbücherei. 1752 eingetragene Leser hat die Bibliothek zurzeit, fast 800 davon Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren.

Zumindest in Neuruppin ist der Trend klar: Die Zahl der Leser steigt leicht, sagt Bibliotheksmitarbeiterin Gudrun Gericke. „Manche Leser sehen wir mehrmals in der Woche, manche nur alle paar Monate“, ergänzt Andrea Plagemann.

Die Bibliothek ist dort, wo viele Jugendliche ohnehin hinkommen

Gegründet wurde die Bücherei schon 1920, damals gehörte sie zur Volkshochschule. 1937 hat die Stadt sie übernommen. Nach der Wende war sie lange im Alten Gymnasium untergebracht, bis sie 2002 aus Platzmangel in die Bilderbogenpassage umziehen musste.

Im Nachhinein war das keine gute Wahl. Dort gab es zwar mehr Raum, trotzdem hat der Standort selbst eingefleischte Stammleser abgeschreckt.

Seit 2012 ist die Bibliothek wieder im Alten Gymnasium mit viel mehr Platz und lichten, weiten Räumen. „Das hat einen richtigen Hype gebracht“, sagt Andrea Plagemann. Plötzlich kamen auch Leser wieder, die sich Jahre nicht sehen ließen.

Im Alten Gymnasium sitzt die Bibliothek jetzt in der Mitte zwischen Kreismusikschule auf der eine Seite, Jugendkunstschule und Medizinischer Hochschule auf der anderen. Besser geht es kaum. Ständig ist Betrieb.

Kinder wollen gern Leser werden

Eltern bringen ihre Kinder zum Musikunterricht oder zum Tanztraining und schauen mit ihren Sprösslingen ganz automatisch auch in der Bibliothek vorbei. „Viele Bibliotheken müssen um den Nachwuchs kämpfen“, sagt Andrea Plagemann: „Wir nicht.“

Regelmäßig lädt sie Grundschulen zu Einführungskursen ein. „Meist kommen die Kinder am Nachmittag ganz begeistert mit ihren Eltern wieder und wollen sich gleich anmelden“, sagt die Chefin.

Rund 38 000 Medien hält die Stadtbibliothek bereit, 36 000 davon Bücher und Zeitschriften. „Natürlich können wir nicht alles haben“, sagt Andrea Plagemann. Aber sie und ihre Kolleginen versuchen, aktuell zu sein.

Immer wieder kommen Leser und fragen nach einem Buch, das neu auf der Bestsellerliste steht. „Die Leute sind dann oft bass erstaunt, dass wir die Bücher schon haben“, sagt Gudrun Gericke.

Zu einer modernen Bücherei gehört moderne Technik

Die Zeit der Stempelkarten ist vorbei. Längst wird elektronisch erfasst, wer welches Buch ausgeliehen hat. Nutzer können ihr Konto stets einsehen und die Leihfrist selbst verlängern, wenn sie ein Buch länger brauchen. Moderne Technik macht vieles leichter.

Das gilt auch für moderne Medien, E-Books zum Beispiel. Die öffentlichen Bibliotheken in Ostprignitz-Ruppin betreiben seit einigen Jahren mit dem Landkreis eine Online-Bücherei mit elektronischen Medien.

Die kann sich jeder von unterwegs auf seinen Rechner oder seinen E-Book-Reader laden. Nach 21 Tagen löschen sich die Medien selbst. Niemand muss sie zurückbringen, niemand kann die Leihfrist verpassen.

Elektronische Bücher sind immer gefragter

Etwa 180 Nutzer haben sich allein in Neuruppin im vergangenen Jahr für die „Onleihe“ angemeldet und 5167 E-Books, elektronische Zeitschiften, Filme oder andere Medien ausgeliehen. Wenn alles klappt, verleiht die Bibliothek demnächst sogar Lesegeräte; bisher braucht noch jeder sein eigenes.

Gerade bei älteren Lesern sind E-Books mit ihren vergrößerbaren Buchstaben gefragt, genau wie Hörbücher, sagt Gudrun Gericke. Mit ihnen kann jeder Literatur genießen, selbst wenn es im Alter schwer fällt, die keine Schrift im gedruckten Buch zu lesen.

Die Zeit der Bibliotheken scheint noch lange nicht vorbei. „Wir sind zufrieden“, versichert Andrea Plagemann. Ideen für Verbesserunge haben sie und ihre Kolleginnen trotzdem noch en masse.

Von Reyk Grunow

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