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Wenn de Lütten dat nich liern

Plattdeutsch für Anfänger Wenn de Lütten dat nich liern

Angret Thiele versucht, Demerthiner Grundschüler für eine aussterbende Sprache zu begeistern: Ehrenamtlich unterrichtet sie Plattdeutsch. Die Sprache war noch vor 100 Jahren in der Prignitz allgegenwärtig.

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Einmal in der Woche trifft sich Angret Thiele mit den Kindern zur Arbeitsgemeinschaft Plattdeutsch.

Quelle: Alexander Beckmann

Demerthin. "Ick glöw, wi fang nu an", sagt Angret Thiele, als an diesem Mittwoch auch die letzten Nachzügler eingetroffen sind. Spätestens der Spruch zur Begrüßung macht klar, worum es in dieser nachmittäglichen Stunde in der Grundschule Demerthin geht: "Plattdüütsch blifft in Traditschoon, solang wi Plattdüütsch schnacken doon. Lütte Kinner, groode Kinner ‒ Plattdüütsch schnacken wi nu immer."

Einmal in der Woche leitet die Vehlowerin nach dem Unterricht ehrenamtlich die Arbeitsgemeinschaft Plattdeutsch innerhalb des Ganztagsangebots der Schule. Liest Geschichten und Gedichte up Platt, übersetzt für die Kinder und lässt sie nachsprechen.

"Een, twee, dree, veer ..." So weit, so gut. Doch spätestens bei den Zahlen ab 20 kommen die Mädchen und Jungen ins Schleudern: "Twenty?" "Twennig", korrigiert die 57-Jährige. "Aber es ist schon richtig, dass da eine Verwandtschaft zwischen dem Englischen und dem Plattdüütschen ist."

Dass sie die bis zu neun Teilnehmer ihrer Arbeitsgemeinschaft zu perfekten Plattschnackern machen kann, damit rechnet sie nicht. Aber sie will ihnen Wissen über die Sprache ihrer Vorfahren vermitteln. Es ist schließlich noch keine 100 Jahre her, dass in der Prignitz fast durchweg Platt gesprochen wurde. "Es reicht nicht, nur mal was zu lesen oder zu hören. Aufs Sprechen kommt es an." Auch wenn es schwer fällt. "Wenn die Lütten dat nich ok noch liern, denn ist die Sprook bald weg." Angret Thiele ist überzeugt davon, dass das Niederdeutsche in der Region ausstirbt, wenn es nicht gelingt, jüngere Menschen an die Sprache heranzuführen. Etwas für die Region Typisches wäre endgültig verloren.

Daher investiert Angret Thiele neben ihrer Arbeit als Landwirtin und ihrer Aktivität beispielsweise im Freundeskreis der Kyritzer "Plattdüütschen" seit Schuljahresbeginn nun auch Zeit und Arbeit in der Demerthiner Grundschule. Viel Zeit und Arbeit. "Es gibt fast kein schriftliches Lehrmaterial." Angret Thiele sucht sich selbst Texte zusammen, arbeitet sie am Computer auf und vervielfältigt sie. Und nicht immer machen es die Kinder der pädagogischen Amateurin leicht. Nachmittags haben die Mädchen und Jungen sichtlich anderes im Kopf als eine Fremdsprache. Das Herumgekasper nimmt kaum ein Ende. Einige der Mädchen lassen sich von der Vehlowerin nur unwillig bei ihren Gesprächen unterbrechen. "Das ist heute die Babyklasse hier."

"Es ist wirklich schwierig, sie bei Laune zu halten." Gern bringt Angret Thiele dann zum Auflockern kleine Spiele auf Platt in die Runde. Nicht immer reicht die Zeit dafür.

Ganz so anspruchsvoll hatte sie sich das vielleicht nicht vorgestellt. "Einmal im Leben muss man was Neues machen", habe sie sich gedacht. Ein halbes Jahr wolle sie mindestens durchhalten ‒ zumal sie auf die Arbeitsgemeinschaft stolz ist. "Ich weiß von keiner anderen Schule, an der Plattdeutsch unterrichtet wird." Und immerhin: Die Arbeitsgemeinschaft mag nicht ganz so populär sein wie Tischtennis, Fußball, Tanz oder Handarbeit ‒ mehr Mitglieder als Schach und Aquaristik hat sie.

"Annika, vertellst Du uns dat eben, wat Du eben mokt hest?", fragt Angret Thiele. Annika kommt schwer ans Grübeln. Und das kann ja nie schaden.

Von Alexander Beckmann

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