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Ostprignitz-Ruppin Waschbären reduzieren Kleintierbestände
Lokales Ostprignitz-Ruppin Waschbären reduzieren Kleintierbestände
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00:18 11.02.2016
Norbert Schneeweiß, Leiter der Naturschutzstation Linum, mit ausgestopftem Marderhund und Waschbär (vorne). Quelle: Dagmar Simons
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Linum

Sie war vom Aussterben bedroht: die Europäische Sumpfschildkröte. Und sie kämpft immer noch ums Überleben. In der Naturschutzstation Rhinluch in Linum befindet sich unter anderem eine Aufzuchtstation für die gefährdete Tierart.

Die kleinen Panzertiere werden wie ein Augapfel gehütet von Leiter Norbert Schneeweiß und seinen Mitarbeitern. Aber nicht nur die Panzertiere. Ganz stolz ist Schneeweiß, dass sie es geschafft haben, mit Hilfe einer künstlich angelegten Insel wieder Flussseeschwalben anzusiedeln.

„Weil es kaum natürliche Brutplätze mehr gibt, haben wir diese Kunstinsel vor 14 Jahren im Teichland gebaut, wo eine Kolonie dieser Vögel brütet“, sagt Schneeweiß. Das ging gut, bis vor zwei Jahren der Waschbär die Insel komplett abräumte und die Eier und Jungvögel fraß. Immer wieder haben die Mitarbeiter alles neu angelegt – ständig schlug der Waschbär zu. „Haben die Vögel diese Erfahrung mehrfach gemacht, brüten sie dort nicht mehr“, sagt Schneeweiß. Nun haben er und seine Mitarbeiter die Insel mit Sonnenkollektoren und Strom gesichert, ein wirksamer Schutz gegen unliebsame Eindringlinge, den von den leichten Stromstößen abgeschreckt werden.

Bei der Beobachtung der Kunstinsel konnten die Naturschützer einigen Wildwechsel sehen. Mal streifen Fuchs, Wildschwein und Dachs durchs Schilf, wobei der Fuchs Wasser nicht liebt und sich schnell wieder aufs Trockene zurück zieht. „90 Prozent aller von uns registrierten Fälle sind Waschbären“, sagt Schneeweiß. Das Raubtier fühlt sich im niedrigen Gewässer wohl, wo es Muscheln und Schnecken aufspürt. „Im Flachwasser begegnen sich der Waschbär und die Schildkröten“, sagt Schneeweiß.

Auch die Bruterfolge der Wasservögel nehmen laut Schneeweiß ab; das haben Studenten kartiert wie beim Röhrichtbrüter im Schilf. „Die Waschbären sind zur Brutzeit voll aktiv und plündern die Nester.“ Durch Fotofallen im Röhricht wissen die Mitarbeiter der Naturschutzstation genau, wer nachts unterwegs ist. Das Teichgebiet ist 200 Hektar groß. Schneeweiß schätzt, dass sich dort zwölf bis 20 Waschbären bewegen.

Die possierlichen Tiere, bei deren Anblick viele in Entzückensrufe ausbrechen, vermehren sich stetig. Der Bestand bewegt sich im ganzen Bundesgebiet im sechsstelligen Bereich. Die meisten davon leben in Brandenburg und Hessen. Zwei eigentlich in Nordamerika beheimatete Waschtierpärchen wurden 1934 am hessischen Edersee ausgesetzt. Seit den 1950er Jahren leben wilde Exemplare auch in Brandenburg. Sie stammen ursprünglich aus einer Pelztierfarm in Eberswalde, aus der einige gegen Ende des Zweiten Weltkrieges entkommen konnten. In der freien Wildbahn vermehren sich die Tiere ständig. Sie sind keine niedlichen Kuscheltiere, sondern für viele Arten eine Gefahr. Die kleinen Räuber dezimieren insbesondere die zahlreichen Kleintierbestände, wie eben auch die gefährdete Sumpfschildkröte oder am Boden brütende Vögel.

Auch der Marderhund aus Ostasien ist ein Fressfeind der Schildkröten. „Er wurde als Pelztier im europäischen Russland eingeführt. Heute gibt es kein Interesse mehr an Pelzen, aber die Tiere haben wir“, sagt Schneeweiß. Die Bestände würden explodieren, darunter litten die einheimischen Bestände.

Schwierig ist es, die Raubtiere im Zaum zu halten. In Brandenburg wurden im vergangenen Jahr etwa 20 000  Tiere getötet, überfahren oder von Jägern erlegt. Das funktioniert aber nur mit guten und gewissenhaften Jägern, so Schneeweiß. Auch Lebendfallen kommen bei ihm zum Einsatz. Die werden zwei Mal täglich kontrolliert.

Um die Verluste in Grenzen zu halten, hat die Naturschutzstation Elektrozäune im Bereich der Nestplätze und Wohngewässer gezogen. „Das ist die mir symphatischere Methode“, sagt Schneeweiß. Da verfahren sie genauso wie das Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern. Im Naturpark Feldberger Seenlandschaft, leben Schildkröten, die im Rahmen eines Zuchtprojekts zur Rettung der vom Aussterben bedrohten Tiere in Linum geschlüpft sind, auf einem 20 Hektar eingezäunten Areal. Das scheint die nachhaltigste Lösung zum Schutz der bedrohten Tiere zu sein.

Von Dagmar Simons

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