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Ostprignitz-Ruppin Wenn Angst den Alltag bestimmt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wenn Angst den Alltag bestimmt
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02:18 30.04.2018
Im Anschlussgespräch beantworteten Hans-Christoph Degener (l.) und Annette Stoschek (r.) Fragen aus dem Publikum. Quelle: Christian Bark
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Wittstock

Laura, Nathan und Lotte sind drei junge Menschen, die rein äußerlich eigentlich ganz normal wirken. Doch sie verbindet eine nicht gleich sofort sichtbare Krankheit, die ihr Leben ganz entscheidend beeinträchtigt: krankhafte Angst. Ist es bei Laura die Angst davor, in der Schule zu versagen oder bei Lotte, von Unbekannten verfolgt zu werden, kann sich Nathans generalisierte Angststörung auf nahezu alles in seiner Umgebung beziehen.

Gut 100 Zuschauer waren ins Kino gekommen. Quelle: Christian Bark

Die Drei waren Protagonisten eines Dokumentarfilms zum Thema „Angst“, der am Mittwochnachmittag im Kino Astoria lief. Die Vorführung war Teil des Aktionstages „Barrieren im Kopf überwinden“, der nun zum zweiten Mal gemeinsam von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) OPR und dem Kino veranstaltet wurde. „Wir wollen die Menschen damit für geistige Beeinträchtigungen sensibilisieren“, erklärte Awo-Mitarbeiterin Katrin Ulmer. Und die könnten jeden in jeder Lebenslage treffen – auch junge Menschen wie die drei Filmprotagonisten. Über 100 Zuschauer waren am Mittwoch zur Vorführung und anschließenden Diskussionsrunde mit Hans-Christoph Degener und Annette Stoschek vom Sozialpsychiatrischen Dienst des Landkreises Ostprignitz-Ruppin gekommen.

Bundesweiter Aktionstag

Seit 17 Jahren unterstützt der Verein „Aktion Mensch“ Veranstaltungen zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Im kleinen Rahmen wurde der Tag bisher in der Kontakt- und Beratungsstelle (KBS) der Arbeiterwohlfahrt (Awo) thematisiert.

Seit 2016 findet der Aktionstag im Kino Astoria und der KBS in Wittstock statt. Im Fokus des Tages stehen unter dem Motto „Barrieren im Kopf überwinden“ geistige Beeinträchtigungen.

„Die Dinge sind bei Betroffenen häufig noch komplizierter, als im Film dargestellt“, erklärte Hans-Christoph Degener. Häufig spielten Drogen oder familiäre Probleme eine Rolle bei Angstzuständen. Angst könne aber auch eine Begleiterscheinung von psychischen Erkrankungen sein oder diese begünstigen. „Den Betroffenen fehlt im Gegensatz zu Menschen in alltäglichen Angstsituationen oft die Bewältigungsstrategie“, sagte Annette Stoschek. Diese könnte in einer Therapie aber erlernt werden. Je früher sich Betroffene mit dem Thema auseinandersetzten, desto eher könne ihnen geholfen werden.

Im Anschluss gingen die Gespräche in der Kontakt- und Beratungsstelle der Awo am Markt bei Kaffee und Kuchen weiter. Quelle: Christian Bark

Die Ursachen für krankhafte Angst können, wie der Film sowie Reaktionen aus dem Publikum zeigten, ganz unterschiedlich sein. Neben Geburtskomplikationen oder emotionalen Belastungen werfen Menschen auch soziale Veränderungen aus der Bahn, wie ein Zuschauer auf die Situation nach der Wende hinwies. Eine andere Zuschauerin sprach sich für eine individuelle Therapie aus, weil Aufenthalte in der Psychiatrie auch kontraproduktiv sein könnten.

Von Christian Bark

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