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Wenn Schlitzohren die Obrigkeit linken

Schauspiel zum Wittstocker Stadtbrand von 1716 Wenn Schlitzohren die Obrigkeit linken

War er es oder war er es nicht? – Die Frage, ob der Apotheker Georgi vor 300 Jahren Schuld am Ausbruch des großen Wittstocker Stadtbrandes war, konnte auch in der historischen Anhörung am Freitagabend nicht geklärt werden. Dafür gab das Laienschauspiel interessante und amüsante Fakten und Anekdoten aus der Stadtgeschichte preis.

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Die sieben Darsteller aus Politik und Gesellschaft hatten das Stück zuvor kaum proben können, sondern lieber improvisiert.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Wenig neue Erkenntnisse über die Ursachen des großen Wittstocker Stadtbrandes von 1716 wird der preußische Regierungsrat von Gumbkow seinem König Friedrich Wilhelm I. berichtet haben. Denn die von ihm geladenen Zeugen im Rathaus der Dosse­stadt hatten bei ihrer Anhörung zwar vieles über sich selbst sowie die Missstände in der Stadt vor 300 Jahren zu berichten, wenige oder eher schwammige Informationen ließen sie jedoch dem königlichen Beamten zukommen.

Der wird am Freitagabend vom Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung, Burkhard Schultz, verkörpert. In den anderen Rollen sind während der historischen Ratssitzung weitere bekannte Wittstocker aus Politik und Gesellschaft zu sehen. So spielt der Vorsitzende des Ordnungsausschusses, Peter Krause, den unter Verdacht der Brandstiftung stehenden Apotheker Georgi. „Ich und meine Frau, wir haben zum Zeitpunkt des Brandausbruchs Wäsche sortiert“, gibt er in seiner Verteidigungsrede als Alibi an. Die von der Stadtverordneten Angelika Noack verkörperte Ehefrau des Apothekers bekräftigt die Aussage ihres Mannes. Damit weist Krause alias Georgi auch den Vorwurf der Sabbatschändung, an besagtem Sonntage heimlich Branntwein gezapft zu haben, von sich. Vielmehr habe er ein Parfüm für seine „liebe Frau“ gemixt.

 Peter Krause (l) spielte den Apotheker Georgi

Peter Krause (l.) spielte den Apotheker Georgi.

Quelle: Christian Bark

Keiner der geladenen Zeugen weiß objektive Beweise gegen Georgi vorzulegen. Stattdessen klagt der vom bekannten Wittstocker Historiker Wolfgang Dost verkörperte kirchliche Inspektor von Suppe über den moralischen Sittenverfall innerhalb der Stadtmauern. Zum Beispiel über Trinkgelage und mit Naturalien gekaufte Liebe in der Petersilienstraße. „Es ist was faul in der Stadt Wittstock“, mahnt er mit erhobenem Zeigefinger. Wittstocks Bürgermeister Jörg Gehrmann bleib tin seiner Rolle als Stadtoberhaupt, nur eben der seines Amtsvorgängers vor 300 Jahren. Auch der Bürgermeister hat keine Informationen, die dem Regierungsbeamten weiterhelfen können. Dafür bekräftigt er aber: „Georgi hat vielen Wittstockern geholfen.“ Zudem brauche man jede Hand zum Wiederaufbau der Stadt und nicht für Verhöre. Auch Dost alias von Suppe bemüht das Bibelphrase: „Wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!“

 In alter deutscher Handschrift verfasst

In alter deutscher Handschrift verfasst: Das Thema der historischen Ratssitzung..

Quelle: Christian Bark

„Wir werden die Schuldfrage wohl hier und heute nicht klären können“, beendet Burkhard Schultz alias von Gumbkow unverrichteter Dinge die Anhörung. Kaum ist der Regierungsbeamte weg, kommen die Zeugen ins Tuscheln. Wer sich vorher noch im Zeugengespräch angegiftet hat, versöhnt sich nun wieder, und der Apotheker Georgi kredenzt zur Feier des Tages für alle einen Schluck seines selbstgezapften Branntweins. Ob der nun an dem Sonntage gezapft worden war, bleibt allerdings offen. „Wir hatten nur eine Probe und da waren nicht mal alle da“, sagt Wolfgang Dost am Ende der Vorstellung. Darum hätten alle Darsteller improvisiert.

Von Christian Bark

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