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Ostprignitz-Ruppin Wenn Bürger ein Wörtchen mitzureden haben
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wenn Bürger ein Wörtchen mitzureden haben
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00:17 07.11.2016
Am runden Tisch tauschten sich die Anwohner unter anderem mit Wittstocks Bürgermeister Jörg Gehrmann (Mitte) aus. Quelle: Christian Bark
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Wittstock

Mit so einem großen Andrang hatten die Organisatoren des ersten Bürger-Forums zur Neugestaltung der Röbeler Vorstadt in Wittstock am Donnerstagabend nicht gerechnet. „Schön, dass so viel Interesse besteht“, freute sich Kornelia Kurzawa von der Volkssolidarität. Der Wohlfahrtsverband betreibt den seit Sommer geöffneten Quartierstreff in der Clara-Zetkin-Straße und ist somit ein Player um die Entwicklung des nach und nach sanierten Wohngebiets.

Seit drei Jahren lebt auch Dorit Hellwig in der Röbeler Vorstadt. Damals hatte sie ihr Haus verkauft und sei in eine Neubauwohnung gezogen, wie sie sagt. Nun wolle sie zuhören und mitreden, wie sich ihr Wohnumfeld künftig verändern soll. Ein alteingesessener Anwohner ist hingegen Harald Newetzki. Er lebt seit mehr als 40 Jahren dort. „Und ich fühle mich sehr wohl“, betont er. Besonders nach der Sanierung seines Blocks.

Jürgen Paul fasste die Anregungen der Bürger auf Tafeln zusammen. Quelle: Christian Bark

Sehr wohl scheinen sich über 90 Prozent der Anwohner zu fühlen, wenn man nach der im Spätsommer von der Volkssolidarität verteilten Zufriedenheitsumfrage geht. Diese wertete Veranstaltungsmoderator Jürgen Paul an diesem Abend aus. „Leider kamen nur 79 der 250 versandten Bögen ausgefüllt zurück“, bemerkte er. Aber die über 30 Prozent Rücklauf seien schon repräsentativ. Im Fragebogen äußerten sich die Anwohner unter anderem über Einkaufsmöglichkeiten, Verkehrsanbindung, Nachbarschaft und Zusammenkunftsmöglichkeiten. Für die Volkssolidarität war das besonders entscheidend, denn sie wollte ihren Quartierstreff unbedingt bekannter werden lassen.

Vom Plätzchenbacken bis zur Sitzgelegenheit

Von einem ersten Stimmungsbild inspiriert, ging es nach Pauls Auswertung sowie einleitende Worte durch Kurzawa, Wittstocks Bürgermeister Jörg Gehrmann sowie Hans-Jörg Löther, den Geschäftsführer der kommunalen Wohnungsverwaltung GWV, der ein Großteil der Gebäude im Viertel gehört, an die runden Tische.

Millioneninvestitionen

Fast sieben Millionen Euro sind bislang in den ersten Bauabschnitt zwischen Liebknecht-, Röbeler- und Jahnstraße geflossen. Vier Millionen flossen davon in die Gebäude, die 110 Wohnungen fassen.

5,7 Millionen Euro sollen in den zweiten und drei Millionen in den dritten Bauabschnitt, der ab 2017 begonnen wird, fließen. Ein vierter Bauabschnitt soll nach 2019 folgen. Dadurch steigen die Quadratmeterpreise um bis zu 70 Cent an, während die Heizkosten um bis zu einen Euro sinken sollen.

Die Besucher setzten sich, in drei Gruppen aufgeteilt, an die drei Tische, um mit den Organisatoren und Entscheidungsträgern über Themen wie Einkaufsmöglichkeiten, Infrastruktur, Veranstaltungen und das Zusammenkommen der Generationen zu sinnieren. „Wie können im Quartierstreff künftig Alt und Jung zueinanderfinden?“, wollte Volkssolidaritätsmitarbeiterin Elke Bröcker wissen. Vorschläge wie Plätzchenbacken mit Kindern der Waldring-Kita oder Computerkurse von jungen für alte Menschen stießen auf offene Ohren. Auch Harald Newetzki bot an, seiner älteren Generation mal zeigen zu wollen, wie man mit dem Computer umgeht.

Tischwechsel: bei den vielen Teilnehmern konnte es schon mal etwas länger dauern. Quelle: Christian Bark

Am nächsten Tisch sprach Löther über Investitionsvorhaben wie der Schaffung eines Dosse-Parks und Fußwegs entlang des Flusses. Er machte im MAZ-Gespräch allerdings auch keinen Hehl daraus, dass die GWV einen Teil des Geldes aus Mieterhöhungen generieren müsse – verträgliche, wie er betonte, um keine Mieter zu vertreiben. „Durch sinkende Heizkosten aufgrund der Sanierung wird sich das aber relativieren“, sagte er. Jürgen Paul schrieb fleißig die Forderungen nach mehr Sitzgelegenheiten oder besserer Beleuchtung mit.

Am Tisch von Jörg Gehrmann wurde unter anderem über einen Bankautomaten im Viertel diskutiert. „Den haben die Freyensteiner nötiger“, begründete er seine Entscheidung, dass Geldabheben im Viertel nur über die Kassen der Discounter Rewe und Netto möglich sein wird. Gehrmann hatte zu Beginn der Veranstaltung bereits betont, dass er nicht der Nikolaus sei. Alle Wünsche könnten sicher nicht erfüllt werden, aber ein solches Forum sei ein guter Weg zu mehr Bürgerbeteiligung. Und die forderten die Veranstalter nachdringlich, da das Viertel nur durch das Zusammenwirken und das Interesse der Anwohner lebendiger werden könnte.

Von Christian Bark

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