Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° Regen

Navigation:
Weltbürger wurde im kleinen Darritz heimisch

Darritz-Wahlendorf Weltbürger wurde im kleinen Darritz heimisch

Vier Mal ist Michael Schebesch in seinem Leben umgezogen, in Rumänien und Deutschland. Seit 2000 leben er und seine Frau in Darritz-Wahlendorf. Dort engagiert sich der 77-Jährige als Vorsitzender des Fördervereins für die Kirche. Seine Frau schwört auf Naturheilkunde. Das zeigt Wirkung. Michael Schebesch braucht keinen Arzt und keine Medikamente.

Voriger Artikel
Dream Team macht seinem Namen alle Ehre
Nächster Artikel
Orgel soll bis zur Laga restauriert sein

Joachim Pritzkow (L) und der Vorsitzende des Kirchenfördervereins, Michael Schebesch.

Quelle: FOTO: Dagmar Simons

Darritz. Nicht nur Joachim Pritzkow, Vorsitzender des Gemeidekirchenrats Temnitz, liegt die Darritzer Kirche am Herzen. Auch Michael Schebesch macht sich für ihren Erhalt stark. Der 77-Jährige ist der Vorsitzende des 2006 gegründeten Fördervereins für die kleine Dorfkirche. „Der Verein macht unwahrscheinlich viel. Er hat uns bei der Elektrifizierung der Orgel geholfen und er bereichert das kulturelle Leben im Ort“, sagt Pritzkow. Und das mit gerade einmal zwölf Mitgliedern. Sie organisieren unter anderem Konzerte wie im August mit der Violonistin Karin Burtscher aus Bregenz, der Tochter von Michael Schebesch, und der Neuruppinerin Juliane Felsch-Grunow an der Orgel. 800 Euro kamen beim Benefiz zusammen.

Alle 20 Jahre ein neues Zuhause

Dass Michael Schebesch und seine Frau einmal in Darritz zu Hause sein würden, hätte er selbst wohl nie gedacht. „Wir sind Europäer“, sagt er, weil er schon so oft woanders gelebt hat: 20 Jahre in Bogeschdorf, 20 Jahre in Hermannstadt, 20 in Augsburg – und nun im brandenburgischen Darritz.

Aus Rumänien ausgewandert

Geboren wurde Schebesch 1939 in Bogeschdorf,einem kleinen Ort im damaligen Siebenbürgen. Es folgte der Umzug nach Hermannstadt, wo er als gelernter Mechaniker sein Geld mit dem Reparieren von Autos verdiente. Doch er wollte weg aus Rumänien. Weil das Regime „uns nicht lassen wollten, was wir waren“, sie also ihrer Identität berauben wollte. „Sie haben das Deutschtum systematisch vernichtet,“ sagt er. Die deutschen Kindergärten wurden geschlossen, ab der fünften Klasse wurde nur noch in rumänisch unterrichtet. Das führte in den 1970er Jahren zu einer Auswanderungswelle. Nur, wenn man in Deutschland Verwandte ersten Grades hatte, also Eltern oder Geschwister, durfte man ausreisen. Bevor man die Erlaubnis bekam, musste man sich in Geduld üben und zahlen. „Es ging nur mit viel Warterei und Bestechung“, erinnert sich Schebesch. Sein ältester Bruder verließ Rumänien 1977 mit dem Ziel Amerika, wo sein Schwiegervater bereits lebte. Da er den deutschen Behörden verständlich machen konnte, dass er kein einziges Wort Englisch spreche, durfte er hier bleiben und ließ sich in Augsburg nieder. Dorthin folgte ihm am 24. September 1981, das Datum kommt wie aus der Pistole geschossen, Michael Schebesch mit Familie. Zurück lassen mussten sie ihr Haus. Dafür gab es eine Entschädigung vom rumänischen Staat, auf den heutigen Stand umgerechnet rund 16 000 Euro.

Ein neues Leben in Deutschland

Damit begannen sie in Deutschland ein neues Leben. 20 Jahre hat Schebesch in Augsburg bei der bayrischen Versicherungskammer als Hausmeister gearbeitet. Zwischendurch war er immer mal wieder zu Besuch bei seinem Schwager, der 1995 in Walsleben baute und ihn immer wieder auf einen Umzug ins Brandenburgische ansprach. Doch Schebesch weigerte sich immer wieder mit dem Hinweis, dass er in Bayern Arbeit habe. Doch 2000 setzte ihn ein Bandscheibenvorfall außer Gefecht. „Der schlug wie ein Blitz ein“, erinnert er sich. Nun stand einem Umzug nichts mehr im Weg.

Dank Naturheilmitteln gesund

Geheilt hat ihn seine Frau – nur mit homöopathischen Mitteln. Seit sieben Jahren war Michael Schebesch nicht mehr beim Arzt und Medikamente braucht er auch nicht. Seine Frau schwört auf die Homöopathie. Das hat sich herumgesprochen. Leute, die mit ihrem Latein am Ende sind, kommen zu der gelernten Krankenschwester. Demnächst hält sie einen Vortrag in der Walslebener Kirche. Für viele Leiden hat sie einen Tee, wie ihr Mann sagt. Statt Frühstück gibt es bei Schebeschs morgens einen selbst gebrauten Tee. „Natur ist eine Gottesgabe“, sagt Schebesch.Er hält sich nicht für übertrieben gläubig, aber sie seien beide in christlichen Elternhäusern aufgewachsen. Als seine Frau 1972 sehr krank wurde, seien ihr „die Augen aufgegangen“. Für ihn unterscheidet sich das Beisammensein in der Kirche von der Welt draußen. „Da geht es nur ums Haben“, sagt er. Dass es auch anders geht, zeigt das Ehepaar mit seinem ehrenamtlichen Engagement für die Kirche.

Von Dagmar Simons

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg