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Ostprignitz-Ruppin „Wat is dat förn Plattdüütsch?“
Lokales Ostprignitz-Ruppin „Wat is dat förn Plattdüütsch?“
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02:16 11.07.2015
Kurzweiliger Vormittag: Gemeinsam sangen die Frauen auch plattdeutsche Lieder. Quelle: Christamaria Ruch
Wittstock

Der Workshop „Platt in der Pflege“ am Mittwoch in der KMG-Klinik in Wittstock lässt sich am besten sportlich erklären. Wer die erste Hürde nimmt, überwindet zugleich die Angst vor dem falschen Sprechen. Denn: „Perfektion ist nicht wichtig“, sagte Dozent Horst Giencke zu den 13 Frauen. Sie alle arbeiten in der Pflege und haben stationär oder ambulant immer wieder mit Patienten zu tun, die Plattdeutsch als Muttersprache erlernten.

Dozent Horst Giencke punktete mit einem lebendigen Vortrag. Quelle: Christamaria Ruch

„Heute steht an erster Stelle, dass der Workshop buchstäblich die Zunge löst und sich die Besucher anstecken lassen, plattdeutsch zu sprechen“, sagte Organisatorin Heidi Schäfer vom Verein für Niederdeutsch in Brandenburg. Dieses Ziel erreichten alle – auch wenn es mitunter einigen Teilnehmerinnen Überwindung kostete. Aber die ersten niederdeutschen Worte lasen sie dann frei heraus von den Seminarunterlagen ab. Denn Horst Giencke entwaffnete die Besucher mit einem offenen und ansteckenden Redefluss. „Reden Sie frei heraus Platt und Sie werden sehen: Schon wenige Sätze reichen aus, dass den Patienten die Augen aufgehen.“ Damit meinte er, dass Plattdeutsch eine Schlüsselfunktion besitzt. Bringt sie doch die Kommunikation zwischen Patient und Pflegekraft in Gang. Und wenn dann ein Patient etwa feststellt: „Wat is dat förn Plattdüütsch?“, dann hat diese Ansprache den Betroffenen bereits aktiviert, schlussfolgerte Horst Giencke.

Türöffner Plattdeutsch

Die niederdeutsche Sprache ist die zweithäufigste Regionalsprache in Europa. Nach der in Spanien beheimateten katalanischen Sprache gehört Plattdeutsch zu den Spitzenreitern unter den Regionalsprachen.

Der Dozent Horst Giencke vermutet: „80 Prozent aller Patienten verstehen oder reden Platt.“

Plattdeutsch als Muttersprache ist ein Türöffner und stellt eine Verbindung zu den Patienten dar.

Sie kann in seelischen Notsituationen den Zugang zu Pflegekräften erleichtern.

Innere Unruhe und Anspannung können beim Patienten herabgesetzt, die Aufmerksamkeit gebündelt oder Ängste und Depressionen gemindert werden. Gleichzeitig können Krisen und Trauer besser bewältigt werden.

Die Pflegefachkräfte von KMG, Volkssolidarität, Pusteblume und Arbeiterwohlfahrt (Awo) sowie die Frauen vom Niederdeutschen Stammtisch der Volkshochschule (VHS) in Wittstock und vom Seniorenbeirat waren sich bereits während der ersten Pause des Workshops einig: „Das ist sehr anschaulich und herrlich lebendig.“ Kathrin Bartel, Pflegedienstleiterin bei der KMG in Wittstock, räumte zwar ein: „Ich muss mich sehr konzentrieren, um alles zu verstehen, aber es geht ja hier in erster Linie um die Patienten.“

Sprache soll in Fleisch und Blut übergehen

Bartel gehört zu den Sprachneulingen, die gemeinsam mit drei weiteren Angestellten der KMG zu so genannten Kontaktpersonen für Plattdeutsch geschult werden. Deshalb nehmen sie seit mehreren Wochen regelmäßig am VHS-Stammtisch Niederdeutsch Platz und nähern sich dieser Sprache. Beim Stammtisch sollen schon bald ein auf die Pflege zugeschnittenes Wörterbuch und CD entstehen. Denn der Klang dieser Regionalsprache muss in Fleisch und Blut übergehen, um sie im Alltag anwenden zu können. Auch Petra Wegener, Pflegefachkraft im Awo-Seniorenzentrum der Dossestadt, gehörte am Mittwoch zu den Workshopbesuchern. „Ich kann bereits Platt reden und spreche so auch mit den Senioren.“ Sie bestätigte, dass dies eine positive Resonanz bei den Betroffenen auslöst.

Heidi Schäfer vom Niederdeutsch-Verein organisierte die Veranstaltung. Quelle: Christamaria Ruch

Immer wieder streute der 75-jährige Dozent Horst Giencke Lebensweisheiten in seine Lektionen: „Die Muttersprache ist das wichtigste, das der Mensch besitzt“, „Wer zwei Sprachen besitzt, ist ein zweifacher Mensch“ oder „Plattdeutsch ist nicht nur für den Humor gut.“ Schon stimmte er plattdeutsche Lieder wie „Miene Heimat“ mit den Frauen an und trug Gedichte, Geschichten oder Witze vor. Dann forderte er die Besucher sogar zum Duell auf und ließ sie Vierzeiler auf Platt dichten. „Das war heute ein guter Anfang, Platt in die Pflege hineinzutragen“, sagte Heidi Schäfer.

Von Christamaria Ruch

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