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Was plant die Stadt im Ortsteil Molchow?

Neuruppin Was plant die Stadt im Ortsteil Molchow?

Der Entwurf für die neue Rhinbrücke sorgt weiter für Streit. Der Ortsbeirat lehnt den Entwurf aus dem Rathaus ab, dort hält man nichts vom Gegenentwurf einiger Molchower. Jetzt fordern einige Stadtverordnete einen Sonderausschuss, damit sie endlich erfahren, was denn da eigentlich gebaut werden soll. Und was für so viel Aufregung sorgt.

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Die Enden der alten Molchowbrücke sind schon gekappt. Das Bauamt will auch die 250 Jahre alten Eichen an beiden Ufern fällen lassen.

Quelle: Christian Schmettow

Molchow. Auch wenn die Neuruppiner Stadtverwaltung das lieber anders hätte – zum geplanten Neubau der Rhinbrücke in Molchow ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. mehrere Stadtverordnete haben sich für eine Sondersitzung des Bauausschusses noch vor der Sommerpause ausgesprochen, um Klarheit im Streit bekommen.

Auf Druck von Molchows Ortsvorsteher Uwe Schürmann hat der Hauptausschuss die Molchowbrücke am Montag zusätzlich auf die Tagesordnung gesetzt. Doch schnell zeichnete sich ab, dass die Diskussion das restliche Programm zu sprengen droht. Ausschusschef Ronny Kretschmer (Linke) riet deshalb dafür, besser im Bauausschuss noch einmal ausführlich über das Thema zu sprechen.

Klar ist immerhin: Auch der überarbeitete Entwurf für eine neue Brücke, den das Neuruppiner Bauamt vorgelegt hat, kommt für viele Molchower nicht infrage. Vor zwei Wochen hatte sich der Ortsbeirat mit dem neue Entwurf befasst, und dort war das Papier glatt durchgefallen.

Die Stadt plant eine neue Brücke aus Stahl mit hohem Bogen

Die Stadtverwaltung plant eine Brücke, die statt bisher aus Holz künftig aus Stahl bestehen soll. Die neue Überführung über den Rhin wird eine gerade Fahrbahn haben und keine gewölbte wie bisher. Damit auch Schiffe drunter durchpassen, müssen die sogenannten Widerlager an den Ufern, auf denen die Brücke aufliegt, deutlich höher ausfallen als bisher. Die langen Rampen an den Uferseiten könnten ein Problem für Anwohner werden. Aber auch die 5,60 Meter hohen Stahlbögen, welche die Brücke halten sollen, sorgen für Ärger. Für den Designer Dirk Kerkhoff, der in Molchow lebt, ist klar, dass das überhaupt nicht in die Landschaft passt.

Zusammen mit dem Brückenbaufachmann Siegfried Ast hat Kerkhoff eine Gegenentwurf ausgearbeitet – einen, der viel schlichter ist. Ast war 15 Jahre lang bei der Senatsverwaltung in Berlin für Brücken zuständig und hat als Professor zu dem Thema in Potsdam gelehrt. Den Entwurf der Molchower lehnt die Stadtverwaltung allerdings ab.

Dass die vom Rathaus geplante Brücke nicht in die Landschaft passt, will Baudezernent Arne Krohn nicht akzeptieren. Selbst der Naturschutzbeirat bei Landkreis habe dem Vorhaben zugestimmt, sagte er im Hauptausschuss. Lange musste die Stadt mit den Vertretern der Naturschutzverbände ringen – letztlich haben sie vor kurzem aber grünes Licht für das Projekt signalisiert. Auch dafür, dass zwei gut 250 Jahre alte Eichen an den Ufern für den Neubau der Überführung gefällt werde dürfen.

Naturschützer stimmen nach lange Bedenken für das Projekt

Für Krohn ein Zeichen, dass der Ortsbeirat mit seiner Kritik allein dasteht. „Insofern ist die Behauptung, dass sich die Brücke nicht ins Landschaftbild einpasst, eine von mir durchaus akzeptierte Einzelmeinung“, so Krohn – aber eben nur eine Einzelmeinung.

Das will Karwes Ortsvorsteher Siegfried Pieper so nicht stehen assen. Pieper ist Stadtverordneter und selbst Landschaftsplaner. Den Entwurf, den die Stadtverwaltung vor Monaten kurz vorgestellt hatte, fand er unerträglich. Der wurde zwar inzwischen etwas abgespeckt, ist im Prinzip aber noch derselbe.

Im Ortsbeirat vor zwei Wochen hatte Krohn erklärt, dass für große Änderungen keine Möglichkeiten mehr bestehen. Für Pieper unverständlich: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass schon alle Messen gesungen sind.“ Auch der bündnisgrüne Abgeordnete Andreas Haake plädierte für eine ausführlich Beratung: „Ich finde es sehr wichtig, dass hier wirklich Expertenwissen ist. Es würde uns nicht gut zu Gesicht stehen, wenn wir das nicht anhören und nicht in einen Kompromiss einfließen lassen würden.“ Bisher kennen die meisten Stadtverordnete weder den aktuellen Entwurf der Stadtverwaltung noch den Gegenvorschlag aus Molchow.

Ortsvorsteher hofft auf schnellen Termin für eine Sondersitzung

Auch der Ortsvorsteher Uwe Schürmann hält eine Sondersitzung der Bauausschusses für eine gute Lösung: „Ich hoffe nur, dass die schnell zustande kommt. Wir freuen uns darauf, wir haben gute Argumente.“ Doch bringen die noch Änderungen? Die Stadtverwaltung will eigentlich demnächst die Baugenehmigung beantragen und im Herbst das Vorhaben öffentlich ausschreiben, um im Frühjahr mit dem Bau beginnen und die neue Brücke zur Saison 2018 eröffnen zu können.

Gerade für Fahrradtouristen ist die Überführung enorm wichtig; mehrere hundert Radler stehen derzeit jede Woche vor der gesperrten Brücke und müssen notgedrungen umdrehen. Auch bei manchem Molchower schwindet inzwischen die Geduld. Sie wollen, dass schnellstens eine neue Brücke gebaut wird – ihnen ist fast egal, wie die aussieht.

Von Reyk Grunow

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