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Weniger Schwarz-Weiß auf den Weiden

Rinderzucht in der Region Weniger Schwarz-Weiß auf den Weiden

Die schwarz-weißen Kühe aus DDR-Zeiten scheinen aus der Landwirtschaft verschwunden zu sein. Doch sie sind noch da – als Milchvieh, das vorwiegend in den Ställen gehalten wird. Fleischrindrassen mit rotbraunen Färbungen werden hingegen extensiv gehalten und können häufiger auf den Weiden beobachtet werden.

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Die Hochleistungskühe der Fehrbelliner Rhinmilch-Agrargesellschaft gehören zu den fleißigsten Milchlieferanten der Region.

Quelle: Peter Geisler

Fehrbellin. Schwarz-weiße Kühe gibt es wahrscheinlich auch heute noch in vielen Spielzeugkisten. Auf den Brandenburger Weiden sind sie hingegen nicht mehr so häufig zu sehen. Dort überwiegt die Farbe Braun. Ausgestorben sind sie jedoch nicht – die züchterische Entwicklung und die Haltungsbedingungen haben sich gewandelt, so dass das schwarz-bunte Vieh seltener im Freiland zu sehen ist.

Das Schwarzbunte Milchrind war die typische Hausrind-Rasse, die in der DDR gezüchtet wurde. Dazu wurden in die Ausgangsrasse „Schwarzbuntes Niederungsrind“ Jerseybullen aus Dänemark eingekreuzt sowie Holstein-Rinder. Mit dieser Dreirassenkreuzung wollte man eine Rinderrasse mit hoher Milchleistung, hohem Milchfettgehalt und ausreichender Mastleistung schaffen. „Diese DDR-Einheitsrinder gab es von Mecklenburg bis nach Thüringen“, sagt Hellmuth Riestock, Geschäftsführer der Fehrbelliner Rhinmilch-Agrargesellschaft und Mitbegründer des Brandenburger Rinderzuchtverbands. „Die Rinder sollten viel Milch, aber auch Fleisch geben. Es war eine gute Rasse.“

Die Zucht wurde bis 1990 fortgeführt. Mit der Wiedervereinigung stellte sich die Frage, wie es weitergehen soll – nicht nur mit den Menschen, auch mit den Rindern. Sowohl in ost- als auch in westdeutschen Einrichtungen wurden zahlreiche Untersuchungen durchgeführt, die teilweise zu widersprüchlichen Ergebnissen kamen. Dennoch wurde das Schwarzbunte DDR-Rind durch das Deutsche Holstein-Rind aus den alten Bundesländern verdrängt, denn mit deren Milchleistung konnten sie nicht mithalten.

Die Milchleistung hat sich verdreifacht

Im Fehrbelliner Milchviehbetrieb wurde umgezüchtet. Auch Hellmuth Riestock setzt nun auf die in Deutschland am häufigsten gehaltene Holstein-Friesian-Rasse, die als leistungsstärkste Milchrindrasse weltweit gilt. Mittlerweile hat sich die Milchleistung verdreifacht. „Damals hatten wir im Durchschnitt eine Milchleistung von 3800 Litern je Kuh und Jahr, heute sind es in Brandenburg im Durchschnitt 9500 Liter“, sagt der Milchviehexperte. Sein Betrieb gehört zu den leistungsstärksten Milchproduzenten in Brandenburg.

Rindernachwuchs  auf den Weiden  bei Hakenberg

Rindernachwuchs auf den Weiden bei Hakenberg.

Quelle: Cornelia Felsch

Hochleistungskühe produzieren im Durchschnitt bis zu 11 000 Kilogramm Milch pro Jahr. Das geschieht dort allerdings – wie in den meisten Brandenburger Betrieben – im Stall, so dass die schwarz-weißen Tiere auf den Weiden kaum zu sehen sind. „Weidehaltung ist mit einer hohen Milchleistung nicht zu vereinbaren“, sagt Hellmuth Riestock. Er ist überzeugt davon, dass die Tiere im Stall wesentlich besser aufgehoben sind, denn ausreichend Bewegungsfläche und weiche Liegeflächen haben sie dort auch. „Kühe fühlen sich bei Temperaturen von Null bis zehn Grad Celsius am wohlsten“, sagt er. „Die Kühe bei 25 Grad Celsius auf die Weide zu treiben, das bedeutet für die Tiere Stress pur. Man tut den Rindern damit keinen Gefallen, denn man kann sie mit Hochleistungssportlern vergleichen. Die äußeren Bedingungen müssen stimmen, wenn hohe Leistungen erzielt werden sollen.“

Rund 5100 Rinder stehen bei Rhinmilch in den Ställen und auf den Weiden. 1750 davon sind Milchkühe, die anderen Mutterkühe, Nachzucht und Schlachtvieh. Fleischrinder werden so lange wie möglich auf der Weide gehalten. Für Riestock ein einfaches Rechenexempel. Denn während eine Mutterkuh durch die Geburt eines Kälbchens dem Betrieb 700 Euro im Jahr einbringt, erzielen Milchkühe den vierfachen Erlös. Die extensive Bewirtschaftung der Mutterkuhherden in den Grünlandgebieten im Rhinluch kommt den natürlichen Lebensbedingungen der Rinder recht nahe. Aber auch um Kosten zu sparen, werden die Fleischrinder von April bis Oktober im Freiland gehalten. Sie haben vorwiegend eine gelbliche bis rötliche Färbung.

Auch auf die Fitness der Tiere wird geachtet

Noch bis vor zehn Jahren legten die Züchter das Hauptaugenmerk auf die Milchleistung. Das hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Eutergesundheit, Gliedmaßen, Fitness und Langlebigkeit rückten immer mehr in den Blickpunkt. „Kühe sind heute wesentlich langlebiger als noch vor zehn Jahren“, sagt Hellmuth Riestock. „Das ist für uns sehr wichtig, denn erst nach der dritten Laktation wird eine Kuhn für uns rentabel“, sagt der 65-jährige Betriebschef.

Ein Vierteljahrhundert hat Hellmuth Riestock die Arbeit des Brandenburger Rinderzuchtverbandes mit geprägt. Die Eins ist seine Mitgliedsnummer. Im April vergangenen Jahres hat er das Amt des Vorstandsvorsitzenden aus Altersgründen abgegeben. Er ist sich sicher, dass das Geschäft mit den Rindern in den kommenden Jahren nicht einfacher wird. „Es wird immer weniger Milchbetriebe geben“, sagt er. 1960 hatte Deutschland noch 1,2 Millionen Milchbauern, jetzt sind es gerade noch 75 000. „Heute Milch zu produzieren ist ein hartes Brot.“

Der technische Fortschritt beeinflusste die Zuchtarbeit erheblich. „Die technischen Möglichkeiten haben uns gewaltig vorangebracht“, sagt Riestock. Frühere Generationen konnten sich durch die Kriegszeiten nicht so kontinuierlich der Zucht widmen. Wie es weitergehen wird, kann der Milchbauer nur vermuten. Vielleicht spielt bei der künftigen Zuchtarbeit die Futterökonomie eine größere Rolle oder der Methanausstoß. Sicher ist aber: Es wird immer wieder neue Ansprüche an die Kuh geben, die züchterisch umgesetzt werden müssen.

Von Cornelia Felsch

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