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Ostprignitz-Ruppin Warum Viehdiebe auf dem Vormarsch sind
Lokales Ostprignitz-Ruppin Warum Viehdiebe auf dem Vormarsch sind
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17:01 01.03.2017
Nachgestellte Szene: Viehdiebe kommen im Dunkel auf die Weide und stehlen ganze Herden – zum Leidwesen der Bauern immer häufiger. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Es ist stockfinster auf der Weide, irgendwo im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Langsam nähern sich finstere Gestalten. In den Lichtkegeln ihrer Stirnlampen werden die Konturen von Rindern sichtbar. Jetzt holpert ein Viehtransporter über den nahen Feldweg heran. Mit Stahlgittern und Seilen treiben die dunkel gekleideten Gesellen die Kuhherde zusammen, immer dichter schließt sich der Kreis vor der Rampe zum Viehtransporter. Nach etwa 15 Minuten sind die Tiere verladen und der Transporter setzt sich in Bewegung. Was aussieht wie ein echter Viehdiebstahl, ist hier nur fürs Fernsehen in Szene gesetzt. Der Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) dreht für seine Serie „Täter, Opfer, Polizei“.

Seit Jahren werden Brandenburgs Bauern immer wieder von kriminellen Banden heimgesucht, die es auf große Technik und Tiere abgesehen haben. Die Viehdiebe sind keineswegs der regen Einbildungskraft der Bauern entsprungen; sie sind schonungslose Realität. Seit rund drei Jahren verschwinden die Tiere meist nachts von den Weiden und aus den Ställen. Bundesweit waren bereits im Jahr 2014 immer wieder tragende Kühe gestohlen worden, im November 2015 und im darauf folgenden März traf es einen Prignitzer Bauern, von dessen Weide bei Glöwen tragende Muttertiere verschwanden.

Das Equipment haben die Diebe dabei. Mit Stahlgittern werden die Rinder eingeengt und zum Transporter getrieben. Quelle: Peter Geisler

Seit Beginn des Jahres gab es in Brandenburg bereits vier Fälle, bei denen viele Tiere auf einmal gestohlen wurden. „Den letzten Fall hatten wir im Februar in Terpt bei Luckau, wo 32 Tiere im Wert von 35.000 Euro von der Koppel verschwanden“, sagt Sebastian Scholze. „Der Zuchtbulle Ulli allein hat einen Wert von 3000 Euro. Deshalb vermuten wir, dass die Herde der Zucht dienen soll, sonst würden die Diebe nicht diesen Aufwand betreiben.“ Der Pressesprecher des Landesbauernverbands hat in den vergangenen Wochen immer wieder mit Opfern von Viehdiebstählen gesprochen; in einigen Fällen blieben den Bauern nur die Ohrmarken, die noch am Tatort abgeknipst worden waren. Sie geben Aufschluss darüber, woher die Tiere stammen. „Diese Marken zu entfernen ist nicht ganz einfach, das lassen sich die Tiere nicht gern gefallen“, sagt Sebastian Scholze, der deshalb vermutet, dass die abgebrühten Diebe ihr Terrain zuvor gut ausspähen und ihnen der Umgang mit Tieren keineswegs fremd sein kann. Spätestens beim Verlassen des EU-Gebiets müssen die Tiere von einem Tierarzt kontrolliert werden.

Sebastian Scholze, Sprecher des Landesbauernverbandes Brandenburg, berichtet vor laufender Kamera über dreiste Viehdiebstähle im Land. Quelle: Peter Geisler

Bisher geht die Aufklärungsquote allerdings gegen Null und nicht nur die Landwirte sind ratlos, auch der Bauernverband ist es. „Die Bauern müssten in Sicherheitstechnik investieren“, sagt Sebastian Scholze. „Viele haben sich von den Verlusten der letzten Jahre noch nicht erholt und auch die letzte Ernte war ja nicht gerade berühmt. Es gibt bereits einige Bauern, die ihre Ställe mit Kameras überwachen, doch wenn die Tiere auf der Weide stehen, lassen sie sich schlecht sichern.“ Doch auch Überwachungstechnik hindert die Diebe kaum an ihrem Tun. Der Bauernverbandssprecher berichtet von einem Tierhalter, dem bereits sechsmal die Technik und dreimal die Tiere gestohlen wurden. „Wir können doch unsere Ställe und Weiden nicht in Festungen verwandeln“, sagt er.

Die Dreistigkeit, mit der die Diebe vorgehen, bringt die Landwirte zur Verzweiflung, viele Betroffene stehen regelrecht unter Schock. „Wir können sehr wenig machen gegen diese Dreistigkeit“, sagt der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Ostprignitz-Ruppin, Sven Deter, und appelliert an seine Kollegen, sich mehr Zeit für die Betreuung der Tiere zu nehmen. „Es lohnt sich sicher, auch außerhalb der gewohnten Zeiten und nicht nur einmal am Tag nach den Tieren zu sehen. Wir müssen alle unser Umfeld sensibler im Auge behalten.“

Der Beitrag des Rundfunks Berlin Brandenburg wird in der Reihe „Täter, Opfer, Polizei“ am Sonntag, 5. März, gesendet.

Von Cornelia Felsch

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