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Was Wittstocker so alles hören

Zwischen Stille und Krach Was Wittstocker so alles hören

Hören ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Alltags. Von der stillen Lektürestunde in der Bibliothek über den Lärm von der Straße gehört alles dazu. Doch was passiert, wenn wir das irgendwann alles nicht mehr wahrnehmen können? Am Donnerstag sollte zum Welttag des Hörens wieder auf dieses Problem aufmerksam gemacht werden. So auch in Wittstock.

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Nichts, wofür man sich schämen müsste: Rebecca Schulz zeigt ein modernes Hörgerät.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Eigentlich bietet Akustikmeisterin Rebecca Schulz grundsätzlich kostenlose Hörtests für Jedermann in ihrem Wittstocker Fachgeschäft an. „Der Welttag des Hörens ist aber noch mal eine besondere Gelegenheit, die Menschen auf die Problematik aufmerksam zu machen“, sagt sie. Und die liege nach wie vor in der Ignoranz oder Nichtkenntnis von Hörproblemen aber häufig auch in der Scham der Menschen, sich ihr Defizit eingestehen zu wollen.

Das wurde am beim Welttag des Hörens am Donnerstag während der Hörtests in Schulz’ Hörakustikfiliale deutlich. Über das Problem wollte keiner der Hörteststeilnehmer so richtig sprechen. Eine ältere Dame beschrieb dann doch ihr Hörleiden. Seit einem einer Gesichtsoperation höre sie auf dem linken Ohr nur noch schlecht. Nun sei auch das rechte Ohr betroffen.

Hemmschwelle für Hörtests sinkt langsam

„Das Gehirn findet zunächst Strategien, die Behinderung zu kompensieren“, erklärt Schulz. Sätze könnten anfangs noch vervollständigt werden, aber irgendwann ginge das nicht mehr. Dann sei ein Test beim Arzt oder Akustiker unumgänglich. Und der sei heute sehr verlässlich. Anhand nichtgehörter Frequenzen könne man sogar feststellen, welche Buchstaben oder Phrasen der Kunde potenziell nicht wahrnimmt.

Trotz aller Scham, die Hemmschwelle, sich helfen zu lassen sinkt Schulz zufolge. Grund dafür sei, dass die Hörgeräte immer kleiner und dadurch kaum noch zu erkennen seien. „Außerdem zahlen die Kassen für Hörhilfen jetzt wieder mehr“, beschreibt sie einen finanziellen Anreiz.

Bibliotheksmitarbeiterin Annemarie Rossow lauscht daheim in Zaatzke auch mal gerne einem Hörbuch

Bibliotheksmitarbeiterin Annemarie Rossow lauscht daheim in Zaatzke auch mal gerne einem Hörbuch.

Quelle: Christian Bark

Als Hörakustikerin nimmt Rebecca Schulz tägliche Geräusche sehr viel intensiver wahr, wie sie sagt. Besonders gerne höre sie aber mal „nichts“. Bei ihr zuhause im Flecken Zechlin gebe es dafür einen besonders geeigneten Ort: Während eines nebligen Tages am Badestrand. „Der Nebel verschluckt einen Großteil der Geräusche“, erklärt sie. Aber auch in der sommerlichen Mittagshitze höre man in dem Ort oft nichts, außer vielleicht ein paar Vögel.

„Irgendwann reicht es dann aber mit der Stille“, gibt Schulz zu. Dann zeuge auch der Verkehrslärm auf der Straße davon, wie vielseitig das Leben ist.

Fabian Jakubowski entspannt gerne bei einem guten Buch und Stille

Fabian Jakubowski entspannt gerne bei einem guten Buch und Stille.

Quelle: Christian Bark

Krach auf der Straße und Stress in der Schule hat Fabian Jakubowski aus Wittstock genug. Da kommt dem 17-Jährigen die Ruhe in der Wittstocker Bibliothek ganz gelegen, wie er sagt. Bei einem guten Buch sei dann Zeit, zu entspannen. Das mache er mehrmals die Woche.

Obwohl man meinen könnte, dass gerade die Bibliothek ein Ort der Stille ist, hat Annemarie Rossow nicht gerade den ruhigsten Arbeitsplatz der Welt. Unten am Empfang bedient die Bibliotheksmitarbeiterin die Kunden und hat die Kinder im Auge und im Gehörgang, die im Erdgeschoss der Bibliothek ihren Lesebereich haben. „Das kann manchmal recht turbulent werden“, sagt sie.

Selber liest sie gerne, hört aber auch ab und an mal ein Hörbuch. „Das ist für die Augen entspannender“, schmunzelt sie. Und das Hören scheint unter den Bibliothekskunden allgemein immer beliebter zu werden. „Es werden immer mehr Hörbücher ausgeliehen“, informiert Rossow. So werde aus dem Paradies für die Augen langsam auch eines für die Ohren.

Welttag des Hörens

360 Millionen Menschen sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) massiv hörgeschädigt. Davon in Deutschland fast 13 Millionen.

2007 wurde der Aktionstag erstmals von der WHO ins Leben gerufen. Damit sollte dem Problem internationale Aufmerksam geschenkt werden.

Hörgeschädigte Kinder stehen in diesem Jahr im Fokus des Aktionstages. Weltweit sollen laut WHO rund 32 Millionen Kinder schwerhörig sein. Die Organisation schätzt, dass ein Großteil der Hörbehinderungen durch Vorsorgemaßnahmen hätte verhindert werden können.

Von Christian Bark

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