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Ostprignitz-Ruppin Wenn Plattenbauten zum Kulturgut werden
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wenn Plattenbauten zum Kulturgut werden
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02:17 06.07.2015
Matthias Metzler vor der Schule in Herzberg. Quelle: Christian Schmettow
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Herzberg

Der Lindower Amtsdirektor Danilo Lieske (SPD) hat einen Alptraum: Was, wenn leerstehende Zweckbauten aus den 70er und 80er Jahren plötzlich unter Denkmalschutz gestellt würden? Entsprechende Gerüchte habe er schon mal gehört, sagt der Verwaltungschef. Im Amtsbereich Lindow könnte das zum Beispiel das Schulgebäude in Herzberg betreffen. Die 1984 errichtete Plattenbau-Schule steht seit 2001 leer. Alle Versuche, eine neue Nutzung zu finden, scheiterten bisher. Da das Gebäude sich noch im unsanierten Originalzustand befindet und keine Dämmplatten die alten Wandmosaike verdecken, könnte es für die Denkmalschützer interessant werden.

Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege befasse sich durchaus mit Zweckbauten aus der jüngeren DDR-Zeit, bestätigte der Leiter des Referats Inventarisierung, Matthias Metzler, am Donnerstagabend in Herzberg. Der Amtsausschuss hatte den Denkmalschützer zu einem allgemeinen Informationsgespräch eingeladen. Im Moment werde aber im Landesamt weder über die Herzberger Schule noch über das benachbarte Gemeindezentrum (Turnhalle mit Beton-Gewölbedach) geredet, versicherte Brandenburgs oberster Denkmalerfasser. Gern zum Denkmal gemacht hätte er dagegen die Schwimmhalle der alten Lindower Sportschule. „Da war ich schon dran“, sagte er, doch der Landessportbund war damals schneller: Im Januar 2003 zerlegten Abrissbagger die architektonisch außergewöhnliche Wettkampfhalle.

So etwas Ähnliches stellen sich auch der Bürgermeister und der Bauausschussvorsitzende von Vielitzsee vor. In Vielitz steht ein hübsches kleines Bauernhaus in der Kirchstraße schon viele Jahre leer und verfällt. Nun droht das Dach einzustürzen. Wie man denn ein denkmalgeschütztes Haus aus dem Schutzsstatus wieder herausbekäme, wollten Dieter Fischer und Fereno Zitzmann wissen. Der „Schandfleck“ passe nicht mehr ins Dorf, in dem seit der Wende viele schicke moderne Einfamilienhäuser entstanden sind. Aus der Liste gestrichen werde ein Denkmal erst, wenn es im Bestand bedroht ist, antwortete Matthias Metzler. Baufälligkeit alleine reiche dafür nicht. Der Eigentümer habe sogar eine Erhaltungspflicht. Das heißt: Der Eigentümer kann sogar aufgefordert werden, zu investieren, um das Denkmal zu erhalten. Fördermittel gibt es dafür aber in der Regel nicht.

Darin sieht der Lindower Stadtverordnete Rainer Hollin (SPD) einen Konstruktionsfehler : Die Gesellschaft sei der Meinung dass alte Gebäude erhalten werden müssen, sei aber nicht bereit, dafür Geld auszugeben. Das bliebe dem privaten Eigentümer überlassen. Wohin das führt, sehe man in Gentzrode. Das Gut im maurischen Stil verfällt seit 25 Jahren. Matthias Metzler gab den Lindowern recht: „Was in Gentzrode passiert, ist ein ganz großes Trauerspiel.“

Von Christian Schmettow

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